Jugendliche ins Gefängnis oder Eltern bestrafen? Was Dortmunder denken und was möglich ist

rnUmgang mit jungen Straftätern

Die eine fordern harte Strafen für kriminelle Jugendliche, die anderen bessere Therapien: Die Frage nach dem Umgang mit jungen Straftätern spaltet die Dortmunder.

Dortmund

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Vorfall an der U-Bahn-Station Clarenberg hat die Debatte angeheizt. Wie können Jugendliche sanktioniert werden, die noch nicht strafmündig sind? Viele fordern strengere Strafen auch für unter-14-Jährige. Ein Kommentar von Redakteur Felix Guth, mit der Kernaussage, statt der Kinder vielmehr die Eltern in die Verantwortung zu nehmen, hat weitere Reaktionen ausgelöst.

Zahlreiche User widersprechen und äußern die Meinung, dass Kinder härter bestraft werden müssten. Dies sind Auszüge aus einigen Kommentaren:

  • „Kindern, die sowas machen, ist es egal, ob die Eltern bestraft werden!“‘

  • „Wer alt genug ist so etwas zu tun, ist auch alt genug, um dafür entsprechend bestraft zu werden. Einen erhobenen Finger und Sozialarbeit? Die lachen uns doch ins Gesicht und machen weiter.“

  • „Wer eine Straftat begeht, hat auf den Straßen bzw. in der Mitte unserer Gesellschaft nichts zu suchen und gehört bestraft. Ob 12 oder 80 Jahre! Es wird dringend Zeit, dass unsere Gesetze den aktuellen Straftaten angepasst werden. Wenn es sein muss, dann auch 12-Jährige in den Knast.

Andere User plädieren für einen reflektierten Umgang mit solchen Taten und sehen eher die Gesamtgesellschaft in der Pflicht.

  • „Härtere Strafen bringen rein gar nichts, sie haben den gegenteiligen Effekt. Stattdessen sollte das Bewusstsein gefördert werden, dass sich Kinder (und alle anderen Menschen) im Schnitt so verhalten wie andere sich verhalten. Die meisten Kinder, die Straftaten begehen oder Aggressionen zeigen, haben Eltern oder ein Umfeld, welches sie mit Gewalt erzieht und/ oder sie diskriminiert und/ oder ihnen vorlebt, dass Profite und Wettbewerb vor Empathie und Rücksicht geht.“

  • „Kinder haben nichts in einer Haftanstalt verloren. Der erzieherische und vor allem der therapeutische Gedanke muss ganz klar in den Vordergrund gestellt werden. Dazu benötigt es deutlich mehr Einrichtungen und Personal, wo diese Kinder untergebracht werden.“

  • „Kinder gehören nicht ins Gefängnis, sondern raus aus der Familie. Die heutige Gesellschaft ist Schuld aber auch manche Eltern, man darf heute Eltern nicht kritisieren.

(Schreibfehler in den Kommentaren sind korrigiert.)

Die gesamte Debatte können Sie hier nachlesen:



Das macht das Jugendamt, um Familien zu helfen

Welche Handhabe hat das Jugendamt in der Realität überhaupt? Anke Widow, Stadtsprecherin für den Bereich Jugend, sagt: „Strafe hat das Jugendamt nicht im Portfolio. Es geht um Hilfe zur Erziehung. Die erzieherische Verantwortung liegt immer bei den Eltern“ Die Stadt halte verschiedene Angebote der sozialpädagogischen Jugendhilfe vor und bringe diese zum Einsatz, wenn es notwendig ist. Im Jahr 2018 gab es laut Anke Widow 1483 Fälle von sozialpädagogischer Jugendhilfe in Dortmund.

Mitarbeiter des Jugendamts setzen sich mit den Familien zusammen und begleiten sie kontinuierlich. „Es dauert so lange, wie es dauert“, sagt Anke Widow.

„Im Vordergrund steht es, den Jugendlichen den Weg ins Leben zu ermöglichen“, sagt Anke Widow.

In seltenen Fällen kann eine stationäre Unterbringung der Kinder außerhalb der Familien der einzige Weg sein. Etwa, wenn psychische Erkrankungen vorliegen oder Suizidgefahr besteht. Wenn Eltern der erzieherischen Verantwortung nicht nachkommen, kann sich das Jugendamt an das Familiengericht wenden. Bei Jugendlichen, die bereits straffällig geworden sind, entscheiden ebenfalls Gerichte über die pädagogischen Maßnahmen.

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