Jürgen Drews: "Ich bin ein schüchterner Typ"

Dortmund-Olé-Star im Interview

Jürgen Drews ist der unangefochtene Party-Schlager-König. Am Samstag ist er beim Schlager-Festival Dortmund Olé zu Gast. Redakteurin Jana Schoo hat vorab mit ihm gesprochen - über "Ein Bett im Kornfeld", verpasste Chancen, einen Thronfolger, ein Duett mit seiner Tochter und darüber, warum er eigentlich nie Schlagerstar sein wollte.

Dortmund

, 25.08.2016 / Lesedauer: 6 min
Jürgen Drews: "Ich bin ein schüchterner Typ"

Jürgen Drews auf der Bühne bei Dortmund Olé 2015.

Jürgen Drews liebt die Bühne, den großen Auftritt, das Rampenlicht. Mit 15 schon war er bester Banjo-Spieler Schleswig-Holsteins. Heute, mit 71 Jahren, ist er der unangefochtene Party-Schlager-König. Von Mallorca sowieso. Aber auch in Deutschland. Am Samstag (27. 8.) ist „Onkel Jürgen“ mal wieder in Dortmund zu Gast, beim Schlager-Festival Dortmund Olé. Redakteurin Jana Schoo hat vorab mit ihm gesprochen – über „Ein Bett im Kornfeld“, verpasste Chancen, einen Thronfolger, ein Duett mit seiner Tochter und darüber, warum er eigentlich nie Schlagerstar sein wollte. Der Auszug eines mehr als einstündigen Telefonats:

 

Herr Drews, es ist ein wenig ruhiger um Sie geworden. Täuscht der Eindruck?

Ich lass Ihnen mal die Liste zuschicken, was ich in den letzten Monaten alles gemacht habe. Ich bin nur zugange. Im September habe ich zwei Tage frei. Es ist das genaue Gegenteil von ruhiger. Es ist mehr als zuvor. Ich muss wirklich überlegen, ob ich mir das noch antun muss.

 

Warum machen Sie es noch?

Weil’s mir summa summarum einen tierischen Spaß macht. Nach wie vor. Es ist immer noch mein absolutes Hobby. Solange ich kreativ sein kann, stehe ich auch auf der Bühne. Was mich ärgert ist, dass im Moment kaum zum kreativen Arbeiten komme. Aber jetzt geh ich gleich ins Studio. Ich bin sowas von abgesungen, aber ich muss ins Studio.

 

Warum müssen Sie?

Ich überarbeite gerade viele Sachen. Im Herbst veröffentliche einen neuen Song: „Wir sind von null auf Hundert in nur drei Sekunden. Ohhhhhooohhhh. Und bis morgen früh sind wir nicht wieder unten. Ooooohhhooohhhh.“ Das ist ein Titel, den die Leute noch nicht kennen. Aber wenn ich ihn das erste Mal spiele und von der Bühne gehe, dann singen sie ihn von alleine. Das ist mal wieder ein echter Partytitel. Aber ich bin ja in den verschiedensten Rubriken tätig.

 

Zum Beispiel?

„Es war alles am Besten“ ist seit Jahrzehnten mal wieder eine Ballade, die ich wage, in Deutschland zu machen, weil ich weiß, ich werd ja sowieso nicht gespielt auf den Pop-Radiosendern. Aber dieses Lied setzt sich immer mehr durch.

Ich werde in diesem Jahr – hoffentlich schaffe ich es endlich mal meinen Schweinhund zu überwinden – ein Album ins Netz stellen, das ich mit dem Jazz-Pianisten Joachim Kühn gemacht habe. Wir haben es 1979 aus Spaß in Los Angeles aufgenommen.

Ich werde auf der Olé-Bühne, auch wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, Banjo und Gitarre spielen. Ich spiel das zwar auf der Bühne nicht live, aber du siehst und hörst ja, dass ich es gespielt habe.

 

Was verbinden Sie mit Dortmund Olé?

Ich mache vor dem Veranstalter einen riesigen Diener. Er holt Tausende zu diesen Partys. Ich erinnere mich noch an eine Olé-Party in Dortmund. Es hat geschüttet – und trotzdem waren unheimlich viele Leute da. Da hat mir einer sein Hemd, was er da aus dem Schlamm herausgeholt hatte, auf die Bühne geschmissen. Ich stand oben ohne da, weil es geregnet hat. Da hab ich mir das Hemd angezogen. Das war so bescheuert – aber es hat richtig Spaß gemacht.

