Klinikum Dortmund macht höchsten Gewinn seit über zehn Jahren

Fast 5 Millionen Euro

4,9 Millionen Euro Plus - das ist der beste vorläufige Jahresabschluss seit weit mehr als einem Jahrzehnt am Klinikum Dortmund. Klinik-Chef Rudolf Mintrop warnte trotz des guten Ergebnisses vor drei finanziellen Kraftakten in der nahen Zukunft.

DORTMUND

, 08.04.2016, 13:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Klinikum Dortmund macht höchsten Gewinn seit über zehn Jahren

Das Klinikum Dortmund an der Beurhausstraße.

Nur noch der Wirtschaftsprüfer muss aufs Jahresergebnis 2015 schauen, dann ist der Überschuss endgültig zementiert. 

Im Herbst 2015, nach dem dritten Quartal,  nannte Klinikum-Chef Rudolf Mintrop noch hochgerechnete 1,7 Millionen Euro  als voraussichtliches Jahresergebnis für 2015. Von Zweckpessimismus, um die Tarifforderungen der 400 Beschäftigten in der Tochtergesellschaft ServiceDO möglichst klein zu halten, will er aber nichts wissen.

4,9 Millionen Euro Überschuss bei einem Jahresumsatz von 325 Millionen Euro seien nicht das „Maß aller Dinge“, so Mintrop. Der Klinikum-Chef verweist auf gleich drei finanzielle Kraftakte, die es in naher Zukunft zu stemmen gilt. Mit Krediten in Höhe von 120 Millionen Euro bleibt das Klinikum hoch verschuldet. Der Investitionsstau am Klinikum ist enorm. Die Verantwortlichen von Westfalens größtem Krankenhaus müssen in naher Zukunft 100 Millionen Euro in die Hand nehmen, um Großprojekte wie den Neubau der Geriatrie und der Kinderklinik zu stemmen.

Klinikum muss Strafen zahlen, weil es zu viele Menschen behandelt

Dazu droht Ungemach aus der Politik. Schon jetzt muss das Klinikum - wie alle anderen Krankenhäuser auch - sogenannte Strafzölle zurückzahlen, wenn es mehr Krankheitsfälle behandelt als ursprünglich mit den Krankenkassen vereinbart wurden. „Dabei haben wir jedes Jahr um die 1,2 Prozent Leistungszuwachs allein aufgrund der alternden Bevölkerung“, sagt Mintrop.

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25 Prozent sogenannte Mehrleistungsabschläge müssen die Krankenhäuser aktuell zurückzahlen, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe plant aber eine deutliche Anhebung der Strafzölle. Ein Ausweg aus der Misere wäre die Ablehnung von Patienten. Das kommt für den Chef des Klinikums unter keinen Umständen in Frage. Er kritisiert, dass die Regierung Leistung bestrafe mit ihrer Abschlagsgesetzgebung.

Mehr Patienten, mehr Personal

Das deutlich höhere Jahresplus erwirtschaftete das Klinikum vor allem im letzten, stark belegten Quartal 2015. Allein der Erlös aus stationärer Patientenbehandlung stieg um 3,9 Prozent, der Erlös aus ambulanter Behandlung sogar um 25 Prozent. Im Klinikum wurden im vergangenen Jahr über 65.000 Patienten stationär versorgt, die Zahl der ambulanten Behandlungen stieg auf über 180.000.

Das hatte auch Folgen für die Beschäftigung: Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 90 Vollkräfte und liegt derzeit bei 2820 Vollkräften von insgesamt 4000 Mitarbeitern. Die Zahl der Auszubildenden blieb bei 500. Der Personalaufwand stieg um 11 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr,  davon entfielen 3,6 Millionen Euro für Tariferhöhungen . Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten von "Service DO" (Reinigungs-, Küchen-, Sterilisations- und Entsorgungsbereich) sind dagegen auch nach einem Jahr nicht abgeschlossen.

Das ganze Jahr über, verstärkt jedoch ab September 2015, hat sich das Klinikum in der ambulanten und stationären Versorgung der hier ankommenden Flüchtlinge engagiert. Dabei waren vor allem die Zentralen Notfallambulanzen, die Frauen- und Kinderklinik sowie die Abteilung für Infektionskrankheiten am häufigsten frequentiert.

Über 10 Millionen Euro investiert

Im letzten Jahr nahm das Klinikum für 10,7 Millionen Euro Investitionen vor. Knapp 8 Millionen flossen in die Gebäude- und Medizintechnik, 1,8 Millionen kostete das Kinder-MRT, welches aber weitgehend aus Spenden finanziert wurde.

Ende 2015 begann das Klinikum mit der dringend erforderlichen Sanierung zweier unfallchirurgischer Stationen im Klinikzentrum Nord am Fredenbaum. Bis Ende des Jahres soll die erste Station saniert sein. Der Neu-und Umbau beider Stationen verschlingt 5,3 Millionen Euro.

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