Kleinkriminelle sollen arbeiten

Staatsanwaltschaft sucht Anbieter

Ungewöhnlicher Fahndungsaufruf der Staatsanwaltschaft: Die Rechtspfleger suchen Arbeitgeber, die gemeinnützige Ziele verfolgen und Kleinkriminelle wie Schwarzfahrer sinnvoll beschäftigen können.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 07.01.2011, 05:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blick in ein Treppenhaus der Justizvollzugsanstalt an der Lübecker Straße: kleinkriminelle sollen hier nicht länger sitzen, wenn sie Geldstrafen nicht zahlen können.

Blick in ein Treppenhaus der Justizvollzugsanstalt an der Lübecker Straße: kleinkriminelle sollen hier nicht länger sitzen, wenn sie Geldstrafen nicht zahlen können.

Weil das NRW-Justizministerium das „Schwitzen statt sitzen“-Programm vorantreiben und die teuren Haftplätze so weit wie möglich reduzieren will, sind Sportvereine, Kirchengemeinde und andere gemeinnützige Organisationen stärker gefragt denn je. Denn wer einen Schwitzarbeitsplatz zur Verfügung stellt, hilft dem Staat beim Sparen. Kleines Rechenbeispiel: Ein Verurteilter, der eine 300-Euro-Geldstrafe nicht zahlen kann, muss für vier Wochen in Haft – das kostet den Steuerzahler satte 3000 Euro. „Die Arbeit muss gemeinnützig und kontrollierbar sein“, so Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel. Ein Brief an die Behörde mit Angaben über die Arbeit reicht, um in das Programm aufgenommen zu werden. Angst vor Schwerkriminellen müsse niemand haben. Dr. Holznagel: „Wir haben es mit Taten zu tun, die sich aus den Lebensumständen der Delinquenten ergeben.“ Dazu zählen u. a. Hartz-IV-Empfänger, die sich die Bahn-Fahrkarten nicht leisten können und als Schwarzfahrer auffallen. Oft bildet Armut den Hintergrund. „Selbstverständlich lassen wir keinen Exhibitionisten vor einem Kindergarten die Straße fegen“, so die Oberstaatsanwältin. Zählt auch das Schneeräumen an langen Gehwegen vor Kirchengemeinden oder das Laubfegen auf Fußballplätzen zu gemeinnützigen Aufgaben?

„Super, her mit solchen Arbeitsangeboten“, so Dr. Holznagel über die Lösung für das aktuelle Schnee- und Glatteis-Problem, das im nächsten Winter garantiert wiederkehrt. Wer ähnliche oder andere Jobs zu vergeben hat: Die Fahndung läuft. 

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter Über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Lesen Sie jetzt