Es ist ein geiles Publikum. Die Leute sind sehr schlagerorientiert, es gibt eine richtige Schlagerkultur. Es mischt sich ganz jung mit ganz alt – und alle sind sie gut drauf.

 

Aber Sie wollen nicht nur Schlager machen?

Hab’ ich nie gemacht. Ich habe jetzt noch eine Swing-Version von „Bett im Kornfeld“ gemacht – mit 32-Mann-Orchester. Klingt affengeil. Ich möchte mich nicht einordnen lassen. Ich bin Party, ich bin Pop, ich bin Schlager, ich mach ein bisschen Jazz – und ein ganz klein wenig Rock, wenn ich mit meiner Band konzertant bin. Das ist mein Ziel fürs nächste Jahr: Eine zusammenhängende Tour machen, mit Band. Da kann ich dann alles zeigen.

 

Die meisten, die Sie kennen, verbinden Sie allerdings mit Schlager...

Früher hätte mich das tierisch gestört. Heute nicht mehr.

 

Sie haben mal gesagt, dass Sie den Schlager gehasst haben.

Ich bin von Haus aus ein ganz schüchterner, unsicherer Typ. Und viele, die verklemmt sind, haben Vorurteile, vielleicht sogar ein Feindbild. Dann kann man irgendwas richtig Scheiße finden. Mein Feindbild war Schlager. Ich wollte kein Deutscher sein, ich war total anglophil. Und es hat sich alles auf diesen Schlager konzentriert. Ich konnte es nicht ertragen und habe dabei gar nicht gemerkt, dass ich so einfachen Rock-Schlager mochte, zum Beispiel „Ice cream“ von Chris Barbers.

 

Wann haben Sie es denn gemerkt?

Das hat sich gewandelt, als ich 1976 nicht wusste, was ich machen sollte. Les Humphries Singers war vorbei (eine Gesangsgruppe, deren Teil Drews war, Red.). Warner Brothers hatte mich immer wieder als Schlager-Sänger angefragt. Ich hab mich mit Händen und Füßen gewehrt. Und als Kompromiss hab ich dann „Ein Bett im Kornfeld“ gemacht. Heutzutage finde ich es geil, auch Schlager zu singen. Es macht tierischen Spaß. Schlager gehört zu unserem Kulturgut.

 

„Ein Bett im Kornfeld“ hat Sie vor 40 Jahren erst richtig bekannt gemacht. Hätten Sie sich ein anderes gewünscht?

Ich hätte am Liebsten einen englischen Popsong gesungen. Aber irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt. Obwohl ich einen riesigen Fehler gemacht habe...

 

Welchen?

Ich habe nie das Angebot angenommen, mit dem Lied in die großen Hallen zu gehen und mit Band aufzutreten. Dadurch habe ich ein Momentum verpasst.

 

Warum wollten Sie nicht?

Ich war damals nicht so fanatisch darauf, mit diesem Lied auf die Bühne zu gehen. Ich hab mich immer dagegen gewehrt und bin dann ja auch in die USA gegangen. Um reumütig wieder zurückzukehren – und wieder Schlager zu singen.

 

Sie haben sich also verändert?

Ich hab mich auf der Bühne freigesprochen. Ich habe eines gelernt: Ich verurteile keine Menschen, die Vorurteile haben. Ich war ja selbst so. Man muss drüber reden und versuchen, sich zu therapieren, in sich gehen und sich fragen: Was ist mit dir los? Ich hab das geschafft. Gott sei Dank. Und wo wir gerade bei Gott sind: Wenn es ihn wirklich da oben gibt, dann kann ich mich nur bedanken. Mit mir hat er es wirklich gut gemeint.

 

Sind Sie auch immer noch gerne König von Mallorca?

All das, was ich mache, war so nicht geplant. Auch der König von Mallorca nicht. Das kam ja bei dieser „Wetten, dass“-Sendung auf Mallorca, als Thomas Gottschalk mich und Costa Cordalis so genannt hat. Dann bot man mir den Song an. Auch da hab ich mich erst gewehrt. Aber heute find ich’s geil, wenn man mich König von Mallorca nennt.

 

Krönen Sie irgendwann einen Nachfolger?

Och, den hab ich doch jetzt schon: Mickie Krause, mein Freund. Ich hab meine Krone auf – in Gedanken, ich zieh sie nicht mehr auf – und Mickie zieht seine Perücke auf. Das ist sein Alter Ego. Mein Alter Ego ist der König von Mallorca. Es macht Spaß, es ist toll.

