Die Berliner Philharmoniker spielten vor 1000 Menschen ein Konzert. Ein vergleichbares Konzept wäre auch in Dortmund möglich. © Stephan Rabold/Berliner Philharmoniker/dpa
Kultur und Corona

Konzerte bei hoher Inzidenz: Konzerthaus-Chef hält das für möglich

Konzerte besuchen trotz Pandemie und hoher Inzidenz? Der Chef einer Dortmunder Kulturstätte hält das für möglich. Erfahrungen aus Berlin machen Hoffnung – trotz Lockdown-Verlängerung.

Zwei Tage vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag (22.3.) sendeten die Berliner Philharmoniker ein Zeichen der Hoffnung an alle, die Kultur für wichtig halten. Sie spielten ein Konzert vor rund 1000 negativ getesteten Zuschauern.

Raphael von Hoensbroech, Intendant am Konzerthaus Dortmund, war an der Planung für das Modellprojekt beteiligt und am Samstag Gast in der Sharoun-Philharmonie in Berlin. „Die Stimmung war einzigartig. Es gibt mir wirklich Hoffnung, dass wir nicht falsch lagen mit unseren Bemühungen, mit der Pandemie konstruktiv umzugehen“, sagt er.

Das Konzept in Berlin enthält laut von Hoenbroech eine mehrfache Absicherung. Alle 1000 Besucher wurden vor Ort getestet. Dies galt auch für bereits geimpfte Personen. Und zusätzlich trugen alle Gäste das ganze Konzert über einen Mund-Nasen-Schutz.

Dortmunder Konzerthaus-Studie als Grundlage für Berliner Pilotprojekt

Zudem sei durch die Belüftung und die geringere Auslastung des Saals die Gefahr der Verbreitung des Virus über Aerosole auf ein Minimum reduziert. Grundlage für diese Annahme ist eine Studie, die im Januar 2021 im Konzerthaus Dortmund erstellt worden war.

„Sicherer kann man kaum zusammenkommen“, sagt der Konzerthaus-Intendant. An der Brückstraße sei ein vergleichbares Projekt aus seiner Sicht schnell umsetzbar. Ein Testzentrum befindet seit Januar im Foyer des Gebäudes. Im vergangenen Sommer war das Dortmund das erste Konzerthaus, das wieder Kultur wagte. Hinzu kommt die Aerosol-Studie.

Zum Lachen ist Konzerthaus-Intendant Raphael von Hoensbroech zurzeit eigentlich nicht zu Mute. Denn im November droht der Saal erneut leer zu bleiben. © Pascal-Amos Rest © Pascal-Amos Rest

Die zuletzt wieder steigenden Infektionszahlen verhinderten eine kurzfristige Umsetzung dieses Konzepts in Dortmund. Von Hoensbroech sagt, er habe Verständnis dafür, „dass man nicht sagen kann, dass alle Schulen schließen sollen und gleichzeitig Modellprojekte macht“.

Sind Modellprojekte bald auch in NRW möglich?

Er sieht aber angesichts der Sicherheit der bisher erprobten Konzepte zugleich die Notwendigkeit, wieder Konzerte und andere Kulturveranstaltungen zu ermöglichen.

Es sei zu vernehmen, so der Konzerthaus-Chef, dass die Möglichkeit Modellprojekte wie in Berlin über eine Ausnahmeklausel auch in die nächste Coronaschutzverordnung für NRW Eingang finden könnten.

Konzerthaus-Chef rechnet mit Konzerten im Herbst

„Im Herbst rechne ich damit, dass die meisten der geplanten Veranstaltungen stattfinden“, sagt Raphael von Hoensbroech. Die Kombination aus Impfen und Testen könne bis dahin weiterentwickelt werden. „Es gibt Möglichkeiten, auch innerhalb hoher Inzidenzen Dinge zu ermöglichen.“

Das Erste von sieben Konzerten dieser Art in Berlin habe zwei Dinge gezeigt. „Die Menschen haben eine große Sehnsucht nach Kultur. Und es gibt eine große Bereitschaft, sich auch vorher testen zu lassen.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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