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Kein Ausstieg aus Steag: Dortmund will die Fahne für den Energieversorger hoch halten

rnEnergiemarkt

Hickhack um Steag: Einige der am Essener Energieunternehmen beteiligten Ruhrgebietsstädte bereiten den Rückzug aus Steag vor. Dortmund als größter Eigentümer hingegen will an Bord bleiben.

Dortmund

, 20.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit 2014 gehört Steag als viertgrößter deutscher Energieversorger sechs Ruhrgebietskommunen, die sich über ihre Stadtwerke eingekauft haben. Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) sind mit 38 Prozent größter Gesellschafter. Weil die Energiewende auch dem Steinkohleverstromer Steag die Geschäfte verhagelt, will sich ein Teil der kommunalen Eigentümer zurückziehen.

In Rede stehen Essen (15 Prozent Anteile) sowie Bochum (18 Prozent) und Oberhausen (7 Prozent). Sie erwägen, ihre Päckchen zu verkaufen. Falls nötig, ab 2020 auch an einen Privaten.

Weg soll für Verkauf frei gemacht werden

Dafür müssen die Stadträte einer Änderung im Gesellschaftervertrag zustimmen. Dortmunds Rat ist in seiner Sitzung am 28. März (Donnerstag) am Zug. Vieles deutet daraufhin, dass sich Dortmund den Verkaufsplänen der anderen nicht in den Weg stellt.

Für DSW21 selber kommt ein Komplett-Ausstieg nicht infrage: Ungeachtet der Fluchtbewegungen hat DSW21-Vorstandsvorsitzender Guntram Pehlke nun vor der SPD-Fraktion fürs Festhalten an Steag geworben. Offen bleibt, in welcher Höhe DSW21 künftig am Energieversorger beteiligt sein wird.

Das Problem bei Steag: Das Inlandsgeschäft läuft schlecht, Gewinn fährt das Unternehmen mit Auslandsprojekten ein. Bei den Stadtwerken mit ihren finanziell begrenzten Mitteln wachsen Zweifel, ob sie für risikoreiche Geschäfte auf den Philippinen, in der Türkei oder in Indonesien die richtigen Partner sind.

Rund 45 Millionen Euro schüttet Steag für 2018 aus. Das Geld reicht für die Kommunalen gerade, um die Kredite für den 1,2 Milliarden Euro schweren Steag-Kauf zu bedienen.

Dividendenfluss nach Dortmund ist versiegt

Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren zwar weitere 55 Millionen Euro nach Dortmund überwiesen worden. Damit ist aber erstmal Schluss: Schon 2017 und 2018 ist keine weitere Steag-Dividende an DSW21 geflossen.

Frühestens 2020 sollen es wieder 3,6 Millionen Euro sein; 2021 laut Plan sogar die doppelte Summe. Zum Vergleich: Beim Kauf von Steag hat DSW21 rund 135 Millionen Euro Eigenkapital beigesteuert. Davon sind 37 Millionen Euro abgetragen, mit dem Rest von 98 Millionen Euro steht DSW21 noch im Feuer.

Trotz aller Risiken will Dortmund die Steag-Fahne hochhalten, notfalls sogar als einziger Kommunaler an Bord bleiben. „Wir gehen auf keinen Fall raus“, sagt SPD-Fraktionschef Norbert Schilff mit Blick auf einen möglichen neuen und finanzstarken Partner aus der Wirtschaft. Dass Essen als Firmensitz von Steag nun als Erster vor dem Absprung steht, wundere ihn. „Wenn Essen kein Interesse an den Arbeitsplätzen hat – Dortmund nimmt Steag mit offenen Armen auf“, so Schilff.

Grüne plädieren für den Abschied von Steag

Zurückhaltend äußert sich CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel. Das Thema sei nicht abschließend besprochen. Er halte es für vorstellbar, dass DSW21 in einer gewissen Höhe und als Zwischenschritt Anteile von anderen Kommunalen übernimmt, um sie später an einen neuen Gesellschafter weiterzuveräußern. „Der Verkaufsprozess muss gesteuert werden“, sagt Monegel.

Grünen-Fraktionschefin Ingrid Reuter plädiert für „Schadensbegrenzung.“ Die Grünen hätten den Steag-Kauf nie gewollt. „Wir sollten nicht die Letzten sein, die das Licht ausmachen“, sagt Reuter. Deshalb sei ein „geordneter Rückzug“ notwendig.

Anders Utz Kowalewski, Fraktionschef Linke/Piraten. DSW21 solle an Steag festhalten. Steag werde auf Sicht im Inland wieder Gewinne abwerfen. Für die Versorgungssicherheit blieben Steinkohlekraftwerke unterzichtbar. Sie springen ein, wenn Sonne und Wind nicht die nötige Energie liefern. Steag, sagt Kowalewski, sei ein Betreiber solcher Kraftwerke.

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