Dortmunder Kita erneut überflutet – wie kann das Gebäude so undicht sein?

rnStarkregen

Schon zum zweiten Mal in wenigen Monaten überfluteten Regenmassen die Kita Maulwurf am Stortsweg. Die Ursachen-Suche läuft, die Nerven liegen blank. Sogar Sandsäcke werden angeschafft.

von Alexandra Wachelau

Hombruch

, 04.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gemüter am Stortsweg 50 sind erhitzt. Spätabends hat Bezirksbürgermeister Hans Semmler noch zum Ortstermin eingeladen, kaum zwölf Stunden später wird bereits laut diskutiert. „Es ist ein Drama“, leitet Semmler das Gespräch ein. Vorbeifahrende Anwohner merken bereits, dass es wieder passiert sein muss: Die Kita Maulwurf ist erneut überflutet worden.

Jetzt lesen

Das erste Mal passierte das im September 2019. Damals hatte sich das Wasser vor der Tür der Kita gestaut und war schließlich ins Gebäude eingedrungen – und das während des laufenden Kita-Betriebs. Fast die Hälfte des Hauses wurde 2019 überflutet. Das Team von Leiterin Tina Sacharzek musste die Kinder an diesem Tag bis zum sicheren Ende des Hauses tragen – während die andere Hälfte des Teams mit Wischen beschäftigt war.

Das Wasser ließ sich nicht aufhalten

Danach zog die gesamte Kita um. Vier Monate war der gesamte Bestand provisorisch in der Kieferstraße untergebracht. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Es wurde ein zusätzliches Auffangbecken gebaut, der Gehweg wurde begradigt, sodass das Wasser in Richtung Straße geleitet wird. Außerdem wurden Fehler an der Abwasserführung des Gebäudes behoben – die Rohre waren teilweise nicht angeschlossen.

Erneut musste sich die Kita Maulwurf gegen Wassermassen stemmen, die Zweifel an dem Kanalisationssystem vor Ort aufkommen lassen. Ein erneuter Umzug der Kita ist nicht ausgeschlossen.

Erneut musste sich die Kita Maulwurf gegen Wassermassen stemmen, die Zweifel an dem Kanalisationssystem vor Ort aufkommen lassen. Ein erneuter Umzug der Kita ist nicht ausgeschlossen. © Sonja Jacobs

Und doch steht das Team der Kita jetzt, rund acht Monate nach dem ersten Starkregen, vor genau den gleichen Problemen wie im vergangenen Jahr, trotz der Anstrengung aller Beteiligten. Am 1. Juli (Mittwoch) kam das neue Abwassersystem dem Starkregen nicht mehr hinterher. Dass die Kita nun erneut umziehen muss, ist nicht ausgeschlossen.

In Sturzbächen floss das Wasser der Straße in die Kita.

In Sturzbächen floss das Wasser der Straße in die Kita. © Sonja Jacobs

Eine Überflutung wie im vergangenen September sollte eigentlich nie wieder vorkommen. Während des viermonatigen Zwangsaufenthalts an der Kieferstraße prüften Fachleute das Gebäude am Stortsweg.

Ist das Kanalsystem vor Ort überlastet?

Das Kita-Team zeigt sich nun verzweifelt: „Wir wissen jetzt, dass das Gebäude nicht sicher ist“, sagt Sonja Jacobs, Vorstand der Elterninitiative. Sie wohnt in der Gegend und hat den Starkregen am Vortag mitbekommen. „Der war gar nicht so schlimm wie im letzten Jahr, trotzdem ist das Wasser die Gullideckel hochgeschossen“, berichtet sie.

Die Straße vor der Kita glich einem Fluss.

Die Straße vor der Kita glich einem Fluss. © Sonja Jacobs

Das Tiefbauamt zeigt sich angesichts dieser Erfahrungsberichte besorgt: „Das klingt schon fast danach, als wäre das gesamte hydraulische System zu hinterfragen“, sagt Jürgen Hannen vom Tiefbauamt. Das heißt: Unter Umständen kommt die Kanalisation, in die das Abwasser der Straße hineingeleitet wird, den Wassermassen nicht mehr hinterher.

Eigentlich wurde während des Ortstermins noch vorgeschlagen, ein weiteres Auffangbecken zu bauen. Außerdem sei ein sogenannter Bergeinlauf geplant – das Wasser soll weiter oben an der Straße abgefangen werden. „Doch wenn die Kanalisation sowieso überlastet ist, wird auch das nicht helfen“, sagt Jürgen Hannen.

2017 wurde das Gebäude als Traumhaus wahrgenommen

Nun soll die Stadtentwässerung das Abwassersystem vor Ort prüfen. Wie lange das dauern wird, kann nicht gesagt werden. Der Eigentümer des Hauses kauft außerdem – als Erste-Hilfe-Maßnahme – Sandsäcke, die vor dem nächsten Regenschauer schützen sollen.

Weder Fenster noch Türen waren dicht genug.

Weder Fenster noch Türen der Kita waren dicht genug. © Sonja Jacobs

Weitere Ideen, die im Ortsgespräch genannt werden, sind der Bau einer Mauer, das Ableiten des Wassers durch den Hinterhof des Gebäudes oder gar das Zumauern der vorderen Fenster. Alles keine perfekten Ideen, aber Eigentümer und Mieter sind verzweifelt.

Dabei wurde das Gebäude erst Anfang 2017 eingeweiht. Damals wurde es noch als Traumhaus wahrgenommen: 20 Jahre lang hatte die Kita keinen festen Sitz, die Kinder wurden in Containern beaufsichtigt. Der Streit um den Standpunkt zog sich hin, bis zum Bau am Stortsweg 50 war es ein langer Weg für die Elterninitiative.

Die Besucher des Ortstermins waren sich einig: Es muss schnell etwas passieren, bevor der nächste Starkregen kommt.

Die Besucher des Ortstermins waren sich einig: Es muss schnell etwas passieren, bevor der nächste Starkregen kommt. © Alexandra Wachelau

Inzwischen ist die Stimmung gekippt. „Am Anfang habe ich mich über das Gebäude gefreut“, sagt Kita-Leitung Tina Sacharzek. Inzwischen liegen bei ihr die Nerven blank. Bis spätabends war sie am Aufräumen, die Zukunft des Kita-Standorts ist erneut ungewiss.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt