Schutz-Prinzip schnell vergessen? Betriebe zwischen Sorge und Hoffnung

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Im Zuge der Corona-Lockerungen durften auch die kleinen Einzelhändler in Dortmund wieder den Betrieb aufnehmen. Neben Zuversicht bleibt allerdings auch die Sorge vor dem Rückfall.

Dortmund

, 20.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise trifft nahezu alle Wirtschaftszweige. Doch es sind vor allem die kleinen Einzelhändler, die in der aktuellen Situation mit dem Rücken zur Wand stehen und auf den Tag der Wiedereröffnung hingefiebert haben. Dennoch bleiben nach dem ersten Tag, an dem alle Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern wiedereröffnen durften, nicht nur positive Aspekte.

Grundsätzlich könne man mit der Entwicklung an diesem Montag (20.4.) zufrieden sein, unterstreicht Uwe Caspary von der Werbegemeinschaft Kaiserstraße: „Wir können froh sein, dass die Geschäfte wieder öffnen durften. Eigentlich war es heute wie ein normales Montagsgeschäft. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Menschen nicht mehr so bedrückt sind.“ Dennoch seien die Kunden auch sehr diszipliniert gewesen.

Langer Weg bis zur Normalität

„Die Menschen vergessen nicht einfach, in welcher Situation wir uns auch trotz der Lockerungen befinden, denn viele sind auf den eigenen Schutz bedacht“, erklärt Caspary. Dazu würden auch die zahlreichen Schutzmaßnahmen beitragen. Denn, so Caspary weiter, „sobald ein Ladenbesitzer wegen Krankheit ausfällt, können kleine Betriebe direkt wieder schließen.“

Bis allerdings wieder völlige Normalität einkehre, dauere es voraussichtlich noch deutlich länger. „Es ist einfach so, dass viele Menschen vor allem auch den persönlichen Kontakt vermisst haben und deshalb jetzt wieder die kleinen Einzelhändler aufsuchen. Aber bis sich die Lage vollends normalisiert hat, vergeht vermutlich noch einige Zeit.“

„Menschen stöbern schon wieder durch die Geschäfte“

Derweil beurteilt Ute Kersting, Vorsitzende der Aktions- und Interessengemeinschaft Kreuzviertel, die Lockerungen für den Einzelhandel deutlich zwiespältiger: „Aus wirtschaftlicher Sicht ist es natürlich gut, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Allerdings habe ich auch die riesige Sorge, dass die Einzelhändler direkt wieder zu machen können, wenn sich die Menschen nicht an die Vorgaben halten.“

Und insbesondere diesen Eindruck habe sie am ersten Tag der Lockerungen gewonnen. So seien viele Kunden unterwegs gewesen, um lediglich nach Kleinigkeiten Ausschau zu halten oder durch die Läden zu stöbern.

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So voll war Dortmunds City nach dem Ende des Shutdowns

Zunächst ging alles ganz entspannt los. Am Montagmorgen ging es noch ruhig zu auf dem Westenhellweg. Zum Nachmittag hin wurde es dann aber voll. Man hätte meinen können, Corona sei ganz weit entfernt.
20.04.2020
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Der U-Turm machte die Dortmunder trotz der Lockerungen auf das aktuell wichtigste Gebot aufmerksam: "Abstand halten".© Schaper
Schutzmasken findet man derzeit immer wieder auf den Böden, so wie auch an dem Montag nach dem Shutdown.© Schaper
Vor ein paar Tagen wäre dieses Bild in Dortmund nicht denkbar gewesen. Die Innenstadt war menschenleer. © Schaper
Die Stadt ist voll, denn das Wetter war an diesem Montag super. Ein paar Menschen sind noch vorsichtig und tragen Mundschutz.© Schaper
Die Buchhandlung Meyersche hatte einige Wochen geschlossen. Deshalb war der Andrang am ersten Öffnungstag nach dem Shutdown umso größer.© Schaper
Einige Geschäfte haben derweil trotzdem geschlossen, wie diese Deichmann-Filiale. Die dient momentan nur obdachlosen Dortmunder als Unterschlupf.© Schaper
Die Normalität kehrt in die Dortmunder City zurück.© Schaper
Auch die Thier-Galerie ist wieder geöffnet.© Schaper
Hier ist es allerdings deutlich ruhiger und leerer als draußen.© Schaper
Nur vereinzelt sieht man Menschen, die sich auf den Weg zu Geschäften begeben, die nach langer Zeit wieder geöffnet haben.© Schaper

„In den vergangenen Wochen wurde beispielsweise sehr exzessiv auf die Einhaltung von Abstandsregeln und Schutzmaßnahmen geachtet. Jetzt, wo die Geschäfte wieder geöffnet haben, scheinen diese Prinzipien aber schnell vergessen worden zu sein“, betont Kersting. Grundsätzlich sei die Gefahr groß, dass die Lockerungen bei so einem Verhalten schnell wieder zurückgefahren werden. „Und dann dauert das Ganze noch einmal viel länger als ohnehin schon.“

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