Paket eines Kirchlinders war mit DHL auf Irrfahrt durch Europa

rnPaket-Ärger

Karl-Heinz-Günter ist ein erfahrener Ebay-Verkäufer. Rund 500 Pakete hat er bereits verschickt. Nur eines davon hat ihm bislang richtig Ärger eingebracht.

Kirchlinde

, 08.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

DHL ist ein ziemlich großes Unternehmen. Mehr als 500.000 Mitarbeiter und Zehntausende Niederlassungen, Filialen und Verkaufspunkte, Packstationen und Paketboxen hat die Post-Tochter. Da kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Das passiert bestimmt nicht häufig, aber bei dem Versuch, ein Paket von Karl-Heinz Günter zuzustellen, ist der Riesenkonzern wohl über seine eigene Größe gestolpert.

Altes MacBook verkauft

Karl-Heinz Günter hatte ein zehn Jahre altes MacBook für 300 Euro verkauft. An einen Deutschen, der in Barcelona lebt. Das Gerät packte er in einen Karton und wollte ihn im Kirchlinder Paket-Shop aufgeben.

Dort zahlte er bereits am 23. April 17,99 Euro für ein 3,5 Kilogramm schweres Paket, das nach Spanien gehen soll. Er hatte noch darauf gehofft, dass das Paket nur 2 Kilo wiegt – Pech gehabt.

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Zwei Wochen später kam dann die Anfrage aus Barcelona, wo denn bitte das ersteigerte und bezahlte MacBook bliebe. Da fragte Karl-Heinz Günter zum ersten Mal bei DHL an, was mit seiner Sendung passiert sei.

Vier Wochen Geduld

„Wegen Corona könnte es zu Verzögerungen kommen“, nennt Günter die erste Antwort des Logistik-Unternehmens. Er und sein Kunde geduldeten sich und warteten zwei weitere Wochen.

Ohne Ergebnis. Bei einem weiteren Anruf beim Kundendienst am 19. Mai riet man ihm dann, einen Nachforschungs-Antrag zu stellen. Stutzig machte ihn, dass er bei diesem Antrag bereits Kaufdatum und genauen Wert des Gerätes angeben musste.

„Ich hatte nicht den Eindruck, dass es darum geht, mein Paket wiederzufinden“, so Karl-Heinz Günter, „sondern sofort darum, den Schaden zu regulieren“. Parallel versuchte nun auch sein Kunde in Spanien, nach dem Paket zu recherchieren. Ebenfalls ohne Erfolg.

Anruf beim Kundencenter

Günter ist dankbar für die Geduld des Kunden. „Der hätte ja auch denken können, ich sei ein Betrüger, der ihn abzockt“, so Günter. Ein paar Tage später hing Günter erneut an der Kunden-Hotline und wollte nach dem Stand der Recherche fragen.

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Dort sagte man ihm, ohne die Daten zum Wert des verschollenen MacBooks könne man da gar nichts machen. Die hatte Karl-Heinz Günter ja aber längst eingeschickt. Das tat er dann nochmal, und nochmal, und nochmal.

Auch nach der vierten Zusendung der kopierten Original-Dokumente konnte man bei DHL nicht bestätigen, dass die Daten für den Nachforschungs-Antrag angekommen waren.

Plötzlich ist das Paket wieder da

Als Karl-Heinz Günter völlig verzweifelt war, und sich dem Riesen-Unternehmen komplett ausgeliefert fühlte, passierte das völlig Unerwartete. Am 27. Juni bekam er ein Paket. Er war zunächst nicht zu Hause und musste es im Paketshop abholen.

Für eine Gebühr von 11,60 Euro händigte man ihm das Paket aus. Das entpuppte sich als die verschollene Sendung. Das Paket trug den Vermerk, es sei unterfrankiert gewesen - obwohl Karl-Heinz Günter im April im Kirchlinder Paket-Shop die volle Gebühr bezahlt hatte. Die Erleichterung über die Rückkehr des Paketes wich zuerst dem Ärger über das Strafporto, dann der Sorge.

Wann kommt die Schadensregulierung?

Denn Karl-Heinz Günter glaubte zu diesem Zeitpunkt, die DHL sei dabei, den Schaden zu regulieren. Jeden Tag konnten 300 Euro auf seinem Konto landen, für den Verlust eines Gerätes, das jetzt auf seinem Ess-Tisch lag. Er wandte sich an diese Zeitung.

Eine Anfrage bei der DHL-Unternehmenskommunikation erbrachte schon nach zwei Tagen eine Antwort: „Herr Günter muss sich keine Sorgen machen. Die Schadensregulierung ist noch nicht eingeleitet worden. Uns fehlten noch Informationen zum Wert des Paketes“, berichtete ein Unternehmens-Sprecher.

Erneut Kopfschütteln bei Karl-Heinz Günter. Die Infos zum Wert des Paketes hatte er DHL ja viermal zugeschickt.

Alles gut? Fast. Jetzt will Karl-Heinz Günter noch versuchen, sein Strafporto zurück zu bekommen.

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