Jeder fünften Kastanie droht die Säge

Baumfällungen am Wall

Der Verfall der Kastanienbäume im Stadtgebiet nimmt dramatische Ausmaße an: Jede fünfte der 2275 Rosskastanien am Straßenrand ist von dem aggressiven Bakterium Pseudomonas syringae befallen. Allein über 70 Exemplare der 560 prächtigen Bäume am Wallring sind massiv geschädigt. Wir zeigen, was die Stadt nun unternimmt.

DORTMUND

, 28.09.2016, 02:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Braune Blätter sowie Risse und Dellen am Stamm von Rosskastanien deuten auf eine Bakterieninfektion hin. An Dprtmund Straßen – wie hier am Ostwall – sind 450 Bäume massiv betroffen. Die Banderole markiert Bäume, die bald gefällt werden müssen.

Braune Blätter sowie Risse und Dellen am Stamm von Rosskastanien deuten auf eine Bakterieninfektion hin. An Dprtmund Straßen – wie hier am Ostwall – sind 450 Bäume massiv betroffen. Die Banderole markiert Bäume, die bald gefällt werden müssen.

Erst beginnen sie zu „bluten“, dann werden die Wunden in der Rinde von Pilzen befallen, das Laub wird schütter. Die zum Teil mehr als hundert Jahre alten Rosskastanien verfaulen bei lebendigem Stamm. Diagnose: unheilbar.

Bei der letzten Begehung des Wallrings durch Baumkontrolleure Mitte dieses Monats wurden auch Proben entnommen. Dabei wurde das gefräßige Bakterium „eindeutig nachgewiesen“, sagte gestern Baudezernent Martin Lürwer. Die ersten 44 Bäume, die allein am Wall gefällt werden, tragen bereits eine orangefarbene Banderole.

Was nach ihnen kommt, ist noch nicht entschieden. Eine bloße Ersatzpflanzung mit Kastanien mache wenig Sinn, sagte Lürwer. Die bakterielle Erkrankung breitet sich nach heutigem Erkenntnisstand vornehmlich mit dem Wind aus. Möglicherweise mache es überhaupt keinen Sinn, beengte Standorte neu zu bepflanzen, an denen die Bäume eingepflastert und großem Stress ausgesetzt seien, so der Baudezernent.

Strategie für den langfristigen Ersatz 

Eine Arbeitsgruppe aus Umweltamt, Tiefbauamt und Stadtplanungsamtes arbeite zurzeit an einer Strategie für den langfristigen Ersatz der Rosskastanie auf prägenden stadteigenen Standorten wie Wallring, Stadtkrone Ost oder an der Hermann Löns-Straße in der Gartenstadt. Mit ersten Ergebnissen rechnet Lürwer bis Anfang nächsten Jahres. Aber noch rechtzeitig für Ersatzpflanzungen im Frühjahr, ergänzte Oberbürgermeister Ullrich Sierau nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands.

Vor sieben Jahren haben Forscher das Bakterium mit dem sperrigen Namen erstmals in Deutschland – am Niederrhein – festgestellt. Mittlerweile ist es zur bundesweiten Plage geworden.

Die 2275 Rosskastanien sind im Baumkataster der Stadt gelistet. Große Bestände gibt es in den Stadtbezirken Innenstadt-West, Innenstadt-Ost, Innenstadt-Nord und Aplerbeck. Die Kastanienallee am Wall ist mehr als 100 Jahre alt.

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