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Mit dem König von Mallorca ist eine gute Party verbunden. Was gehört dazu?

Die richtigen Titel, sodass die Leute automatisch mitsingen. Das ist das Handwerk, ohne kann man keine richtige Party machen.

 

Sie sind 71 Jahre alt. Wie halten Sie sich fit?

Auf der Bühne hopse ich ja immer ganz schön rum. Ramona ist eine passionierte Reiterin. Das ist nicht so meine Leidenschaft, ich bin mal vor einigen Jahren richtig vom Pferd gedonnert, aber ich laufe nebenher oder jogge.

Es ist das geilste Leben überhaupt, was ich führe. Ich bin so glücklich, ich liebe Ramona über alles. Sie ist seit 24 Jahren an meiner Seite, wir hatten gerade Hochzeitstag. Es ist die Lebensfreude, die mich fit hält.

 

Sie haben vier Semester Medizin studiert. Wäre aus Ihnen ein guter Arzt geworden?

Vom Handwerk bestimmt. Aber das Medizinische hätte ich mir ganz hart erarbeiten müssen, weil ich immer zwischendurch Musik gemacht habe. Ich bin das erste Mal durchs Abitur geflogen. Ich hab Thomas Mann nicht gelesen. Ich hab auch im Studium gemerkt, dass ich mir Dinge einfach nicht so gut merken kann.

 

Was unterscheidet den Jürgen Drews auf der Bühne vom privaten?

Der private Jürgen Drews ist ziemlich ernst. Ich bin von Haus zurückgezogen, genau das Gegenteil von dem, was man vielleicht denkt. Aber ich bin ein positiver Mensch.

 

In der Öffentlichkeit bekommt man also bewusst ein anderes Bild von Ihnen?

Ja. Du bekommst mich als lebensfreudigen Menschen. Aber wenn du mich privat triffst, dann merkst du, dass ich mir schon ein paar Gedanken mache. Über mich, mein Leben, mein Umfeld, Politik.

 

Ihre Tochter macht auch Musik. Welche Tipps haben Sie ihr gegeben?

Ich gebe ihr null komma null Tipps. Sie hat ihre eigenen Vorstellungen. Sie ist eine wesentlich bessere Sängerin als ich. Sie will international erfolgreich sein. Sie will ihren eigenen Weg gehen, lässt sich von mir nichts sagen. Sie ist genauso beratungsresistent wie ich früher.

 

Gibt es denn irgendwann mal einen gemeinsamen Song?

Den gibt es schon lange. Da war Joelina 13. Es ist ein englischer Rocksong. Wir haben ihn für ein amerikanisches Kinder-Musical-Projekt gemacht, das nicht umgesetzt wurde. Da hab ich gemerkt, wie gut sie singen kann. Sie hat mir aber verboten, ihn zu veröffentlichen. Also: Es gibt kein Duett, und bestimmt keinen deutschen Titel.

 

Hört Ihre Frau Ihre Musik eigentlich?

Nein. Ramona steht nicht auf Schlager und nicht auf Party. Sie hat mich mal getroffen bei einer Miss-Germany-Endwahl, da war sie 16. Ich bin dort aufgetreten mit dem „Kornfeld“. Wir haben uns da aber nicht kennengelernt. Später hat sie mir erzählt, was sie gedacht hat: „Oh Gott, was singt der für fürchterliche Lieder.“

 

Jürgen Drews live
Dortmund Olé steigt am Samstag (27. 8.) erstmals im Revierpark Wischlingen. Zuvor lief das Schlagerfestival einige Jahre im Westfalenpark. Los geht es um 13 Uhr. Jürgen Drews hat seinen Auftritt um 21.35 Uhr. Außerdem dabei sind Mickie Krause, Beatrice Egli, Peter Wackel, Willi Herren und Norman Langen.
Karten kosten 18,50 Euro (eventuell plus Gebühren). Erhältlich im RN-Service-Center, Silberstraße 21, und unter 
Wer Jürgen Drews bei der Olé-Party verpasst, hat am 7. Oktober (Freitag) noch einmal im Revierpark Wischlingen die Gelegenheit ihn zu sehen. Da tritt er beim Dortmunder Oktoberfest auf. Dieses läuft vom 30. September bis 8. Oktober an insgesamt fünf Tagen. Karten kosten 19,90 Euro pro Tag plus Gebühren. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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