Gefälschte Plakate gegen Nazis: BVB distanziert sich - Positive Reaktionen in Netzwerken

rnIllegale BVB-Plakate

Gefälschte BVB-Plakate gegen Nazis sorgten am Samstag in Dortmund vor der Partie für Aufsehen. Die Fake-Plakate sind inzwischen schon wieder verschwunden, der Fall bleibt aber mysteriös.

13.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Tolle Aktion der Borussen“, haben viele gedacht, als sie am Hauptbahnhof, in der Innenstadt und auf dem Weg zum Stadion die BVB-Plakate mit Statements der Borussen-Stars sahen. Sie hingen in den Werbeglasvitrinen der Firma Wall. „Lieber die Meisterschaft an die Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis“, verkündete darauf Mario Götze. Auch Marco Reus wird zitiert: „Lieber Schalkesieg als Nazikiez!“ Ebenso BVB-Trainer Lucien Favre mit „Dauerkarten für Naziaussteiger!“ und Lukasz Piszszek mit „Lieber Ersatzbank als Rechtsaußen“. Außerdem waren die Hashtags #EchteLiebeStattRechterTriebe und #NazisRaus zu lesen.

Die frechen, markigen Botschaften gegen Rechts zeigten klare Kante, die professionell gemachten Plakate im BVB-Design waren aber gefälscht. Unbekannte hatten sie in einer Guerilla-Aktion vermutlich in der Nacht zu Samstag aufgehängt. Die Firma Wall hat sie inzwischen wieder entfernen lassen und Anzeige erstattet.

Aktion auch im Ministerium nicht bekannt

Neben dem nachgeahmten BVB-Design fanden sich als vermeintliche Urheber auf den Plakaten auch die Logos der Organisation Exit-Deutschland, die Nazi-Aussteiger berät, sowie des Bundesfamilienministeriums. Doch dort war von der Aktion ebenso wenig bekannt wie beim BVB.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter distanzierte sich der BVB schon im Vorfeld des Bundesliga-Spiels von der Aktion: „Borussia Dortmund steht für den Kampf gegen Rassismus und distanziert sich klar von jeglicher Form von Diskriminierung“, heißt es dort. Der BVB sei aber nicht Urheber der Plakate.


Nach der Bundesligapartie sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Pressekonferenz, ganz im „Meisterschaftsmodus“: „Ich habe nur gehört, dass es Fake-Plakate gibt. Wir haben nichts damit zu tun. Ob wir uns dagegen wehren können, weiß ich nicht. Das können wir am Montag noch lösen.“

BVB-Mediendirektor Sascha Fligge schickte hinterher: „Wir werden es sicher aufklären. Aber das ist heute natürlich nicht der richtige Tag dafür.“

„Das war eine illegale Aktion“, stellte Frauke Bank klar, Leiterin Unternehmenskommunikation der Wall GmbH in Berlin, die die Werbevitrinen vermietet. Unbekannte hätten die Vitrinen illegal geöffnet und die Plakate darin angebracht.

Plakate hingen teilweise schief

Bei näherer Betrachtung konnte man feststellen, dass die Plakate nur behelfsmäßig in den Kästen festgeklebt wurden und zum Teil leicht schief hingen. Außerdem wechselten sie nicht – wie sonst die Werbung in den Vitrinen – in einem bestimmten Rhythmus. „Derzeit können wir aber keinen Straftatbestand erkennen“, sagte am Samstag Polizeisprecher Volker Aschhoff. Das war aber, bevor die Wall GmbH Anzeige erstattet hatte.

Eine der illegal bestückten Vitrinen steht am Ende des oberen Westenhellwegs, genau gegenüber der Shisha-Bar am Wall. Doch dort hat man von der Guerilla-Aktion nichts mitbekommen. „Wir haben zwar zwei Kameras, aber die zeigen in eine andere Richtung“, sagte ein Mitarbeiter.

Positive Reaktion in den Netzwerken

Auf Twitter kam die Aktion bei den meisten gut an. „Schöne Aktion“ oder „Im Großen und Ganzen finde ich das großartig“, hieß es da. Nur einige kritisierten das Dorstfeld-Bashing, da gleich ein ganzer Stadtteil über einen Kamm geschoren werde und die Dorstfelder als Nazis abgestempelt würden. Das galt vor allem für ein Plakat, dass den Ex-Borussen Andy Möller zeigt und ihm das angebliche Zitat „Mailand oder Madrid – Hauptsache kein Dorstfeld“ in den Mund legt.

Die Polizei hatte am Sonntag noch keine Erkenntnisse, wer hinter der illegalen Aktion stecken könnte.

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