„Es nervt“ – Überfälle, Diebstähle, Gewalt: Kioskbesitzer lässt Dampf ab

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Es war für Dimitrios Tsanakas kein entspannter Tag: Gleich zweimal musste die Polizei zu seinem Kiosk gerufen werden. Der 53-Jährige hat es satt.

Dortmund

, 23.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen Semmelknödeln im Kochbeutel, WC-Reiniger und Hundefutter in Dosen wuselt Dimitrios Tsanakas. Der 53-Jährige hat an diesem Nachmittag in seinem Kiosk an der Kaiserstraße 203 gut zu tun. Beinahe minütlich ertönt der Durchgangsmelder am Eingang. Zigaretten, Cola, Bier und gemischte Weingummi-Tüten sind gefragt.

Der gelernte Bänker mit griechischen Wurzeln führt seit 2012 eine der wenigen Trinkhallen in Dortmund, die 24 Stunden geöffnet haben. 365 Tage im Jahr. Mit den Geschäften sei er sehr zufrieden – wären da nur nicht die „Halbstarken“. Am vergangenen Sonntag (18.8.) hatten sie Tsanakas’ Kiosk gleich zweimal im Visier.

Jugendliche haben Messer dabei

Am Vormittag gegen halb zehn, so erzählt es der Dortmunder, waren zunächst drei Jugendliche da, die vorgaben, etwas kaufen zu wollen und dann mit Ware aus der Kühltheke und der Süßigkeitenauslage davonliefen. Am Abend wurde es brisanter: Zwei Jugendliche – Tsanakas schätzt sie auf 13 bis 15 Jahre alt – wollten Zigaretten kaufen, die sie aber nicht bekamen, weil sie minderjährig sind.

„Es nervt“ – Überfälle, Diebstähle, Gewalt: Kioskbesitzer lässt Dampf ab

Immer wieder wird in Tsanakas‘ Kiosk geklaut. © Christin Mols

„Dann holte einer ein Messer raus“, sagt der Kiosk-Besitzer, der zur Tatzeit selbst nicht im Laden war, die Szene aber von den Aufnahmen der Überwachungskameras kennt. „Mein Mitarbeiter hat erzählt, dass ihm verbal gedroht wurde. Die Zigaretten gab er dennoch nicht raus.“ Die Jugendlichen stießen schließlich Ware im Kassenbereich um und liefen weg. Die Polizeipressestelle bestätigt beide Fälle.

Die Hemmschwelle bei den jungen Leuten sinke immer mehr, sagt Tsanakas. „Was früher ein Verbrechen war, gilt heute als Kavaliersdelikt“, schimpft er, während er draußen vor dem 80 Jahre alten Kiosk an einer Zigarette zieht. Auch die Gewaltbereitschaft habe zugenommen und es werde oft geklaut. Zwei weitere Raubdelikte in seinem Kiosk hat die Polizei 2018 registriert. „Das ist echt traurig. Und es nervt!“, sagt Tsanakas, der fünf Vollzeitmitarbeiter hat. Jeden Tag sei er von 6 Uhr morgens bis in die Nacht mit dem Kiosk beschäftigt. „Und dann kommen welche und wollen dem Kiosk schaden. Das ist echt demotivierend.“

Im Kiosk gibt es acht Überwachungskameras

Dabei könne ein Überfall auf den etwa auf 20 Quadratmeter großen Laden für die Täter nur nach hinten losgehen. „Ich habe hier acht Überwachungskameras, die alles aufzeichnen“, sagt Tsanakas. Ist er selbst nicht im Kiosk, kann er auf seinem Smartphone alles beobachten. Die Videoaufnahmen gingen nach jedem Vorfall an die Polizei. Mit der ist der 50-Jährige übrigens sehr zufrieden: „Ich muss den Polizisten mal ein Lob aussprechen. Die sind immer sofort zur Stelle, wenn hier was passiert.“

„Es nervt“ – Überfälle, Diebstähle, Gewalt: Kioskbesitzer lässt Dampf ab

Der Kiosk an der Kaiserstraße 203 hat rund um die Uhr geöffnet. © Christin Mols

Die Ermittlungen in beiden Fällen von Sonntag liefen noch, sagt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt auf Anfrage unserer Redaktion. „Es scheint aber so zu sein, dass mindestens einer der Verdächtigen von abends auch morgens dabei war“, verrät sie. Die Frage, ob Diebstähle in Kiosken in Dortmund im Allgemeinen zugenommen hätten, verneint sie und verweist auf die polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Dortmund für das Jahr 2018.

Demnach sind Diebstähle in oder aus Kiosken, Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden, Schaufenstern, Schaukästen, Vitrinen im Dortmunder Stadtgebiet seit Jahren rückläufig. Waren es 2017 noch 6702 Fälle, wurden 2018 6257 verzeichnet. Das sind rund 7 Prozent weniger. 2014 lag die Fallzahl noch bei 8200.

Dimitrios Tsanakas will seinen Kiosk nun noch stärker beobachten. Die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Kunden liege ihm sehr am Herzen. „Die Leute sollen sich hier wohlfühlen.“ So sei es immer gewesen. Und so soll es auch bleiben.

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