Klinikum unter Beschuss: Drei Witwen werfen Hygienemängel vor

DORTMUND Drei Witwen machen mobil gegen das Klinikum. Ihr Vorwurf: Ihre Ehemänner hätten sich auf der Intensivstation mit multiresistenten MRSA-Keimen angesteckt - aufgrund gravierender Hygienemängel.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 25.02.2009 / Lesedauer: 3 min
Klinikum unter Beschuss: Drei Witwen werfen Hygienemängel vor

Das Klinikum muss vor Gericht nachweisen, hygienisch alles getan zu haben, um Infektionen zu vermeiden.

Alle drei seien an den Folgen der Infektion gestorben. Die Fälle liegen fast vier Jahre zurück. Eine der Frauen, die 55-jährige Kornelia Gallas, klagt vor dem Landgericht.

Ihr Mann, ein Marathonläufer, war mit 64 Jahren am 24. August 2005 gestorben. Der Dortmunder Patientenanwalt Christian Koch vertritt die Hinterbliebene Gallas. Ihr Ehemann habe damals lebensgefährlich erkrankt auf der Intensivstation gelegen. Bei seiner Aufnahme ins Klinikum am 10. Juli 2005 sei das MRSA-Screening negativ verlaufen. Am 15. August habe man bei ihm dann MRSA nachgewiesen. Neben ihm hätten weitere Patienten gelegen.

Koch bestätigt: "Sowohl meine Mandantin als auch die anderen Witwen sowie die Tochter einer der Frauen tragen vor, die Patienten seien zwar isoliert gewesen, aber die Hygienevorschriften nicht eingehalten worden." Ein zweiter Patient war am 15. Juni 2005 negativ auf MRSA getestet worden, am 4. Juli jedoch infiziert. Er starb am 25. August. Ein dritter Patient kam am 20. Juni mit negativem Test ins Klinikum, hatte zehn Tage später den Keim und starb am 20. August.

Die Frauen sagten aus, das Pflegepersonal hätte sich weder die Hände gewaschen noch die Kittel gewechselt, bevor es die in jeweils einer Glaskabine liegenden Erkrankten behandelt habe. Auch sei ein mobiles Röntgengerät von Patient zu Patient gewandert, ohne zuvor desinfiziert worden zu sein, will die Tochter beobachtet haben, die selbst Krankenschwester ist.Klinikum-Sprecher spricht von "unhaltbaren Vorwürfen" Koch: "Die Angehörigen waren die einzigen Besucher der Patienten und negativ auf MRSA getestet worden." Sein Schluss: "Die Verstorbenen müssen sich die Infektion mit verschiedenen MRSA-Stämmen im Krankenhaus geholt haben." Für Klinikum-Sprecher Jörg Kühn sind die Vorwürfe unhaltbar und basierten auf Wahrnehmungen von Angehörigen in einer Ausnahmesituation: "Das Strafverfahren war am 13. Juni 2006 aufgrund des Sachverständigengutachtens eingestellt worden." Der mit dem Fall beauftragte Rechtsanwalt des Klinikums war für unsere Redaktion nicht erreichbar. Anhängig ist das zivilrechtliche Verfahren vor dem Landgericht. Im Zivilprozess dreht sich die Beweislast um. Danach muss nun das Klinikum nachweisen, dass es alles getan habe, um Infektionen zu vermeiden.

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