Johann König stand seit fünf Monaten nicht mehr auf der Bühne. Umso „heißer“ ist er auf seinen geplanten Open-Air-Auftritt im Westfalenpark. Im Interview erzählt er vorab von seiner Corona-Zeit.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 09.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als das Ruhr Nachrichten-Telefon klingelt, kommt Johann König gerade aus dem Frankreich-Urlaub - den hatte er mit der ganzen Familie verbracht. Das komme für ihn einer wahren lose-lose-Situation gleich, bei all der Aufmerksamkeit, die seine drei Kinder während der Schulferien von ihm benötigten.

Natürlich lacht er dabei, und bei Johann König kann man sich nie ganz sicher sein, ob gerade der Mensch spricht, oder ob doch ein kleiner Teil seiner Kunstfigur mit hallt.

Wegen besagter Urlaubs-Strapazen sei er auch schon ganz „heiß“ darauf, bald endlich wieder arbeiten zu dürfen. Am 26.8 wird er zum dritten Mail seit Beginn der Pandemie wieder vor Publikum, genauer gesagt vor Dortmunder Publikum, im Westfalenpark stehen. In der Zeit davor hatte er viel Gelegenheit, über sich selbst und seinen Beruf nachzudenken.

Herr König, sind sie in der aktuellen Zeit noch gerne darstellender Künstler?

Sagen wir mal so: Vor 25 Jahren hätte ich in einer so brenzligen Situation wie jetzt sicherlich den Berufsweg des Pädagogen weiter verfolgt, den ich damals angestrebt hatte - und wäre mal schön Beamter geworden. Ich wollte schließlich Sportlehrer werden. Da ich das nicht geworden bin, sondern Entertainer, muss ich nun eben mit den aktuellen Umständen zurecht kommen. Und die drücken aufs Gemüt...

Also denken Sie nicht übers Umschulen nach?

Ob Sie es glauben oder nicht, in der schlimmsten Lockdown-Phase habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich tun soll, wenn ich noch länger nicht mehr auftreten darf. (Überlegt) Ich könnte ja tatsächlich doch noch Pädagoge werden. Am besten Waldpädagoge! Stadtkindern den Wald näher bringen. Das würde viele meiner Interessen verbinden.

Seit dem 11. März konnten Sie nicht mehr vor Live-Publikum auftreten. Jetzt soll es zumindest Open-Air-Vorstellungen vor begrenztem Publikum geben...

...Genau! Und das ist für einen Comedian ungewohnt. In einer Halle, wo ich vom Scheinwerfer angeleuchtet werde und auch das Publikum kaum eine andere Möglichkeit hat als mir zu folgen, kann ich meine Kunstfigur gut entfalten. Unter freiem Himmel ist das etwas ganz anderes. Da fliegt dann ein Vogel irgendwo her, irgendwo anders poltert es, und die Akustik verliert sich möglicherweise in der Luft.

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Bei „Open-Air“ denkt man doch eher auch an laute Bands mit dröhnenden Verstärkern?

Deswegen werde ich ja auch singen. Und glauben Sie mir, das kann ich richtig gut! Mehr dazu wird aber noch nicht verraten.

Werden Sie am 26.8 im Westfalenpark noch genau so komisch sein wie vor der Pandemie?

Da habe ich ein gutes Geheimrezept, welches mich, sagen wir mal, von Entertainern wie vielleicht Florian Silbereisen etwas unterscheidet. Ich brauche mich nämlich überhaupt nicht zu verstellen - meine Figur funktioniert auch, wenn ich authentisch bin und zum Beispiel mal keinen Bock auf gar nichts habe. Vielleicht ist sie gerade in solchen Momenten ja auch besonders komisch. Deswegen kann mir Corona immerhin in dieser Hinsicht wenig anhaben.

Wird viel „Corona“ im kommenden Programm stecken?

Das Thema ganz rauszulassen, hätte natürlich nicht funktioniert. Und in der Zeit des Lockdowns hatte ich viel Zeit, mich mit neuem Comedy-Material zu versorgen. Ich sage nur: wenn Aggression und Langeweile sich die Klinke geben... Ich werde über so manche Corona-Erfahrung sogar Gedichte zum besten geben! Aber eines garantiert nicht: Klopapier- und Nudelwitze. Denn über den Punkt sind wir glücklicherweise alle hinweg...

Irgendwelche Erinnerungen an Dortmund?

Das Cabaret Queue! Die mussten erstmal die ganzen Billardtische wegräumen, damit ich dort vor den rund 30 Gästen auftreten konnte (lacht). Das müsste um das Jahr 2000 gewesen sein, und ich bin damals noch per Bahn und Fahrrad von Soest dorthin gependelt.

Waren Sie damals schon genau so komisch?

Ich meine mich zu erinnern, dass die Erfolgsquote bei dem besagten Auftritt bei gut einem Drittel lag. Zehn Leute hatten also mindestens Spaß. Keinen Spaß hatte ich hingegen während einem meiner späteren Dortmunder Auftritte, nämlich an einem Freitag in der Westfalenhalle 3.

Was war denn los?

An dem gleichen Abend spielte in Dortmund der BVB gegen Augsburg. Nun komme ich bloß alle Jubeljahre mal für einen Auftritt nach Dortmund, und dann sowas. Diesen Zufall musste ich dann auch gegen Ende meiner Show erwähnen: „Wenn ich den erwische, der diese beiden Termine auf einen Tag gelegt hat...“

Ihre Liebe zum BVB ist altbekannt, und das als Kölner.

Mein bester Kumpel kommt dafür aus Dortmund, und wenn wir uns - ausgestattet mit einem Bier - auf die Südtribüne stellen, um vollgetankt gegen die Gastfans zu pöbeln (lacht), wissen wir doch beide, was wir am BVB-Stadion haben. Momentan allerdings: gar nichts.

Es bleibt insgesamt wirklich nur zu hoffen, dass sich bald ein Impfstoff findet, und sich irgendwie alles wieder Richtung Normalität bewegen kann. Das wünsche ich mir in jeder Hinsicht.

Johann König tritt im Rahmen seiner Tour „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ am 26. August 2020, um 20 Uhr, im Westfalenpark auf. Tickets sind erhältlich beim Anbieter Eventim unter folgendem Link: https://bit.ly/3icXClT . Weitere Informationen sind zu finden unter www.johannkoenig.com
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