Klinikum Dortmund: Umstrittener Kandidat macht einen Rückzieher

rnStreit um Arbeitsdirektor

Jens Peick (38), umstrittener Kandidat für den Posten des Arbeitsdirektors am Klinikum, hat seine Bewerbung zurückgezogen. Damit kommt er einer drohenden Abstimmungsniederlage zuvor.

Dortmund

, 16.09.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach monatelangem Hin und Her zieht Jens Peick nun die Reißleine: Er hat die Gewerkschaft Verdi wissen lassen, dass er nicht länger als Kandidat für den Stuhl des Arbeitsdirektors am Klinikum zur Verfügung steht. Nachdem man sich von einem ersten Bewerber wieder getrennt hatte, war Peick im Frühjahr 2020 von den Arbeitnehmern ins Rennen geschickt worden.

Sie haben das Vorschlagsrecht, welche Personen auf der Führungsebene kommunaler Unternehmen ihre Interessen vertreten sollen. Bislang hat die Politik die Kandidaten der Arbeitnehmer stets mitgetragen.

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Diesmal ist das anders: Die Skepsis von CDU, Grünen und FDP war von Beginn an mit Händen zu greifen. Mehrfach haben die Ratsfraktionen zu verstehen gegeben, dass sie Peick, Referent im Amt des OB und Vize der Dortmunder SPD, nicht mittragen würden.

Begründung: Peick verfüge über zu wenig Führungserfahrung mit einem 4300 Mitarbeiter großen Klinikum. Zudem benötige das Haus einen Bewerber, „der in den Themen steckt“.

Jens Peick (38)

Jens Peick (38) hat seine Kandidatur zurückgezogen. © Oliver Schaper (A)

"Entscheidung des Aufsichtsrates wird ignoriert"

Peick selbst befindet sich im Urlaub und war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Verdi-Geschäftsführer Michael Kötzing macht aus seiner Enttäuschung aber keinen Hehl: Durch die Verweigerungshaltung der Fraktionen werde „die Mitbestimmung der Arbeitnehmer(innen) bei einem für sie so zentralen Thema faktisch ausgehebelt.“

Mehr noch: Gleichzeitig werde auch der Wille des Klinikums-Aufsichtsrates ignoriert. Dessen Zustimmung hatte Peick bereits.

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Ungeachtet aller Warnungen aus den Fraktionen hatten die Mitglieder des Aufsichtsrates Peick am 26. Juni mehrheitlich zum Arbeitsdirektor bestellt. Wohl wissend, dass die endgültige Entscheidung im Rat fällt, der das letzte Wort hat.

Dort sind die Mehrheiten anders verteilt – und sie sprachen nicht für den Kandidaten. Offenbar sind seine Unterstützer davon ausgegangen, die Phalanx der „Nein-Sager“ werde sich bis zur Ratsentscheidung aufbrechen lassen.

Schreibtisch ist jetzt seit einem Jahr unbesetzt

Doch die Hoffnung trog: Peick wäre in der Sitzung am 8. Oktober wohl sehenden Auges in eine Abstimmungsniederlage gelaufen, hätte er an seiner Kandidatur festgehalten. Angesichts dessen sei sein Verzicht „mehr als nachvollziehbar“, so Verdi-Chef Kötzing. Der Schritt verdiene „großen Respekt.“ Dadurch werde die Mitbestimmung vor noch größerem Schaden bewahrt, so Kötzing.

Wie es mit der Besetzung des Arbeitsdirektorpostens weitergeht, bleibt vorläufig offen. Gut möglich, dass die Arbeitnehmer einen dritten Anlauf nehmen. Der Schreibtisch am Klinikum ist seit einem Jahr unbesetzt.

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