Kaiserstraße: Wer macht mit Symbolen auf die schlechte Radfahr-Situation aufmerksam?

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Im Kaiserstraßenviertel und an der Hohen Straße sind Rad-Symbole aufgetaucht, die Autofahrer auf die Radwege aufmerksam machen. Wer hat sie auf den Boden gesprüht?

von Alexandra Wachelau

Kaiserstraßenviertel

, 06.07.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kaiserstraße ist auch unter der Woche vormittags sehr belebt. Neben Autos, Fußgängern und Lieferwagen kreuzen zwischen den Geschäften und Wohnungen auch zahlreiche Fahrradfahrer ihren Weg. Seit Kurzem sind aufgemalte Zeichen auf der Straße zu sehen: Kleine rote Fahrräder und ein Pfeil zeigen an, wo parkende Autos per se nichts zu suchen haben. Grüne Fahrräder zeigen, wo die Fahrradspur ist. Auch an der Hohen Straße wurden die Rad-Symbole gesehen.

Wer sie angefertigt hat, ist nicht bekannt. „Eigentlich ist es ja Sachbeschädigung“, sagt Nicole Laubert von der Werbegemeinschaft Kaiserstraße. Sie schätzt, dass die Symbole seit einer Woche die Straße zieren.

Fahrradfahrer fahren in die entgegengesetzte Richtung

Auf der einen Seite gibt es zu wenig Parkplätze, aber viel Autoverkehr. Die Autos parken auf den Fahrradwegen. Gleichzeitig gibt es auch viele Fahrradfahrer, die nicht immer in der richtigen Richtung unterwegs sind. Die Fahrradsymbole zeigen an, wo die Autos auf der Spur mit Fahrrädern zu rechnen haben. Auch Radfahrer können durch die Pfeile sehen, wo sie in der entsprechenden Richtung zu fahren haben.

„Es gibt nur eine Fahrradspur und auf der sind viele Geisterfahrer unterwegs“, sagt Hubert Dahlkamp dazu. Er fährt regelmäßig Rad und findet es auf der gegenüberliegenden Straße oft noch gefährlicher – nicht nur aufgrund der Falschparker. „Manche Fahrradfahrer werden von geöffneten Autotüren mitgenommen“, behauptet er.

Dortmund wird von Fahrradfahrern schlecht bewertet

Dortmund ist, wie dieses Jahr vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) veröffentlicht wurde, auf dem vorletzten Platz beim Fahrradklima-Test gelandet. In den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern steht nur Köln als schlechtere deutsche Fahrradstadt dar. Die Kritik: zu wenig Kontrolle bei falsch parkenden Autos, zu schmale und zu wenige Fahrradwege und eine schlechte Fahrradführung bei Baustellen.

Eine 75-jährige Anwohnerin kann diese drei Punkte bestätigen. „Ich wohne seit 40 Jahren an der Kronprinzenstraße. Die Fahrradsituation hier ist ganz kriminell“, sagt sie. Vor einem Monat habe sie ihr Auto verkauft, seitdem fährt sie mit dem Rad. Sicher fühlt sie sich damit jedoch nicht: „Ich habe meistens Angst, bei Ausfahrten nicht gesehen zu werden“, sagt sie. Auch die Schlaglöcher auf der Kaiserstraße seien schon seit Jahren nicht repariert worden.

Die neuen Rad-Zeichen auf dem Boden findet sie gut. „Sie könnten nur etwas deutlicher sein, am besten mit Neonfarben“, sagt sie.

Kaiserstraße: Wer macht mit Symbolen auf die schlechte Radfahr-Situation aufmerksam?

Caroline Symassek findet die Kennzeichnung an der Kaiserstraße gut. Sie hofft, dass die Stadt die Initiative bemerkt und an der Kaiserstraße für mehr Sicherheit sorgt. © Alexandra Wachelau

Caroline Sysmassek findet die Symbole ebenfalls gut. Sie ist erst vor wenigen Tagen nach Dortmund gezogen. Ursprünglich kommt sie aus Herne – ein kleiner Kulturschock, zumindest, was das Fahrradfahren angeht: „Ich sollte mir wirklich einen Helm kaufen“, sagt sie. In ihrem Freundeskreis gibt es wenige Dortmunder, die radeln: „Viele haben gar kein Fahrrad. Die meisten fahren nur mit dem Auto. Manche achten auch gar nicht mehr auf Fahrräder, sie vergessen zum Beispiel den Schulterblick.“

Wolfgang Niehoff von der Nachbarschaftsinitiative Kaiser findet die Symbol-Aktion gut: „Die verantwortlichen Akteure machen auf ein Problem aufmerksam, das es schon lange in der Kaiserstraße gibt.“

„Dortmund ist nun mal keine Fahrradstadt“

Michael Boll (57) ist Dortmunder und fährt in seiner Freizeit gerne Rad: Auch mal in Münster oder – noch besser – in den Niederlanden. Dortmund als Radstadt sei „eine Katastrophe“, sagt er. Er selbst habe schon einen Unfall an der Kaiserstraße gehabt. Die neuen Rad-Symbole seien nur bedingt hilfreich: „Die Leute sind sich der Fahrradfahrer oft nicht bewusst oder schauen nicht, wenn sie aus der Ausfahrt herausfahren“, sagt Boll. Dabei habe sich in der Stadt in den vergangenen Jahren schon viel getan. Beispielsweise gibt es mehr rot markierte Radwege.

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