Kontakt zu Anis Amri: Urteil für mutmaßlichen Dortmunder Islamisten rückt näher

Terror-Verdacht

Seit über drei Jahren läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef des IS, Abu Walaa, und einen Dortmunder, der durch Anis Amri bekannt wurde. Jetzt steht ein Urteil in Aussicht.

Dortmund

, 19.01.2021, 13:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Boban S. ist wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt.

Boban S. ist wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt. Dieses Bild entstand zu Prozessbeginn im Jahr 2017. © dpa

Im seit 2017 laufenden Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, ist das Oberlandesgericht Celle um einen Abschluss des Verfahrens bemüht. Eine formale Frist für letzte Beweisanträge endet im Januar.

Im Laufe dieses Jahres sollen in dem Prozess mit bereits rund 230 Verhandlungstagen Plädoyers und Urteile folgen. Noch bis August sind aktuell Verhandlungstage terminiert, teilt Richter Dr. Rainer Derks mit.

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Dem Iraker Abu Walaa und drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt zu haben. Sie müssen sich wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz verantworten.

Unter den Angeklagten ist der Dortmunder Boban S., der unter anderem den späteren Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, in Dortmund beherbergt haben soll.

Zwei Verdächtige sind auf freien Fuß gesetzt worden

Kurz vor Weihnachten wurde die Untersuchungshaft gegen einen der Mitangeklagten aufgehoben, der seit seiner Festnahme inzwischen gut vier Jahre in Haft gesessen hat. Gegen Mahmoud O. werde eine Haftstrafe in dieser Größenordnung erwartet, und Fluchtgefahr bestehe somit nicht mehr, erklärte das Gericht.

Ein weiterer geständiger Mitangeklagter war im April zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er war kurz vor seinem Urteil auf freien Fuß gekommen, da er das Strafmaß bereits mit der Untersuchungshaft verbüßt hatte.

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Die Anklage stützte sich in dem Prozess zunächst vor allem auf einen Kronzeugen, einen jungen Mann aus Gelsenkirchen. Dieser geriet als Jugendlicher in islamistische Kreise und reiste nach seiner Schilderung mit Hilfe von Abu Walaas Netzwerk nach Syrien aus.

Später wandte er sich vom IS ab und kooperierte mit den Behörden. Als weiterer Belastungszeuge meldete sich später einer der verurteilten jugendlichen Täter des Anschlags auf einen Tempel der Sikh-Religion in Essen 2016 mit drei Verletzten. Abu Walaa habe ihm grünes Licht für diese Tat gegeben, sagte der Verurteilte vor Gericht in Celle.

Wichtige Zeugen konnten nicht aussagen

Eine weitere Schlüsselrolle für die Anklage spielten Informationen des ehemals wichtigsten V-Manns der Polizei in islamistischen Kreisen. „Murat Cem“ oder „VP01“, jahrelang ein Top-Informant der Polizei in NRW, erhielt für den Prozess aber keine Aussagegenehmigung.

Auf eine Ladung des Gerichts hin erschien er im Sommer nicht in Celle. Die Überlegung, einen im Irak inhaftierten deutschen IS-Kämpfer, der mutmaßlich von Abu Walaa radikalisiert wurde, im Irak oder per Video zu vernehmen, ließ sich ebenfalls nicht realisieren.

Mit Material von dpa

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