Jörg Knör ging mit Jahrhundertshow auf Zeitreise

rnFestival Ruhrhochdeutsch

Zurück in die Jahre, in denen das Fernsehen noch langsamer war, ging es am Mittwoch im Spiegelzelt mit Jörg Knör. Auf eine bestimmte Glanznummer musste das Publikum aber bis zur Zugabe warten.

Dortmund

, 19.06.2019, 23:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg Knör feiert 100-Jähriges. Seit 40 Jahren steht er auf der Bühne, am 17. Juli wird er 60. In seiner „Jahrhundertshow“ erzählte er am Mittwochabend beim Festival Ruhrhochdeutsch im nahezu ausverkauften Spiegelzelt vor der Westfalenhalle auch, was in den ersten 20 Jahren seines Lebens passierte.

Sein privates Fotoalbum blätterte der Hamburger auf einem Bildschirm auf. Bilder von der Kindheit mit Zwillingsbruder Jens-Ulrich zeigte Jörg-Martin dem Publikum und auch Videoausschnitte aus frühen Shows. Zum Beispiel von seinem Auftritt als 15 Jahre junger Kandidat in Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“ oder vom Spiegeltanz mit seinem Bruder und den Kessler-Zwillingen.

Den Kirchentag, der auch rund um das Spiegelzelt präsent ist, wollte der Parodist und Stimmimitator nicht an die große Glocke hängen – obwohl er eine glänzende Papst-Ratzinger-Nummer im Programm hat. Aber auch die Bundeskanzler hat Jörg Knör alle drauf, am liebsten Helmut Schmidt, den er 100-jährig auf einer Wolke im Himmel ein Zigarettchen rauchen ließ.


Hommage an Loriot

Die großen Showmaster holt Jörg Knör in seinem Jubiläumsprogramm ebenfalls zurück auf die Bühne: Heinz Erhardt und Carrell, den Juhnke kann er auch und Peter Frankenfeld und Wim Thoelke. Schöner als Knör hat vor 40 Jahren nur noch Loriot Wum und Wendelin „Thöööööööölke“ rufen lassen.


Udo Lindenberg rockt

Die zweieinhalbstündige Jahrhundertshow war ein richtig rundes Programm und eine schöne Zeitreise in die Jahre, in denen das Fernsehen noch langsamer war. Jörg Knör zeigte das im Vergleich von Jürgen von Manger und Mario Barth – sehr gelungen. Und es war auch eine Zeit, in der Werbefiguren noch Ikonen waren. Wie Tante Tilly, der Melitta-Mann oder Frau Sommer. Dass die heute noch blendend aussieht, zeigte Jörg Knör den Zuschauern auch mit einem Foto: „Sie wandert gerne – ausgerechnet auf dem Jacobsweg. Das ist die Krönung.“

Nicht nur mit der Sprechstimme ist Jörg Knör der perfekte Imitator. Wenn er singt wie Udo Lindenberg im „Rock’n’Roll Rollator“ oder Rammstein im „Hello again“ von Carpendale, ist das genauso überwältigend. Und wenn sich der Komödiant einen Chanel-Tüte über den Kopf stülpt und den Lagerfeld gibt, der seiner Katze einen Abschiedsbrief hinterlässt, ist das einfach nur großartig.

Seine Kultfigur, die Inge (Meysel) bliebt er bis zur zweiten Zugabe schuldig. Aber ohne sie und ihr klapperndes Gebiss lässt das Publikum auch einen Jahrhundertmenschen nicht gehen.

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