Jugendamts-Gebäude als Sanierungsfall: Stadt beauftragt Tochter mit Machbarkeitsstudie

rnStädtische Immobilien

Das Jugendamts-Gebäude an der Kreuzung Neutor ist über die Jahre zu einem Sanierungsfall geworden. Nun will die Stadt ihre Immobilie in Schuss bringen. Das wird ein teures Vergnügen.

Dortmund

, 04.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Feuchtigkeitsschäden, eine miserable Energiebilanz und eine hoffnungslos veraltete Technik: Das Gebäude des städtischen Jugendamtes am Ostwall 64 hat seine besten Tage hinter sich. Nahezu alle Gutachten und Papiere, die der Stadt vorliegen, bescheinigen der markanten Immobilie einen hohen Sanierungsstau.

Zu einer ähnlichen Einschätzung war bereits Ex-Baudezernent Martin Lürwer gekommen, als er 2011 die Wirtschaftlichkeit bestimmter Immobilien prüfen ließ. Ergebnis: Die drei städtischen Gebäude, in denen Sozialamt, Gesundheitsamt und Jugendamt sitzen, verursachen hohe Betriebskosten und haben einen millionenschweren Sanierungsbedarf.

Das Sozialamt wird 2020 saniert

Um die Gesundheitsamts-Immobilie an der Hövelstraße kümmert sich inzwischen die Aachener Landmarken AG, die das Gebäude gekauft hat. Das Sozialamt an der Luisenstraße bleibt im städtischen Eigentum. Es wird von Mitte Januar 2020 bis Ende Februar 2020 geräumt und von März 2020 bis Anfang Oktober 2021 saniert. Gleich danach soll das Jugendamt folgen.

Jugendamts-Gebäude als Sanierungsfall: Stadt beauftragt Tochter mit Machbarkeitsstudie

Während der Sanierungsarbeiten, die 2022 starten könnten, sollen die Mitarbeiter des Jugendamtes in die ehemalige Frenzelschule nach Hörde ziehen. © Beushausen

In Vorbereitung eines Sanierungsplans hat die Verwaltung jetzt die Stadt-Tochter „Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft“ (DSG) beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des Gebäudekomplexes zu erstellen.

Klaus Graniki, in Personalunion sowohl Geschäftsführer der DSG als auch der kommunalen Wohnungsgesellschaft Dogewo21, geht davon aus, dass gegen Jahresende Ergebnisse geliefert werden können. „Wir werden uns erst einmal alle Gutachten ansehen, die zu dem Thema vorliegen“, sagt Graniki.

"Ein solches Objekt ist wie eine Wundertüte"

Prokurist Christian Nagel sieht sich mit etlichen Fragen konfrontiert. Wie lässt sich die Energiebilanz verbessern und wie können die Energiekosten gesenkt werden? Wie steht es um Feuchtigkeitsschäden? Wie ist es um Deckenstatik und um die Fassaden bestellt? Auf welche Haustechnik soll künftig gesetzt werden? „Ein solches Objekt ist wie eine große Wundertüte“, sagt Nagel.

Die Aufgabe der DSG besteht nun darin, der Verwaltung mögliche Varianten für Reparatur und Sanierung dieser „Wundertüte“ zu liefern. Dabei soll jeder Variante ein Preisschild im Form einer vorläufigen Kostenschätzung angehängt werden. „Die Entscheidung trifft letztlich die Stadt“, betont Graniki. „Die DSG ist lediglich Dienstleister.“

Jugendamts-Gebäude als Sanierungsfall: Stadt beauftragt Tochter mit Machbarkeitsstudie

DSG-Geschäftsführer Klaus Graniki: "Wir sehen uns erst einmal alle Gutachten an, die zu dem Thema vorliegen." © Beushausen

Sie dürfte im Zuge ihrer Machbarkeitsstudie einige Seiten zu studieren haben. Dass Teile des Gebäudes wie etwa die Fassade unter Denkmalschutz stehen macht die Suche nach einer wirtschaftlichen Lösung nicht einfacher. Die Immobilie wurde von 1953 bis 1955 erbaut und schon vier Jahre später, 1960, um eine weiteres Stockwerk in der Gebäudemitte erweitert. 1968 kamen am linken Gebäudeflügel noch einmal zwei weitere Etagen drauf.

Wasserschaden in der Tiefgarage

Mit 15.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ist das Gebäude sogar noch etwas größer als das frühere Gesundheitsamt an der Hövelstraße (13.500 Quadratmeter) – auf die Sanierer wartet ein richtig „dicker Brummer“. 230 Arbeitsplätze sind dort untergebracht. Zu dem Gebäude gehört auch eine 2500 Quadratmeter große Tiefgarage, die ebenfalls angefasst werden muss: Ein früherer Wasserschaden hat seine Spuren hinterlassen.

Als Ausweichstandort während der Sanierungsarbeiten ist die frühere Frenzelschule am Entenpoth in Hörde angedacht. Zu möglichen Sanierungskosten möchte DSG-Geschäftsführer Graniki noch nichts sagen. 2011 war noch grob geschätzt von zehn bis zwölf Millionen Euro die Rede. Inzwischen geht man in der Verwaltung von deutlich mehr als 20 Millionen Euro aus.

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