Jubel um Skandal-Prinzessin

Kaum eine Operninszenierung wurde in Dortmund so heiß diskutiert wie die "Salome" von Richard Strauss.

13.09.2007, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Groß war der Skandal, als der damalige Gast-Regisseur John Dew 1986 die Prinzessin von Judäa ihren Schleiertanz nackt tanzen ließ.

Valérie Suty, die Salome der Neuinszenierung von Alexander Schulin, die am 21. September Premiere feiert, hat gar keinen Schleier. Und muss sich auch nicht entblößen. Die Französin wundert sich, dass ihre Kollegin Anna Netrebko gesagt habe, "wenn ich Salome singen dürfte, würde ich mich auch ausziehen". "In der Figur steckt viel mehr als Erotik", sagt Sopranistin, die den Wechsel ins jugendlich-dramatische Fach gerade mit Bravour absolviert hat.

Am Stadttheater Gießen hat Suty im Februar ein gefeiertes Debüt als Salome gegeben. Als "eine der großen Hoffnungen für das Musiktheater" und "mitreißender Sopran von imponierendem Stimmklang" wurde sie gefeiert. Am 3. Juni hat sie die letzte Vorstellung in Gießen gesungen, am 8. August in Dortmund mit den Proben begonnen. "Hier ist die Salome lolitamäßiger, unschuldiger", vergleicht die Französin. Gießen hat die Geschichte in unserer Zeit erzählt, in Dortmund spielt sie Anfang des 20. Jahrhunderts.

"Salome ist musikalisch eine Welt für sich. Die Verschmelzung von Musik und Sprache ist einmalig. Diese Oper ist für mich eines der vollkommensten Werke", sagt Suty: "Die Figur will man lieb haben, weil sie so wenig lieb gehabt wird."

Eine der anstrengendsten Partien ist Salome aber auch: In den 90 Minuten der Aufführung steht sie ununterbrochen auf der Bühne. "Man darf keine Sekunde loslassen. Diese Partie muss man stimmlich gut vorbereiten", sagt die Sängerin, die auch Musikwissenschaftlerin ist. Über Opernverfilmungen schrieb sie in Paris ihre Magisterarbeit, bevor sie sich auf Gesang konzentrierte.

Wagner, die Sieglinde, Elisabeth, Senta und Elsa möchte Valerie Suty noch gerne singen, und weiter Strauss. "Und das italienische Fach. Das ist gut für die Stimme". In Dortmund singt Suty noch die Santuzza in "Cavalleria rusticana". Sie lebt mit ihrem Mann - Konzertmeister im Chemnitzer Orchester - und dem zwölfjährigen Sohn in Chemnitz.

"Ich bin froh, dass ich hier beide Pole bedienen kann", sagt die Sopranistin, die noch nie ein festes Engagement wollte. In Dortmund hat sie einen Jahresvertrag. JG

Matinee am 16.9., 11.15 Uhr im Foyer der Oper; Premiere am 21.9., Karten: Tel. 50-27222

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