Klopapier-Rollen sind plötzlich der Renner im Backparadies

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Was macht Klopapier auf dem Verkaufstresen einer Bäckerei? Ganz einfach, es lädt zu Hamsterkäufen ein. Denn diese Toilettenpapier-Rollen kann man essen.

Schüren

, 23.03.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da müssen die Kunden schon zweimal hingucken. Neben frischem Brot und leckerem Gebäck liegen im Schürener Backparadies seit einigen Tagen auch Klopapier-Rollen auf dem Verkaufstresen. Gibt es jetzt beim Bäcker neuerdings auch Hygieneartikel?

Nein, die Corona-Krise bringt ja schon einiges durcheinander, aber so weit ist es bei Tim Kortüm doch noch nicht gekommen. Der Inhaber des Schürener Backparadieses, der nie um eine gute Idee verlegen ist, hatte vor einigen Tagen einen echten Geistesblitz.

Der Kern der Klopapier-Rolle ist aus Marmorkuchen, dann kommt eine Creme drumherum.

Der Kern der Klopapier-Rolle ist aus Marmorkuchen, dann kommt eine Creme drumherum. © Jörg Bauerfeld

„Wenn ich ehrlich bin, hat mich eine Kundin drauf gebracht“, so der Bäcker. Es ging mal wieder um Corona und die Hamsterkäufe beim Klopapier. Da fiel Tim Kortüm ein, dass im Schürener Backparadies schon mal ein Kuchen in Klopapierform die Backstube verlassen hat. „Es hatte jemand bei uns eine Torte in Form eines Hinterns bestellt“, sagt Kortüm. „Wir hatten dann die Idee, noch eine essbare Rolle Klopapier daneben zu legen.“

Seit Donnerstag (17.3.) im Angebot

Also ging es am Donnerstag, den 19. März, wieder in die Backstube, um Klopapier-Rollen herzustellen. „Wir haben erst einmal sechs Stück hergestellt“, sagt Tim Kortüm. Doch die waren in Windeseile vergriffen. Das Witzige an dem essbaren Hygieneartikel ist, dass die Rolle der echten Klopapier-Rolle zum Verwechseln ähnlich sieht.

Per Hand wird das typische Papiermuster in das Fondant gedrückt.

Per Hand wird das typische Papiermuster in das Fondant gedrückt. © Jörg Bauerfeld

Ein echter Hinkucker also, der jetzt in Schüren in die „Massenproduktion“ geht. Drei Mitarbeiter sind stundenlang damit beschäftigt, den Nachschub an Klopapier für den süßen Zahn zu befriedigen. Dabei kommt es auch auf das feine Händchen derjenigen an, die der essbaren Toilettenpapier-Rolle am Ende das originalgetreue Aussehen geben.

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Aber, aus was besteht dieser ganz besondere Kuchen? „Der Kern besteht aus ganz normalem Marmorkuchen“, sagt Tim Kortüm. „Wir hätten das natürlich auch als Torte machen können, aber wir wollten den Preis unbedingt unter 10 Euro lassen.“ Dann wird der Marmorkuchen von einer Creme ummantelt und am Ende kommt eine Schicht Fondant um das Ganze.

Die Rollen bekommen den letzten Schliff.

Die Rollen bekommen den letzten Schliff. © Jörg Bauerfeld

6,95 Euro kostet nun eine der essbaren Klopapier-Rollen – und sie gehen weg wie warme Semmeln. Mittlerweile gibt es sie auch in Mini, als Klorolle am Stiel. Die Idee hat schon jetzt weite Kreise gezogen. In den öffentlichen Netzwerken gehen die Fotos der Klopapierrollen aus der Bäckerei richtig ab.

Auch schon in Russland bekannt

Auch ins Fernsehen schaffte es das Klopapier aus Schüren schon. Und das nicht nur in Deutschland. Im polnischen und sogar im russischen Fernsehen war die Produktion der essbaren Klopapierrolle aus dem Schürener Backparadies zu sehen.

Die Klopapierrollen gibt es auch in mini. Daneben das frische Mehl, das bei den Kunden auch äußerst beliebt ist.

Die Klopapierrollen gibt es auch in mini. Daneben das frische Mehl, das bei den Kunden auch äußerst beliebt ist. © Jörg Bauerfeld

„Es ist echt krass, dass das so ankommt“, sagt Tim Kortüm. Dem Firmenchef brechen aufgrund er Corona-Krise nämlich auch haufenweise Aufträge weg. Die zahlreichen, ganz speziellen Torten für diverse Feiern sind eben im Moment nicht gefragt. Auch die Brötchen- und Kuchenplatten, mit denen das Backparadies normalerweise Firmen und allerlei Institutionen beliefert, fallen weg.

Viele Aufträge sind weggebrochen

Da kommen die Zusatz-Einnahmen durch die Klopapier-Backkunst gerade recht. Und noch ein Verkaufsschlager hilft dem Backparadies in der Krise: Mehl. „Es ist unglaublich, welche Mengen an Mehl die Kunden kaufen“, sagt Tim Kortüm. „Bei dem Mehl ist es halt so: im Supermarkt ist alles leer und wir haben noch ein großes Silo voll Mehl im Keller.“

Das Mehl ist zwar ein wenig teurer als im Supermarkt, 1 Euro kostet das Kilo, „aber es ist auch echt besseres Mehl, als das im Supermarkt“, so Kortüm. „Und die Kunden sind mega zufrieden.“ Wie zufrieden, das zeigen auch diese Zahlen. Braucht das Schürener Backparadies in einer Woche rund 150 Kilo Mehl, kaufen die Kunden bis zu 250 Kilo Mehl am Tag.

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