Weit über 1000 Teilnehmer - viele von ihnen Kinder - fuhren am Samstag (18.9.) auf der Kidical-Mass-Demo in Dortmund mit, unter anderem über den Wall. © Thomas Thiel
Demo für besseres Rad-Wegenetz

Kidical-Mass-Demo: Wie ein riesiger Klassenausflug mit Polizeischutz

Über 1000 meist junge Fahrradfahrer haben am Samstag für viele Straßensperrungen in Dortmunds Innenstadt gesorgt. Zeitweise wirkte die ganze Demo wie ein riesiger Klassenausflug mit Polizeischutz.

Das Westentor hat im Laufe der Jahre schon so manche hitzige Demonstration erlebt – etwa, als vor ein paar Jahren Neonazis hier von über 1000 laut schreienden Gegendemonstranten empfangen wurden und die Polizei mit einem Großaufgebot inklusive Wasserwerfer vor Ort war.

Die Demo, die an diesem sonnigen Samstagnachmittag (18.9.) das Westentor passiert, ist das genaue Gegenteil dieses Settings: Zahlreiche Fahrradfahrer fahren hier fröhlich klingelnd über alle Fahrspuren. Selten hat man auf Demonstrationen so entspannte Polizisten gesehen. Einer lässt einen kleinen Jungen am Rande der Demo sogar auf sein Motorrad, für ein Foto.

Ein Polizist lässt einen Jungen am Rande der Kidical-Mass-Demo am Friedensplatz auf sein Motorrad. Der stolze Vater macht ein Foto. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Weit über 1000 Radfahrer – die Polizei spricht von rund 1300, der Veranstalter von rund 1500 – haben sich gegen 14 Uhr auf dem Friedensplatz in Bewegung gesetzt, um auf Dortmunds Straßen für eine bessere Radwege-Infrastruktur zu demonstrieren.

Zu diesem Anliegen treffen sich regelmäßig Hunderte Radfahrer zu gemeinsamen Touren durch Dortmund, die sie „Critical Mass“ nennen. Dieses Mal geht es vor allem um bessere Bedingungen für junge Radfahrer im Straßenverkehr, daher nennt sich die Demo am Samstag „Kidical Mass“.

Und so sind unter den Demonstranten besonders viele Kinder – entweder auf dem eigenen kleinen Fahrrad oder als Passagiere im Kindersitz oder vorne im Lastenfahrrad. Generell wirkt diese Demo wie ein riesiger Familien- oder Klassenausflug mit Polizeibegleitung.

Die ist auch trotz der unproblematischen Demonstranten mit vielen Einsatzkräften vor Ort und sperrt die Straßen für den knapp zwei Kilometer langen Demo-Zug ab. Der führt die Demonstranten über den Wall, die Rheinische Straße, die Möllerstraße und den Neuen Graben zum Tremoniapark.

Wohin man schaut, überall nur Fahrräder: Beim Abbiegen von der Rheinischen auf die Möllerstraße fuhr die Demo eine Schleife. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Im Gegensatz zum Alltag, in dem die Radfahrer oft schauen müssen, wo sie bleiben, dominieren sie bei „Kidical Mass“ durch ihre schiere Masse die Straßen. Autofahrer und Passanten müssen – mal mehr, mal weniger geduldig – warten, bis die Demo durch ist. Das kann je nach Stelle schon mal 15 bis 20 Minuten dauern. Das Verkehrschaos entlang der Demo-Strecke hält sich jedoch in Grenzen.

Gegen 15.30 Uhr sind die letzten Demo-Teilnehmer im Tremoniapark angekommen. Auf der großen Sonnenwiese dort lassen viele den Nachmittag ausklingen.

Taner Özbiyik und seine Tocher Leonie spielten nach der Demo Federball im Tremoniapark. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Einer von ihnen ist Taner Özbiyik. Der 43-jährige Dortmunder spielt mit seiner siebenjährigen Tochter Leonie Federball. Sie ist auch der Grund, warum die beiden bei der Demo mitgefahren sind.

„Wir wollen echte Fahrradstraßen“, sagt der Familienvater aus dem Saarlandstraßenviertel, „diese aufgemalten Fahrradstreifen bringen nichts. Da lass ich meine Tochter nicht drauf fahren.“ Bis zu ihrem zehnten Geburtstag darf sie noch auf dem Bürgersteig fahren. Bis dahin sei die Radfahr-Infrastruktur in Dortmund hoffentlich besser, sagt Özbiyik.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel