Jeder siebte Dortmunder ist überschuldet

Schuldneratlas 2015

Eine unrühmliche Rangliste - und Dortmund liegt weit vorne: Unter den Städten ab 400.000 Einwohnern mit der höchsten Schuldnerquote belegt Dortmund Platz zwei. 14,3 Prozent der Einwohner sind laut Schuldneratlas 2015 überschuldet. Wir zeigen in interaktiven Karten und Diagrammen, wie es in den einzelnen Stadtteilen aussieht.

DORTMUND

, 17.11.2015, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Verband Creditreform gibt jährlich den Schuldneratlas heraus.

Der Verband Creditreform gibt jährlich den Schuldneratlas heraus.

Unter den deutschen Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern hat (wie 2014) in diesem Jahr nur Duisburg eine höhere Schuldnerquote als Dortmund: Dort sind 16,2 Prozent der Menschen über 18 Jahren überschuldet. In Dortmund ist jeder Siebte betroffen, insgesamt 69.329 Menschen. Bundesweit sind laut Schuldneratlas 2015 9,22 Prozent der Privatpersonen überschuldet (6,7 Millionen Bürger). 

Das bedeutet Überschuldung

Herausgeber des Schuldneratlas ist seit vielen Jahren der Verband Creditreform, dem 130 regionale Creditreform-Vereine in Deutschland angehören. Für den Schuldneratlas wertet Creditreform amtliche Schuldnerverzeichnisse und unstrittige Inkasso-Fälle von Creditreform gegenüber Privatpersonen aus, sowie Fälle, in denen Gläubiger zwei- oder mehrfach vergeblich mahnen.

Als überschuldet gilt, wer seine Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht erfüllen kann - wenn also die Ausgaben dauerhaft höher sind als die Einnahmen.

Wo die Schuldnerquote am höchsten ist

In Dortmund weisen Stadtteile wie Hombruch, Kirchhörde, Holzen und Berghofen sehr geringe Schuldnerquoten zwischen 6,07 und 6,64 Prozent aus. Die Quoten in den Postleitzahlen-Bereichen 44145 und 44147 (Nordstadt, Dortmund-West, Lindenhorst, Deusen und Eving) sind dagegen mit 27,28 und 26,01 Prozent sehr hoch. Auch in Hörde ist die Schuldnerquote laut Atlas mit 20,6 Prozent weiterhin sehr hoch. 

Unsere Karte zeigt die Schuldenquote der Postleitzahl-Gebiete in Dortmund. Je dunkler die Fläche eingefärbt ist, desto höher ist der Anteil der überschuldeten Menschen in dem Gebiet.

So verschuldet ist Dortmund

Der Anteil der Schuldner in Dortmund - und damit die Schuldnerquote - ist seit 2009 (12,6 Prozent) bis 2015 (14,3 Prozent) kontinuierlich gestiegen. Derzeit sind es damit 69.329 Menschen.

Wolfgang Scharf, Geschäftsführer der Creditreform Dortmund/Witten, sieht einen Zusammenhang zwischen den Quoten und der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse: Diese ließen zwar die Arbeitslosenquote sinken; mit den Einkünften aus solchen Jobs könnten viele Leute sich aber nicht aus ihrer "Überschuldungssituation befreien".

Die folgende Karte zeigt für die Postleitzahl-Gebiete in Dortmund, wie sich die Schuldnerquote 2015 im Vergleich zu 2004 verändert hat. 

Veränderung der Schuldnerquote 2015 zu 2004

Sie interessieren sich noch genauer für die Entwicklung in Ihrem Postleitzahl-Bereich? Wählen Sie in diesem interaktive Balkendiagramm eine Postleitzahl aus. Dann sehen Sie, wie sich die Schuldnerquote dort von 2004 bis 2015 entwickelt hat. 

Schuldnerquote von 2004 bis 2015

Welche Altersgruppen besonders überschuldet sind, dazu hat die Creditreform Dortmund/Witten keine Dortmunder Zahlen. Bundesweit fällt aber laut Schuldneratlas 2015 die Gruppe der über 70-Jährigen auf: Zwar sind nur 1,16 Prozent von ihnen überschuldet - seit zwei Jahren gab es hier allerdings einen rapiden Zuwachs um 35,4 Prozent. 

Weil viele Menschen, die wenig verdienen, auch nur wenig fürs Alter zurücklegen, geht Wolfgang Scharf von einem weiteren Zuwachs bei älteren Schuldnern aus: "Ich befürchte, dass sich diese Situation weiter verschärft." 

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