Kirchderner Gemeinde zieht Konsequenzen aus neuem Steuer-Gesetz

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Viele Kirchengemeinden müssen ab 2021 Umsatzsteuer zahlen. Für die Gemeinden bedeutet das mehr Bürokratie. In der Bonifatius-Gemeinde Kirchderne hat das nun ganz praktische Folgen.

Scharnhorst

, 24.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab 2021 müssen Kirchengemeinden Steuern zahlen, wenn sie mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr machen. Das gilt zum Beispiel dann, wenn Ehrenamtliche auf Gemeindefesten für den guten Zweck Kuchen und Waffeln verkaufen, kleine Honorare für Kirchenchor-Auftritte kassieren oder zu einem Bücherbasar einladen.

Die neue Regelung, genauer gesagt der neue Paragraf 2b des Umsatzsteuergesetzes, hat Folgen für die Gemeinden aller Konfessionen. Betroffen ist auch der Pastorale Raum Dortmund-Nordost mit sechs katholischen Gemeinden gehören.

Wolfgang Prasse (74), Geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands, hat sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt. Sein Fazit: „Ich habe Verständnis für eine gerechtere Umsatzsteuerregelung, aber das Ganze ist nicht zu Ende gedacht.“

Gemeinden müssen jede Kuchenspende dokumentieren

Für die Gemeinden vor Ort führe es zu einem immensen bürokratischen Aufwand. Jede Kuchenspende und jeder Reibekuchenverkauf müssen künftig schriftlich dokumentiert werden.

Der Reibekuchenverkauf, wie hier bei St. Michael in Lanstrop, muss demnächst genauestens dokumentiert werden.

Der Reibekuchenverkauf, wie hier bei St. Michael in Lanstrop, muss demnächst genauestens dokumentiert werden. © Oliver Schaper

Für die Bonifatius-Gemeinde in Kirchderne hat die Änderung konkrete Folgen: Sowohl der Kirchenchor als auch die Bläsergemeinschaft haben einen eigenen Verein gegründet, um künftig finanziell von der Gemeinde unabhängig zu sein.

Man habe für jede Gemeinde im Verbund geprüft, sagt Pfarrer Reinhard Bürger (65), ob die 17.500-Euro-Grenze überschritten werde. Das gelte neben Bonifatius auch für die Immaculata-Gemeinde in Alt-Scharnhorst, weil die Räume dort auch für Hochzeiten vermietet werden. Dort werde man künftig Umsatzsteuern zahlen müssen.

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Die anderen Gemeinden, Johannes Baptista in Kurl, Petrus Canisius in Husen und Michael in Lanstrop sind nicht betroffen. Auch das große Franziskus-Zentrum in Scharnhorst-Ost nicht, weil viele der Gemeinde nahestehenden Organisationen wie die Gaststätte „Am Brunnen“ ohnehin schon unabhängig sind: die Pfadfinder, die DJK und die Caritas zum Beispiel.

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Reinhard Bürger und Wolfgang Prasse kritisieren neben dem immensen bürokratischen Mehraufwand vor allem, dass dadurch Ehrenamtliche in ihrem Tun verunsichert werden - und das in einer Zeit, in der ehrenamtliches Engagement eine wichtige Stütze der Gesellschaft sei.

Kritik der Gemeinde: Das Gesetz erfüllt seinen Zweck nicht

Der Sinn der Neuregelung sei, dass etwa ortsansässige Bäcker nicht gegenüber Gemeinden benachteiligt würden, die ihren Kuchen auf Festen bisher umsatzsteuerfrei verkaufen durften.

Aber, so Reinhard Bürger: „In der Praxis sieht es so aus, dass zumindest unsere Scharnhorster Bäcker sich über solche Feste freuen und selbst Kuchenspenden beisteuern“. Schließlich feiere keine Gemeinde ein Fest, um sich finanziell zu bereichern. Immer gehe es um einen guten Zweck.

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