Kampf gegen Rassismus: Rapper erzählt Schülern von seiner dunkelsten Zeit

rnSchule ohne Rassismus

Der Rapper 2schneidig war an der Martin-Luther-King-Gesamtschule zu Gast. Auf ihn wurde wegen seiner Arbeit gegen Rassismus schon geschossen. Nun möchte er die Schüler wachrütteln.

Dorstfeld

, 17.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Martin-Luther-King-Gesamtschule (MLKG) in Dorstfeld veranstaltet jährlich „Schule ohne Rassismus“-Tage. Am 15. Januar (Mittwoch) wäre der Bürgerrechtler und Namenspatron der MLKG, Martin Luther King, 91 Jahre alt geworden.

Pünktlich zu seinem Geburtstag fand diesmal auch der „Schule ohne Rassismus“-Tag statt. „Wir haben uns entschlossen, den Tag künftig immer in der Woche des Geburtstages stattfinden zu lassen“, sagt MLKG-Lehrerin Andrea Seyb. Zuvor sei er oft in den Dezember oder auf ein beliebiges Januar-Datum gefallen.

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Zu Kings Geburtstag am Mittwoch gab es dann nicht nur schulinterne Projekte wie „Wer war Martin Luther King?“ für die Fünftklässler oder „Leben mit Handicap“ für die Sechstklässler der Gesamtschule. Ein besonderer Gast war der Rapper 2schneidig.

„Worte haben so viel Kraft“

Während die Wanderausstellung „King Code“ in der Mensa der Schule eröffnet wurde und die Neuntklässler das Theaterstück „Braune Engel“ des Theaters Traumbaum sahen, stand Martin Rietsch alias 2schneidig vor rund 200 Schülern der siebten und achten Klassen.

Der deutsch-nigerianische Sänger und Rapper sammelte als Backgroundsänger der Gruppe Mr. President erste Bühnenerfahrung. Seit zwei Jahrzehnten macht er nicht nur seine eigene Musik, sondern setzt sich auch öffentlich gegen Rassismus und Gewalt ein.

Kampf gegen Rassismus: Rapper erzählt Schülern von seiner dunkelsten Zeit

Schulleiterin Jutta Espe zeigte sich am „Schule ohne Rassismus“-Tag stolz: „Unsere Schüler sind für diese Themen schon sehr sensibilisiert.“ © Schule

In Schulen und Jugendeinrichtungen sensibilisiert er Schüler und Lehrer für diese Themen. „Ich erzähle von meinen eigenen Erfahrungen“, erklärt Rietsch. „Beispielsweise von meinem früheren Fußballtrainer und der Passivität aller, die seine rassistischen Äußerungen mir gegenüber mitbekommen haben.“

Äußerungen wie die seines Trainers seien es gewesen, die ihn in eine Identitätskrise gestürzt hätten. Äußerungen seines Umfelds, die ihn abrutschen ließen und zu drei Suizidversuchen im Jugendalter führten. „Worte haben so viel Kraft“, sagt Martin Rietsch. „Da hilft auch kein ‚war nur Spaß‘, das andere bleibt hängen.“

Schüler öffnen sich

Er erlebe oft, dass Schüler sich öffnen, wenn er sich öffnet, so der Rapper. In einer bunt gemischten Schülerschaft wie die der MLKG haben viele ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus gemacht.

„An der Schule gehen wir offen mit dem Thema um und sensibilisieren die Schüler“, sagt Schulleiterin Jutta Espe. „Dadurch und durch Projekttage können wir hier einigen Dingen vorbeugend entgegenwirken.“

Martin Rietsch hat jedoch auch schon anderes erlebt. 2013 wurde nach einem seiner Projekttage auf sein Auto geschossen. Der Rapper blieb unverletzt. „Aber solche Dinge rütteln wach, wenn man sie erzählt“, erklärt er.

MLKG

Ausstellung „King Code“

  • Die Ausstellung „King Code“ ist bis zum 24. Januar (Freitag) an der Martin Luther King Gesamtschule zu sehen.
  • In der Mensa der Schule, Fine Frau 50-58, ist sie während der Schulzeit für die Öffentlichkeit zugänglich.
  • Terminvereinbarungen bitte per Mail an: martin-luther-king-gesamtschule@stadtdo.de
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