Wenn das Kind nur noch schreit: Wie eine Dortmunder Klinik Eltern hilft

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Was lässt sich tun, wenn das Baby nicht richtig durchschläft und kaum zu beruhigen ist? Ein Gespräch bei der Schreiambulanz am LWL-Klinikum ergab einige überraschende Antworten.

Dortmund

, 11.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Freude der Eltern ist groß: Das gemeinsame Kind ist da und die ersten Monate bedeuten viele Augenblicke purer Freude. Doch dann gibt es immer wieder Geschrei: Das Kind schläft nicht ein oder ist unruhig in der Nacht. Das belastet auch die Eltern - psychisch und physisch. Aber was tun und wohin?

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Viele Familien suchen dann als erstes den Kinderarzt auf. Dabei gibt es auch ganz spezielle Angebote für solche Fälle - beispielsweise die Schreiambulanz, die Teil der LWL-Kinder- und Jugendpsychiatrie Dortmund ist.

Doch: „Die Hürde, mit ihrem Kind eine kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtung aufzusuchen, ist für manche Eltern möglicherweise größer, als eine Beratungsstelle zu besuchen“, sagt Justyna Jarzombek, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Ihre Kollegin Anja Kopa, die als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin tätig ist, ergänzt: „In erster Linie wollen wir jedoch für die Eltern ein präventives Angebot schaffen und wollen die Eltern-Kind-Interaktion stärken.“

Viele Eltern denken schnell an ADHS

Zusammen mit Psychologin Uta Sittig leiten die zwei Frauen die Schreiambulanz und Baby- und Kleinkindsprechstunde an der LWL Elisabeth-Klinik, die für Kleinkinder im Alter von drei Monaten bis drei Jahren gedacht ist.

Doch was macht eine solche Ambulanz eigentlich? „Wir bieten Beratungsgespräche, Diagnostik und videogestützte Beratungsprozesse an. Die häufigsten Anfragen betreffen Ein- und Durchschlafprobleme. Dazu kommen auch viele Diagnostikanfragen, ob ein Kind ADHS hat oder an Autismus leidet“, berichtet Kopa.

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Gerade wenn sich ein Kind in der Trotzphase befindet und auch mal Wutausbrüche hat, denken viele Eltern schnell an ADHS oder ähnliche Phänomene. Beide meinen: Viele Eltern hätten durch die Gesellschaft idealisierte Bilder von Kindern im Kopf.

„Häufig werden dann Ratgeber kontaktiert, die diesen ADHS-Verdacht unter Umständen verstärken. In den meisten Fällen können wir eine solche Vermutung jedoch verneinen“, sagt Jarzombek, „sollte sich dieser Verdacht jedoch erhärten, erfolgt eine Diagnostik in unserer Institutsambulanz“.

Innere Überzeugung wichtig

Die meisten Fälle könne man in mehreren Sitzungen lösen. „In der Regel gibt es mindestens ein Erstgespräch und ein Evaluationsgespräch. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Schlafschwierigkeiten sich schon in kurzer Zeit regulieren lassen“, erklärt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Kopa. „Bei anhaltender Problematik werden die Familien jedoch über mehrere Termine begleitet.“

Beide Expertinnen sprechen davon, dass die innere Haltung und Überzeugung der Eltern eine entscheidende Rolle spielen. Viele Mütter und Väter würden beispielsweise auf das Schreien von Kindern verunsichert reagieren.

Justyna Jarzombek und Anja Kopa betreuen zusammen mit Uta Sittig die Schreiambulanz am LWL-Klinikum.

Justyna Jarzombek und Anja Kopa betreuen zusammen mit Uta Sittig die Schreiambulanz am LWL-Klinikum. © Maximilian Konrad

Diese „Hilflosigkeit“ überträgt sich dann auf den Nachwuchs. „Schon bei den Babys können dann Rituale entstehen, sodass sie dann denken: ‚Wenn ich schreie, werde ich gefüttert oder aus dem Bett genommen oder Ähnliches‘“, zählt Medizinerin Jarzombek einige Beispiele auf.

Ambulanz existiert seit 2016

Als besonders effektiv aus der Sicht der drei Frauen wird ihr multiprofessionelles Behandlungsteam empfunden, das fachlich in unterschiedlichen Schwerpunkten ausgebildet ist. So bringt jede von ihnen eine unterschiedliche Sicht auf den Fall ins Spiel.

„Häufig machen wir es so, dass zwei von uns mit den Eltern sprechen und die dritte beschäftigt sich mit dem Kind. Am Ende bringen wir dann beide Erfahrungen zusammen und tauschen uns mit allen Beteiligten aus, wie es weitergeht“, erklärt Kopa.

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Die wöchentliche Sprechstunde am Dienstag ist seit dem Beginn der Ambulanz im Jahr 2016 regelmäßig besucht. Meist werden etwa 50 Minuten für einen Termin veranschlagt.

Das Trio kooperiert zudem auch mit anderen Einrichtungen aus dem Angebot der Frühen Hilfen in Dortmund.

Info

Die Sprechstunde der Schreiambulanz

  • Die Sprechstunde der Baby- und Kleinkindsprechstunde, Schreiambulanz, ist immer dienstags zwischen 9.30 und 11 Uhr.
  • Die Sprechstunde findet in den Räumen der LWL-Klinik, Elisabeth-Klinik in der Marsbruchstraße 162a statt.
  • Kontakt: Tel: 0231 913019 - 0 oder per Mail unter: kjp-dortmund@lwl.org
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