Kumpel-Marsch beeindruckte Deutschland: Vor 40 Jahren schloss Kokerei Hansa

rnZeche Hansa

Im November jährt sich das Ende des Bergbaus in Huckarde zum 40. Mal. Die Zeche Hansa spielte in der Geschichte des Ruhrgebiets eine besondere Rolle.

Huckarde

, 21.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Huckarde ist einer der wenigen Stadtteile im Ruhrgebiet, dessen Bergbaugeschichte noch immer von weitem zu sehen ist. Auch 40 Jahre, nachdem die letzte Kohle gefördert wurde, ragt einer der einstmals drei Fördertürme der Zeche Hansa hoch in den Himmel.

Es war der 28. November 1980, als die Förderung in Huckarde endete. Wegen der Corona-Krise wird es keine Erinnerungsfeier oder einen Festakt geben. Nur im Schaufenster der Huckarde-Markt-Apotheke an der Rahmer Straße kann man in den nächsten Wochen eine Ausstellung zu dem Thema sehen.

Der „schwarze Freitag“ von Huckarde

Dabei verdient die Geschichte der Zeche Hansa einen besonderen Platz in der Erinnerung. Denn durch sie wurde Huckarde zum Ausgangspunkt prägender Sozialreformen für ganz Deutschland und auch die Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) nahm hier ihren Anfang.

Für Huckarde war es der „schwarze Freitag“. Am Freitag, 13. Oktober 1967, überraschte die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft die Huckarde Zechen-Belegschaft mit dem Beschluss, die Zeche zu schließen. Nicht irgendwann demnächst, sondern sofort.

Schock sorgte für Widerstand

Das passte in die Zeit. Kohle verlor an Bedeutung, Öl galt als die Energie-Quelle der Zukunft. Für die Schließung von Zechen gab es vom Staat sogar Prämien. Die Zahl der Bergleute in Dortmund hatte sich bereits halbiert.

Trotzdem war die übereilte Schließung der Zeche Hansa ein Schock, der Widerstand provozierte. Für den folgenden Samstag, 21. Oktober, wurde eine Demonstration organisiert, die in die Geschichte eingehen sollte.

Ministerpräsident sprach auf dem Huckarde Marktplatz

15.000 Kumpel marschierten an dem Tag zum Marktplatz in Huckarde. Eine Kulisse, die in ganz Deutschland Eindruck machte. Oberbürgermeister Dietrich Keuning und Ministerpräsident Heinz Kühn verliehen mit ihrer Teilnahme der Demonstration besonderes Gewicht.

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Die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft verschob nur vier Tage später die Schließung zwar, doch der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller nutzte die Situation, um einen bereits länger diskutierten Plan durchzusetzen: Die Gründung eines Einheitskonzerns für die Deutsche Kohle-Industrie.

Grundlagen für heutige Sozialpläne

Das entsprechende Gesetz ging im Mai 1968 durch den Bundestag, am 27. November 1968 wurde die Ruhrkohle AG gegründet. Für Gerhard Hendler, Gewerkschafter, Ortspolitiker und Gästeführer auf der Kokerei Hansa ist aber etwas anderes entscheidend: „Damals wurden die Grundlagen für Sozialpläne bei Entlassungen geschaffen, die noch heute gültig sind“.

Arbeitnehmer können seitdem nicht mehr einfach in Massen auf die Straße gesetzt werden. Transfer-Gesellschaften, Umschulungen, Frühverrentungen – diese sozialen Errungenschaften wurden in der Folge der Huckarder Demonstration eingeführt, so Hendler.

Letzte Chance als „Hydrogrube“

Der Betrieb auf Hansa ging weiter, doch auch der Niedergang der Kohle-Industrie. 1973 war Hansa wieder ein Schließungs-Kandidat, bekam aber wieder eine weitere Chance.

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Das Forschungsprojekt „Hydrogrube“ wurde in Huckarde gestartet. Bis 1980 versuchte man herauszufinden, wie Kohle mit Wasserdruck wirtschaftlich abgebaut werden kann. Ohne Erfolg. Die Schließung der Zeche erfolgte dann ohne Proteste.

Nach der Schließung gab es Strukturhilfe

Gerhard Hendler erinnert sich an die Gründe für diesen reibungslosen Übergang: „Huckarde hat wichtige Struktur-Hilfen bekommen. Der Bau der Gustav-Heinemann-Gesamtschule und des Revierparks Wischlingen gehören zu den Maßnahmen, die nach dem Ende der Zeche angestoßen wurden.“

Deshalb prägt die Zeche Hansa den Ortsteil Huckarde heute noch immer, obwohl es viele Menschen nicht mehr wissen. Es ist ja auch schon 40 Jahre her.

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