Knepper-Zukunft: 10.000 Fahrzeuge rollen allein über einen Autobahnanschluss

rnKraftwerksbrache Knepper

Die Bauleitplanung für das Gelände des ehemaligen Knepper-Kraftwerks nimmt Fahrt auf. Ein Verkehrsgutachten prognostiziert täglich insgesamt mehr als 13.000 Fahrzeugbewegungen.

Oestrich, Mengede

, 03.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Boden ist quasi bereitet: Die Entwicklung des knapp 60 Hektar großen Knepper-Areals an der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel nimmt Konturen an. Schon jetzt steht fest: Das geplante Industrie- und Gewerbegebiet wird sehr viel Verkehr erzeugen. Das zeigt ein Gutachten. Vor allem Logistik-Unternehmen sollen sich hier ansiedeln.

Politik und Anwohner beschäftigen schon seit mehr als zwei Jahren die Fragen: Welche Belastungen kommen auf die Anrainer und den gesamten Stadtbezirk zu? Wie lenken die Planer die Verkehrsströme?

13.000 Fahrzeuge an Werktagen

Nach der Verkehrsprognose kommt es ‚knüppeldick‘. Die Gutachter erwarten an Werktagen 3862 Lkw und 9336 Autos, die das Knepper-Gelände anfahren oder von dort abfahren. Das sind allein viermal so viele Lastzüge wie jetzt täglich nur über die Straße Königshalt fahren.

Wie Straßen.NRW auf Anfrage mitteilt, waren bei der letzten Verkehrszählung 2015 täglich insgesamt 23.671 Kraftfahrzeuge auf dem Königshalt zwischen Stadtgrenze Castrop und Mengeder Burgring unterwegs.

Grundlage für die jetzige Hochrechnung des Verkehrsaufkommens auf Knepper ist eine künftige Nutzung von 57.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche durch Gewerbe und 176.000 Quadratmetern durch Industrie und Logistik.

Lastzüge rollen nur über den Langenacker

Das Verkehrskonzept haben Stadtplaner aus Dortmund und Castrop-Rauxel zusammen mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW und dem Investor Hagedorn entwickelt. Es ist Grundlage der weiteren Planung des Areals. Am Mittwoch (5.2.) ist das Verkehrsgutachten Thema in der Bezirksvertretung Mengede, zeitgleich im Umweltausschuss, eine Woche später im Rat.

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Lastzüge sollen demzufolge komplett über den Langenacker auf Oestricher Seite und das Autobahnkreuz Castrop-Rauxel-Ost rollen. Für Autos und Kleinlastwagen besteht über die Ost- und Nierhausstraße eine Zufahrt auf das Areal. Die liegt etwa an der Stelle des früheren nördlichen Kraftwerkstores. Eine Höhenbarriere verhindert eine Zufahrt für Lastzüge.

Sperrung der Kreuzloh-Siedlung für Durchgangsverkehr

Die Planer verfolgen damit Interessen beider Städte. Dortmund möchte zusätzliche Querungsverkehre aus den nördlichen Castrop-Rauxeler Gewerbegebieten über den Deininghauser Weg und das Knepper-Gelände verhindern. Die Stadt Castrop-Rauxel will die Anrainer der Ost- und Pallasstraße von einer weiteren Lärmbelästigung durch zusätzliche Lkw-Fahrten schützen.

Knepper-Zukunft: 10.000 Fahrzeuge rollen allein über einen Autobahnanschluss

Die Siedlung Kreuzloh, hier ein Archivbild mit dem mittlerweile abgerissenen Knepper-Kraftwerk im Hintergrund, soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. © Uwe von Schirp

Auch soll eine Sperrung für den Durchgangsverkehr die Anwohner der Kreuzloh-Siedlung und auf Castroper Seite der Oestricher Straße vor weiterer Belastung schützen.

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Die Verkehrsqualität an der ohnehin schon vielbefahrenen Kreuzung Königshalt, Langenacker, Auffahrt zur A42 ist schon jetzt laut Gutachten „mangelhaft“. Auch die Abfahrt der A42 auf den Königshalt bekommt derzeit nur ein „Ausreichend“. Die Verkehrsqualität berechnen die Gutachter anhand von Wartezeiten an den Ampeln und für das Durchlassen des Gegenverkehrs.

Schon heute gibt es lange Staus

Zum Industriegebiet Knepper werden laut Prognose 2030 täglich allein 6000 Autos und 3500 Lastzüge über die Anschlussstelle Bodelschwingh rollen – das ‚natürliche‘ Verkehrswachstum eingeschlossen.

Für die morgentlichen und nachmittäglichen Stoßzeiten bedeutet das stündlich rund 500 Autos und fast 300 Lastzüge. Schon heute gibt es lange Staus an der A42-Abfahrt und auf dem Königshalt vor der Auffahrt.

Knepper-Zukunft: 10.000 Fahrzeuge rollen allein über einen Autobahnanschluss

Hinter den Bäumen entlang der Bahntrasse verläuft die Straße Langenacker. Viel Platz für deren Ausbau ist hier nicht. © Uwe von Schirp

Um diesem Verkehr Herr zu werden, sollen die Abfahrt an der Anschlussstelle Bodelschwingh sowie die Straßen Langenacker und Königshalt je drei Abbiegespuren erhalten, die Autobahnauffahrt eine zweite Spur. Laut Gutachten erreiche die Abfahrt damit eine befriedigende Verkehrsqualität, die Kreuzung Langenacker/Königshalt/Auffahrt eine ausreichende.

Allein die Prognosen dürften am Mittwoch (5.2., 16 Uhr) für intensive Diskussionen in der Bezirksvertretung sorgen.

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