Klage gegen Corona-Quarantäne: Gesundheitsamt kündigt Konsequenzen an

Coronavirus

Die Stadt Dortmund hat sich erstmals zu der Klage einer Familie gegen eine Quarantäne geäußert. Das Gesundheitsamt will bei seiner Linie bleiben. Der Fall wird dennoch Konsequenzen haben.

Dortmund

, 02.09.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner (Archivbild).

Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner (Archivbild). © Archiv

Die Dortmunder Familie Linder hatte am Dienstag (1.9.) in einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Recht bekommen. Das Gericht hob die Quarantäne auf, die das Gesundheitsamt für drei Haushaltsmitglieder eines Reiserückkehrers verhängt hatte. Dieser hatte engen Kontakt zu einem mit SARS-CoV-2-Infizierten.

In einer ersten offiziellen Einschätzung von Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner zu dem konkreten Vorgang heißt es nun: „Die Stadt Dortmund respektiert die Entscheidung des Gerichts für diesen Einzelfall.“

Gesundheitsamt bleibt bei seiner Verfahrensweise

Auch künftig werde der Fokus des Gesundheitsamts auf dem Bevölkerungsschutz liegen. Deshalb werde man bei der bisherigen Verfahrensweise bleiben. Das bedeutet, dass auch in Zukunft in entsprechenden Fallkonstellationen ganze Haushalte unter Quarantäne gestellt werden, in denen eine potentiell infektiöse Person lebt.

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„Wir haben es mit einem neuartigen Virus zu tun, über das wir viele Dinge noch nicht abschließend wissen. Aus den bisherigen Erfahrungen können wir aber schließen, dass Übertragungen des Virus in familiären Zusammenhängen eine wichtige Rolle bei der Weiterverbreitung des Virus spielen“, sagt Zoerner. Es gehe darum, potenzielle Infektionsketten erst gar nicht entstehen zu lassen.

Quarantäne-Anordnungen sollen ausführlicher begründet werden

Dennoch kündigt die Stadt Dortmund Konsequenzen für das weitere Vorgehen an. Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner sagt: „Wir haben aus diesem Fall gelernt, dass wir unsere Entscheidungen zur Quarantäne ausführlicher begründen müssen.“ Die entsprechenden Bescheide werden daher dahingehend überarbeitet.

Der Stadt Dortmund sei bewusst, dass ihre Entscheidungen zu Quarantäne-Anordnungen in manchen Fällen über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) hinausgehe.

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Das RKI verweise in diesem Zusammenhang jedoch ausdrücklich darauf, dass seine Empfehlungen im Rahmen einer Risikobewertung der Situation vor Ort durch das zuständige Gesundheitsamt angepasst werden können.

„Wir werden an dieser Linie festhalten, und der Erfolg gibt uns recht“, sagt Birgit Zoerner. Sie verweist auf die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen in Dortmund. Am Mittwoch gibt es 128 aktive Corona-Fälle (Stand 2.9.).

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