Klimaschutz auf Türkisch, Russisch und Deutsch

Forschungsprojekt der FH Dortmund

In einem Forschungsprojekt der FH Dortmund wird untersucht, wie umweltbewusst sich gebürtige Dortmunder gegenüber Dortmunder Migranten aus der Türkei und Russland verhalten. Wer fährt eher Bus oder kauft im Bioprodukte? Neben einigen Unterschieden gibt's bei den Ergebnissen einen gemeinsamen Nenner: Das Geld.

DORTMUND

von Von Anna Behrend

, 19.01.2012, 05:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Klimaschutz auf Türkisch, Russisch und Deutsch

Kaufen Türkischstämmige anders ein als Menschen mit deutschen Vorfahren?

Vorgeschlagen habe ihm das gemeinsame Projekt sein FH-Kollege, der Psychologieprofessor Marcel Hunecke. In der ersten Phase des Projekts werden insgesamt 2000 Interviews geführt: 800 mit türkischstämmigen, 800 mit russischstämmigen Migranten und 400 mit einheimischen Deutschen. Die Frage nach der Bereitschaft zum Busfahren lautet darin etwa so: „Fühlen Sie sich moralisch verpflichtet, klimafreundliche Verkehrsmittel zu nutzen?“ Auf diese Weise sollen die Einstellungen zu den Bereichen Mobilität, Ernährung und Energie ermittelt werden. Zusätzlich wird für jeden Befragten eine CO2-Bilanz errechnet – also ermittelt, welche Mengen des Treibhausgases CO2 er mit seinem Lebensstil produziert.

Die Befragung der deutschstämmigen Gruppe ist zwar noch nicht abgeschlossen, erste Trends zeichnen sich aber bereits ab. „Es gibt dieses Klischee: Halbstarke türkische Jungs mit tiefer gelegten BMWs, die sieht man an jeder Straßenkreuzung“, sagt Toprak. Man könne daher vielleicht denken, dass Menschen, die aus der Türkei stammen, besonders gern Auto fahren. Die CO2-Bilanzen der Befragten zeigen jedoch: Im Durchschnitt produzieren die „einheimischen“ Deutschen am meisten CO2 durchs Autofahren. „Wir hatten auch die These, dass Russlanddeutsche sehr umweltbelastend sind – nicht weil sie besondere Umweltsünder sind, sondern weil Russland nicht so nah ist, so dass man eher mal fliegen muss“, sagt Ahmet Toprak. Doch auch diese Annahme habe sich durch die CO2-Bilanzen nicht bestätigt.

Im Vergleich zu Migranten fühlen sich die „einheimischen“ Deutschen laut Umfrage jedoch stärker verpflichtet Bio-Lebensmittel zu kaufen. Von den Türkischstämmigen gaben viele an, lieber im türkischen Laden einzukaufen, da es manche Produkte im Bio-Laden nicht gebe. Nach Abschluss der ersten Studienphase wird es mit etwa 80 Befragten ein vertiefendes Gespräch geben. „Hier werden wir dann nach den Gründen für bestimmte Verhaltensweisen fragen“, erklärt Toprak. Denn für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln beispielsweise kann es viele Gründe geben – das Fehlen eines Führerscheins ebenso wie den morgendlichen Stau auf der A40.

Ein wichtiger Faktor, der umweltbewusstes Verhalten beeinflusst, lässt sich schon jetzt feststellen, so Ahmet Toprak: „Die allermeisten machen das um Geld zu sparen. Das ist bei Deutschen und Migranten das Gleiche.“ Und noch etwas haben alle Gruppen gemeinsam: Nur wenige engagieren sich für den Umweltschutz. Das Ziel der Studie verbirgt sich in ihrem Namen: Empowerment für Migranten zum Klimaschutz. Mit Hilfe der Ergebnisse sollen Ideen entwickelt werden, wie man Migranten ermöglichen kann, sich verstärkt im Umweltbereich zu engagieren. Das bedeute nicht, dass es bei Migranten mehr Bedarf gebe, erklärt Ahmet Toprak. Je nach Zielgruppe seien aber unterschiedliche Angebote nötig.

Dazu zähle nicht nur, dass man Informationen in der jeweiligen Sprache anbietet, ergänzt Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) in Essen. Dort sollen von Februar 2012 an in einem Projekt des ZfTI und zweier Projektpartner Moscheevereine helfen, das Wissen über Umweltschutz weiter zu tragen. „30 bis 35 Prozent der Türkischstämmigen sind Mitglied in einem Moscheeverein“, erklärt Aver. „Ist ein Familienmitglied im Verein, so kann man darüber die ganze Familie erreichen.“

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