Jahresbilanz: Wohnen in Dortmund wird immer teurer

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Wer sich über die Lage auf dem Wohnungsmarkt informieren will, muss in den städtischen Wohnungsmarktbericht schauen. Der neueste Bericht für 2019 liegt inzwischen vor. Mit wenig guten Nachrichten.

Dortmund

, 04.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein vielgelobtes System zur Beobachtung des Wohnungsmarktes hat das städtische Wohnungsamt aufgebaut. Ergebnis ist alljährlich ein ausführlicher Wohnungsmarktbericht. Der neueste Bericht mit einer Bilanz für 2019, aber auch einem aktuellen Ausblick, liegt inzwischen vor.

Und er bestätigt, was Immobilienportale schon seit Monaten berichten: Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich weiter verschärft. Die Liste der Wohnungssuchenden ist lang, Mieten und Immobilienpreise sind weiter gestiegen – und das zum Teil drastisch.

Bestes Beispiel: Neu gebaute frei stehende Einfamilienhäuser in Dortmund wurden 2019 im Schnitt für 480.000 Euro angeboten – und sind damit rund 20 Prozent teurer als im Vorjahr.

Die Preise für alte wie neue Doppelhaus-Hälfte sind binnen eines Jahres um rund 10 beziehungsweise 11 Prozent gestiegen. Auch für Eigentumswohnungen im Bestand werden in der Regel 10 Prozent mehr fällig. Im Schnitt kosten sie 1647 Euro pro Quadratmeter, der mittlere Preis für Neubau-Wohnungen liegt bei 3071 Euro.

Das hat auch Auswirkungen auf den Mietmarkt. Für Bestandswohnungen wurden 2019 bei Wiedervermietungen im Mittel 7,25 Euro pro Quadratmeter fällig. Das sind 3,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die mittleren Mieten für Neubauwohnungen stiegen um 3,7 Prozent auf 10,89 Euro.

Die Stadt will der Entwicklung natürlich nicht tatenlos zusehen, versichert Planungsdezernent Ludger Wilde. Die schon vor Jahren gestartete Wohnungsbau-Offensive kommt aber immer noch nur langsam voran. Das Ziel von 2000 neu gebauten Wohnungen konnte immer noch nicht erreicht werden.

Zahl der Baugenehmigungen gestiegen

Im Gegenteil: 1378 neu fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2019 bedeuten im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 16,4 Prozent. Eine Rolle dürften dabei steigende Baupreise und die Engpässe in der Bauwirtschaft spielen, vermutet Wilde.

Immerhin: In diesem Jahr ist wieder ein Plus bei den neuen Wohnungen zu erwarten. Denn die Zahl der Baugenehmigungen erhöhte sich 2019 um 14,6 Prozent auf 1881, berichtet Wilde.

Und es gibt noch reichlich Bauland. Das aktuelle Potenzial auf vorhandenen Flächen liege bei 9400 Wohneinheiten, bilanziert Wilde. Dabei habe man weiterhin den Ehrgeiz, vor allem Brachflächen für den Bau neuer Wohnungen zu nutzen.

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Als Beispiele nannte der Dezernent die großen Neubaugebiete Kronprinzen-Viertel auf dem früheren Südbahnhof-Gelände sowie Luisenglück und Schreck-Mieves in Barop.

Die Corona-Krise soll sich dabei nicht negativ auswirken. „Corona wird sicherlich nicht ganz spurlos am Wohnungsmarkt vorbeigehen“, sagte Wilde. Bislang gebe es aber noch keine Rückgänge bei Baugenehmigungen oder Fertigstellungen von Wohnungen. Spürbar sei allerdings, dass es weniger Umzüge gibt.

Auf dieser Fläche an der Straße "Luisenglück" soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Auf dieser Fläche an der Straße „Luisenglück“ soll ein neues Wohngebiet entstehen. © Britta Linnhoff (Archiv)

Weitgehend zufrieden können die Experten des städtischen Wohnungsamtes auch mit dem Abruf von Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau sein. Im vergangenen Sommer hatten sie noch einen Hilferuf gestartet, weil Landesmittel in Millionenhöhe zu verfallen drohten. Bis Ende 2019 wurden dann immerhin 29,3 Millionen Euro an Fördermitteln abgerufen.

Neue Förderbedingungen

238 Wohnungen konnten damit modernisiert oder neu gebaut werden. Eine große Rolle spiele dabei die 25-Prozent-Quote stellt die stellvertretende Wohnungsamtsleiterin Anja Laubrock fest. Der Rat hatte beschlossen, dass 25 Prozent der Wohnungen in neuen Baugebieten mit öffentlicher Förderung gebaut werden müssen.

Hilfreich ist dabei auch die neue Mietstufen-Einordnung für Dortmund. Jetzt sind Netto-Mieten von bis zu 6,20 Euro pro Quadratmeter für öffentlich geförderte Wohnungen möglich. Und es gibt für Bauherren auch einen großzügigen Tilgungsnachlass. Das nährt die Hoffnung, dass in diesem Jahr die zur Verfügung stehenden Fördermittel von 39 Millionen Euro fast komplett abgerufen werden.

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