Das Scheibenmandala von Jörg Wiele ist dauerhaft im Eingangsbereich des Baukunstarchiv installiert. © Schaper
Ausstellung

Jörg Wiele im Baukunstarchiv: Der Mann, der der Kunst Flügel verleiht

Bei diesen Kunstwerken ist Anfassen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Denn die Arbeiten von Jörg Wiele leben von der Bewegung. Das zeigt eindrucksvoll seine Werkschau im Baukunstarchiv.

Eines seiner größten Werke liegt zurzeit gewissermaßen „auf Lager“. 2009 schuf Jörg Wiele für das gläserne Foyer der Wilo-Hauptverwaltung an der Nortkirchenstraße die zwölf Meter hohe „Hängeplastik Wilo-Pumpen“. Vor dem Abriss des Gebäudes im Wilo-Park wurde das Werk gesichert. Es soll jetzt an der neuen Hauptverwaltung des Pumpenherstellers einen neuen Platz bekommen, berichtet Jörg Wiele.

Aber zumindest das Modell der Wilo-Pumpen ist weiterhin zu besichtigen – als Teil der umfassenden Werkschau der kinetischen Plastiken von Jörg Wiele im Baukunstarchiv am Ostwall.

Zwölf Meter hoch ist das Werk „Wilo-Pumpen“ in der ehemaligen Wilo-Hauptverwaltung. Es soll bald einen neuen Platz auf dem Wilo-Campus bekommen. © Dieter Menne (A) © Dieter Menne (A)

Der Düsseldorfer Künstler hat eine besondere Beziehung zu dem Haus. Seit drei Jahren ziert sein „Scheibenmandala“ den Eingangsbereich des früheren Museumsgebäudes am Ostwall und lädt Besucherinnen und Besucher des Baukunstarchivs dazu ein, die neun Mandalascheiben in Bewegung zu setzen. Es wurde ebenso wie jetzt die Ausstellung von der Kulturstiftung Dortmund ermöglicht.

Das Scheibenmandala ist ein typisches Kunstwerk für Jörg Wiele. Wobei: Viele von ihnen sind wesentlich filigraner. Aber alle entfalten ihre volle Wirkung immer dann, wenn sie in Bewegung gesetzt werden – angeschoben durch Wind, Wasser oder von Menschenhand.

Umfassende Werkschau

Wiele arbeitet mit den Materialien Kupfer und Messing. Viele Bauteile erinnern an Insektenflügel oder Pflanzenblätter. Es gibt Federobjekte und kinetische Bäume. Und alle bewegen sich auf faszinierend unorthodoxe Weise. „Wichtig ist, dass sich die Bewegung nicht wiederholt“, erklärt der Künstler.

Anfassen erlaubt gilt auch für die meisten ausgestellten Werke im Baukunstarchiv. Es ist eine umfassende Werkschau aus mehr als 40 Künstler-Jahren, die mit ganz frühen Arbeiten beginnt. Mit einer Feinmechaniker-Lehre hatte Wiele die handwerklichen Grundlagen für seine Kunst geschaffen. 1973 entschloss er sich zu einem Bildhauerstudium an der Kunstakademie Düsseldorf, seit 1980 arbeitet er als freischaffender Künstler.

„Jörg Wiele hat selbst entschieden, was er hier zeigt und wie er sich präsentiert“, erklärt Markus Lehrmann als Geschäftsführer des Baukunstarchivs den Aufbau der Ausstellung. Der Künstler war also sein eigener Kurator.

Viele Modelle großer kinetischer Plastiken von Jörg Wiele sind im Lichthof des Baukunstarchivs zu sehen. © Schaper © Schaper

Im Mittelpunkt stehen dabei im großen Lichthof meist meterhohe Modelle von kinetischen Plastiken, die Parks und Gebäude in ganz Deutschland zieren. Bilder an einer Seitenwand zeigen sie in voller Größe und in natürlicher Umgebung. Aber auch die Modelle sind voll beweglich und funktionsfähig bis hin zu den Brunnen, die Wiele zu Wasserspielen macht.

Im Gartensaal sind Konstruktionszeichnungen zu sehen – auch zum Scheibenmandala für das Baukunstarchiv. Die bunten, großformatigen Zeichnungen sind ganz eigene Kunstwerke.

Verbindung aus Kunst und Bau

Die Werke von Jörg Wiele vereinen Kunst und Bauen – und zeigen damit einen wichtigen Aspekt von Baukultur. „Wir wollen deutlich machen, wie Kunst zur Aufwertung des öffentlichen Raums beitragen kann“, erklärt Markus Lehrmann. So leistet die Ausstellung auch einen Beitrag zur Diskussion um das geplante Kulturgesetzbuch des Landes, mit dem Kunst am Bau wieder einen besonderen Stellenwert bekommen soll.

Zugleich bringt die Werkschau von Jörg Wiele, die am 10. Juni zunächst virtuell eröffnet wurde, wieder Leben ins Baukunstarchiv, dessen Betrieb im Corona-Lockdown stark eingeschränkt war. Inzwischen gibt es wieder erste Veranstaltungen.

In Vorbereitung ist eine Werkschau des 2008 gestorbenen Architekten Harald Deilmann, der Mitbegründer der Studiengänge Raumplanung und Bauwesen an der TU Dortmund war und bekannte Gebäude wie die Spielbank Hohensyburg und die ehemalige WestLB an der Kampstraße entwarf. Die Ausstellung wird am 27. August eröffnet.

Die Ausstellung von Jörg Wiele ist noch bis zum 15. August im Baukunstarchiv am Ostwall 7 zu sehen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich