Kindsmord: Spät reagiert

DORTMUND „Warum wurde die Polizei nicht informiert? Wer hat entschieden, das Kind nicht in Obhut zu nehmen?“ Im Prozess gegen die mutmaßliche dreifache Kindermörderin Sabrina L. (27) musste sich eine Sachbearbeiterin des Jugendamts gestern unangenehme Fragen stellen lassen.

17.07.2007, 17:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Fakt ist: Wenige Wochen vor seinem Tod im April 2004 wurde der kleine Kevin erstmals in die Kinderklinik eingeliefert. Seine Mutter sprach von einem Krampfanfall, doch die Ärzte hatten schnell einen anderen Verdacht. Punktblutungen im Gesicht des Jungen ließen auf einen gescheiterten Erstickungsversuch schließen. Ihren Verdacht teilten die Ärzte schließlich dem Jugendamt mit.

"Intensive Betreuung"

Dort entschied man sich jedoch gegen einschneidende Maßnahmen und für eine „intensive Betreuung“ der Familie – obwohl allen Beteiligten die Vorgeschichte von Sabrina L. durchaus bekannt war. Dass die junge Mutter nämlich schon 2001 ihre ersten beiden Kinder Chantal und Pascal aus ungeklärter Ursache verloren hatte.

An vier Tagen habe sie die Angeklagte nach Kevins Entlassung aus dem Krankenhaus gesehen, sagte die Sachbearbeiterin gestern als Zeugin. „Sie war die ganze Zeit über sehr reserviert und auch nicht kooperativ.“ Die Sozialarbeiterin musste der Mutter schließlich sogar mit dem Familiengericht drohen, ehe sie den Jungen noch einmal beim Kinderarzt vorstellte. Die ersten beiden Untersuchungstermine habe Sabrina L. platzen lassen. In der Folgezeit wollte die Behörde eigentlich eine umfassende Betreuung durch eine Bezirkskrankenschwester und eine Sprachförderung für Kevin in die Wege leiten. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 25. April wurde der Junge tatsächlich von Sabrina L. erstickt.