Kirche besetzt - Polizei räumt noch in derselben Nacht

Braunschweiger Straße

Sie wollten ein soziales Zentrum in Dortmund aufbauen: 28 Menschen haben am späten Freitagabend ein Gebäude der neuapostolischen Kirche in der Nordstadt besetzt. Anders als bei einer früheren Besetzung, währte das Vorhaben dieses mal nicht lang.

DORTMUND

, 18.10.2014, 09:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kirche besetzt - Polizei räumt noch in derselben Nacht

Die ungenutzte apostolische Kirche in der Braunschweiger Straße in der Nordstadt ist am Freitagabend besetzt worden.

Nur wenige Stunden nach der Besetzung des Kirchengebäudes an der Braunschweiger Straße 31-33 war dieses auch schon wieder geräumt. Polizisten hatten gegen 1 Uhr nachts mit der Räumung des Gebäudes begonnen. Doch das dauerte einige Zeit. Immer wieder brachten Polizisten Hausbesetzer nach draußen, doch der Zugang zu den einzelnen Räumen gestaltete sich als schwierig. Erst etwa zweieinhalb Stunden später war die Kirche geräumt.

Wie schon bei einer früheren Kirchenbesetzung Ende August 2014, gaben die Besetzer ein soziales Stadtteilzentrum als ihre Ziel an. Ungenutzte Räume sollten der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, um sie für soziale Zwecke zu nutzen: "Während hier gleichzeitig reihenweise Gebäude, von der rein industriellen über die kulturelle bis zur wohnlichen Nutzung, leerstehend vor sich hin verrotten, leben viele ganz ohne Dach oder zu unfassbaren Konditionen in den Straßen des Dortmunder Nordens", schreibt das "Soziale Zentrum Avanti" in einer Pressemitteilung. Dabei ist der Raum an der Braunschweiger Straße nicht verwaist. Gottesdienste würden da nicht mehr gefeiert, so Günter Lohsträter, Sprecher der neuapostolischen Gemeinde. Das Jugendsinfonieorchester NRW sowie viele Chöre probten dort regelmäßig.

Im August hatte die katholische Kirche die Besetzer für einige Zeit geduldet. Die Besitzerin des Gebäudes an der Braunschweiger Straße, die neuapostolische Kirche, ließ die Aktivisten aber nicht lange gewähren. Drei Stunden nach der Besetzung lag der Strafantrag auf Hausfriedensbruch vor.

Jetzt lesen

Die Dortmunder Polizei kam dem nach und rückte mit vielen Einsatzkräften zu dem Kirchengebäude vor. Vor dem Gebäude hatten sich da schon Unterstützer versammelt, darunter die nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Birgit Rydlewski von der Piratenpartei. Die Polizei duldete ein solches Vorhaben nicht unmittelbar vor der Kirche und verbot die  Veranstaltung. Nach einigem Hin und Her durften die Demonstranten dann doch bleiben, allerdings einige Meter entfernt. "Das ist ein Kompromiss, aber immerhin sind wir in Sicht- und Hörweite."

Die Polizei zog immer mehr Kräfte in der Nordstadt zusammen, auch das Ordnungsamt kam hinzu. Schließlich rückten Einsatzkräfte mit Rammböcken gegen das Gebäude vor, "um weitere Straftaten zu verhindern", wie ein Sprecher sagte. Nach und nach wurden die Besetzer aus dem Gebäude gebracht. Laut Polizei waren es 28 Personen, eine davon minderjährig. Sie wurde ihren Erziehungsberechtigten übergeben. Alle weiteren erhielten laut Polizei nach Feststellung der Personalien einen Platzverweis. Die Sprecher des "Sozialen Zentrums Avanti" rechtfertigten den Einsatz des Mittels Besetzung am frühen Samstagmorgen in ihrer Pressemitteilung: "Alle "legalen" Versuche die Nordstadt mit einem vernünftigen Freiraum für Kultur und soziale Projekte zu bereichern, werden immer an der Unfähigkeit der im System gefangenen Politik scheitern, von unten kommende Strukturen und Projekte zu akzeptieren."

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt