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Kapitalspritze für Steag: Stadtwerke-Aufsichtsrat macht den Weg frei für Verhandlungen

rnSteag-Beteiligung

Die Diskussion um den Essener Energieproduzenten Steag nehmen Fahrt auf: Die Dortmunder Stadtwerke sind bereit, bis zu 65 Millionen Euro für Steag lockerzumachen. Andere sind skeptisch.

Dortmund

, 13.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Der Essener Kohleverstromer Steag, seit 2014 zu 100 Prozent in Händen von sechs Ruhrgebiets-Stadtwerken, braucht frisches Geld. Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21), mit 36 Prozent Mehrheitseigentümer von Steag, sind im Grundsatz bereit, eine Kapitalspritze für das Energieunternehmen aufzuziehen. In Rede steht ein Gesellschafterdarlehen bis zu einer Höhe von 180 Millionen Euro, das Steag mehr Luft verschaffen und das Eigenkapital des Unternehmens stärken soll.

Das Problem: Die anderen fünf Stadtwerke (Duisburg hält 19 Prozent; Bochum 18 Prozent; Essen 15 Prozent; Oberhausen und Dinslaken je 6 Prozent) sollen sich entsprechend ihrer Anteile an der Kapitalspritze beteiligen. Je nachdem, wie hoch das Darlehen am Ende ausfällt, müsste DSW21 einen Betrag zwischen 36 und maximal 65 Millionen Euro beisteuern. Das wäre viel Holz.

Kontrolleure fragen nach Haftung

Nach langem Hin und Her haben die Aufsichtsräte in ihrer Sitzung am Dienstag dem DSW21-Vorstand einstimmig freie Hand gegeben, mit den anderen Kommunalen zunächst zu verhandeln. Um auf Nummer sicher zu gehen, wollen die Aufsichtsräte „zeitnah“ eine gutachterliche Expertise sehen: Sie soll neben der finanziellen Lage von Steag die Zukunftsgeschäfte des Energieunternehmens beleuchten. Und obendrein die Frage klären, ob die DSW21-Kontrolleure im Falle eines finanziellen Crashs für ihre Entscheidung haftbar gemacht werden könnten. Damit reagierten die Aufsichtsräte auf entsprechende Warnsignale aus der städtischen Beteiligungsverwaltung im Vorfeld der Sitzung. Bedenken, die OB Ullrich Sierau wenig später in einem Schreiben an die Vorsitzenden der Ratsfraktionen noch zu entkräften versucht hatte.

DSW21 rechnet erst 2020 wieder mit Geld

Den Aufsichtsräten ist nicht entgangen, dass die Energiewende auch Steag derzeit frontal ins Gesicht bläst. Der Anstieg von Wind- und Solarstrom bedroht das Kerngeschäft des Kraftwerksbetreibers. Steag steckt im Sparmodus, baut Arbeitsplätze ab und legt alte Kraftwerksblöcke still. Die Ausschüttungen an das Stadtwerke-Konsortium reichen gerade, um die Kredite für den insgesamt 1,2 Milliarden Euro schweren Kauf des weltweit tätigen Unternehmens zu bedienen. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren zwar weitere 55 Millionen Euro nach Dortmund geflossen. Doch damit ist es seit geraumer Zeit vorbei: Bei DSW21 rechnet man frühestens 2020 wieder mit einer erhöhten Gewinn-Ausschüttung.

Kommunale machen Platz für privaten Partner

Offen ist, in welcher Höhe sich die fünf weiteren Partner im kommunalen Konsortium an der Kapitalspritze zur Refinanzierung von Steag beteiligen. In Aufsichtsratskreisen gilt vor allem Duisburg als Wackelkandidat. Erste Signale deuten sogar daraufhin, die Duisburger Stadtwerke könnten angesichts der Risiken die Reißleine ziehen und sich komplett aus Steag verabschieden - und das bereits jetzt. Bei DSW21 hingegen möchte man erst die Refinanzierung von Steag unter Dach und Fach haben. Danach werden in einem zweiten Schritt die Karten unter den Eigentümern neu gemischt.

Der Plan ist, Platz zu machen für einen Partner aus der Privatwirtschaft, der den Kommunalen Anteile abkauft und somit bei Steag an Bord geht. In welcher Höhe er Anteile übernimmt, ist noch offen. Und dementsprechend auch, wie hoch der DSW21-Anteil künftig sein wird.

Dazu passt auch die jüngste Änderung im Konsortialvertrag: Er räumt den Kommunalen ausdrücklich ein, ihre Steag-Anteile, die sie 2011 und 2014 in zwei Schritten gekauft haben, wieder abzustoßen. Notfalls sogar in voller Höhe. Steag, unter anderem in Indonesien und auf den Philippinen aktiv, verweist seinerseits auf „gewinnträchtige Zukunftsgeschäfte“, für deren Realisierung man frisches Kapital benötige. Spätestens im ersten Halbjahr 2019 sollen die Würfel fallen.

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