Kindesmisshandlungen: Die Fälle werden in der Corona-Krise schwerer

rnKinderschutz-Zentrum Dortmund

Laut Kinderschutz-Zentrum Dortmund sind die Fälle von Kindesmisshandlungen während der Corona-Krise nicht gestiegen. Veränderungen gibt es aber sehr wohl.

von Julien Maerz

Dortmund

, 30.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kinderschutz-Zentrum Dortmund ist eine Fachberatungsstelle gegen Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch von Kindern. In der Beratungsstelle arbeiten Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeiter, die auch therapeutisch qualifiziert sind.

Kein Anstieg der Fälle durch Corona

Bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019 ging Martina Niemann, Leiterin und Geschäftsführerin der Beratungsstelle, zunächst auf die aktuelle Situation ein. Sie erklärte, dass man zwar keinen Anstieg der Zahl der Kindesmisshandlungen während der Corona-Krise feststellen konnte - dafür aber die bekannt gewordenen Fälle insgesamt härter geworden seien.

Die Bedingungen während des Lockdowns wie zum Beispiel der Ausfall von Schulunterricht, die Schließung der Kitas oder von Freizeiteinrichtungen wie Sportvereinen sorgten demnach fürs Eskalieren der Situation in manchen Familien.

„Wenn wir sonst einmal pro Jahr einen Anruf vom Kinderklinikum Dortmund bekommen, weil ein Kind schwer verprügelt wurde, sind es dieses Jahr bereits deutlich mehr“, so Martina Niemann.

Allerdings musste auch das Kinderschutz-Zentrum Dortmund während des Lockdowns schließen. So konnten Beratungsgespräche nur per Telefonat oder Videokonferenz angeboten werden. Mittlerweile hat man sich aber ein Hygienekonzept überlegt, um Gespräche auch wieder vor Ort stattfinden lassen zu können.

Kurzfristige und kostenlose Beratung

Das Kinderschutz-Zentrum Dortmund bietet kurzfristige und kostenlose Beratungen für Familien an. Die Beratungsstelle, die sich zu 60 Prozent durch Spenden und Zuwendungen von Stiftungen finanziert, konnte im Jahr 2019 keine wesentlichen Veränderungen bei den Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr feststellen.

So sei die Zahl der Neuaufnahmen um sieben Fälle im Vergleich zu 2018 gestiegen - und die Gesamtzahl der Beratungsfälle sogar leicht gesunken: um 15 auf 805 Fälle. Insgesamt konnte man im Jahr 2019 484 Neuaufnahmen verzeichnen und insgesamt 469 Fälle abschließen.

Gründe für Fälle ungefähr gleich geblieben

„Die Verteilung der Gründe für Fälle, die wir als Kindeswohlgefährdung eingeschätzt haben, ist ungefähr gleich geblieben“, heißt es in dem Jahresbericht.

Hauptgrund für Neuanmeldungen sind immer noch Auffälligkeiten der Kinder und Jugendlichen, gefolgt von Problemen wie häuslicher Gewalt und psyschischen oder Suchterkrankungen eines Elternteils oder beider Eltern.


Der dritthäufigste Grund sei exzessives Schreien von Babys und Kleinkindern. Diesem Problem widmet das Kinderschutz-Zentrum das Projekt „Frühe Hilfe“.

Die Zahl von sexuellem Missbrauch als Anmeldegrund ging von 57 auf 35 Fälle zurück.

Das Projekt „Jugendhilfe VorOrt in Kinderarztpraxen“ musste im September 2019 mangels weiterer finanzieller Förderung beendet werden. Bei dem Projekt konnte das Kinderschutz-Zentrum Dortmund in Kooperation mit sieben Kinderärzten Beratungen in deren Praxisräumen anbieten. Ziel war es, Probleme in den Familien möglichst frühzeitig zu erkennen und entsprechende Hilfen anzubieten.

Die Kooperation mit den Kinderärzten habe sich durch das Projekt nachhaltig verbessert, heißt es in dem Jahresbericht. So würden Kinderärzte ihre Patienten jetzt viel eher und auch öfter an das Kinderschutz-Zentrum überweisen.

Das Kinderschutz-Zentrum arbeitet nicht nur mit Kinderärzten, sondern auch mit dem Jugendamt, Jugendhilfe-Organisationen, Heimen, Therapeuten und anderen Beratungsstellen zusammen. Auch Kindertagesstätten, Schulen oder Rechtsanwälte kommen auf die Organisation zu.

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