Räumungsklage: Kosmetikstudio soll nach Vermieter-Wechsel plötzlich ausziehen

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Das Kosmetikstudio „Beauty Oase“ gibt es seit fast 20 Jahren. Doch dann kam die Räumungsklage, es droht die Schließung. Die Inhaberin spricht von einer „Vernichtung durch einen Miethai“.

Kley

, 22.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im April 2019 begann für Marlies Holthaus (63) ein Martyrium, an dessen Ende eine Räumungsklage steht. Am 20. Mai (Mittwoch) soll sie nun ihr Kleyer Kosmetikstudio „Beauty Oase“ vor Gericht verteidigen.

„Ob ich zur Verhandlung gehen kann, weiß ich noch nicht“, sagt die 63-Jährige. „Ich bin wegen der ganzen Situation in ärztlicher Behandlung und muss auf mich achten. Aber ich habe dem Amtsgericht alle Unterlagen zur Verfügung gestellt.“

Unterlagen, die auch der Redaktion vorliegen. Es handelt sich dabei um den Briefverkehr zwischen Marlies Holthaus und der Jöcker Kreis GbR, die das Haus an der Dorneystraße 2, in dem die „Beauty Oase“ untergebracht ist, im Februar 2019 gekauft hat.

„Ich war nach dem Vermieter-Wechsel erleichtert und sicher, dass ich den Betrieb für die nächsten Jahre in Ruhe weiterführen kann“, sagt Marlies Holthaus, die die zwei Ladenlokale ihres Studios ursprünglich ab Juli 2000 von einer Privatperson gemietet hatte.

Kunden müssen wegen Baulärm weggeschickt werden

Doch die Ruhe währte nur kurz. Im April 2019 begannen Umbauarbeiten in den Wohnungen über der „Beauty Oase“. Sowohl sie selbst als auch ihre langjährige Mitarbeiterin mussten wegen der Lautstärke wiederholt Kunden nach Hause schicken, so Marlies Holthaus.

Sie erkundigte sich daraufhin dem Briefverkehr zufolge zwei Mal bei der Jöcker Kreis GbR, ob eine bessere Terminabstimmung möglich sei. „Aber statt einer Antwort habe ich am 26. April die Kündigung erhalten“, erzählt Marlies Holthaus. „Das hat mich umgehauen – ich habe meine Miete immer pünktlich bezahlt und mir nie etwas zu Schulden kommen lassen.“

Marlies Holthaus hat zwei Ladenlokale an der Dorneystraße 2 angemietet. Dazwischen ist ein Friseurladen.

Marlies Holthaus hat zwei Ladenlokale an der Dorneystraße 2 angemietet. Dazwischen ist ein Friseurladen. © Carolin West

Schließlich sei es circa einen Monat später doch noch zu einem Gespräch mit dem Vermieter gekommen. Dabei sei ihr zu ihrer Erleichterung ein neuer Mietvertrag angeboten worden, so die Kosmetikstudio-Inhaberin.

Doch dann der Schock: Anstelle von bislang 6 Euro pro Quadratmeter soll Marlies Holthaus nun 15 Euro zahlen. „Das kann ich nicht bezahlen, ich muss ja auch von etwas leben“, sagt die 63-Jährige. „Das ist ja eine Mieterhöhung um 160 Prozent.“

Gewerbemietpreis-Spiegel liegt unter 15 Euro

Der Gewerbemietpreis-Spiegel 2019 macht keine Angaben zu Ladenlokalen in Kley. Im Zentrum des Stadtbezirks Lütgendortmund liegen die Mieten allerdings bei 8 bis 12 Euro. „Aber wir sind nicht im Zentrum und leben nur von Stammkunden. Es gibt keine Laufkundschaft“, sagt Marlies Holthaus.

Das Angebot von Marlies Holthaus, künftig 10 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen, lehnte die Jöcker Kreis GbR ab. Auf weitere Einschreiben habe der Vermieter nicht mehr reagiert, so Marlies Holthaus. Dann folgte die Räumungsklage.

Die Jöcker Kreis GbR war mit dem Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu einer Stellungnahme bereit.

„Ich habe meine Arbeit immer gerne gemacht, aber jetzt gehe ich nur noch mit Herzklopfen ins Studio“, sagt die Geschäftsfrau. „Ich wollte zwischenzeitlich alles hinschmeißen, aber das kann ich meiner Mitarbeiterin nicht antun.“

Einen neuen Standort in Kley gibt es nicht

Sie habe sich stattdessen nach einem neuen Ladenlokal umgesehen und sogar einige Monate lang Büroräume nahe des jetzigen Standortes der „Beauty Oase“ angemietet. „Aber letztlich wäre es zu schwierig gewesen, die Räume für unsere Bedürfnisse umzuwandeln. Ich habe dabei nur Geld verloren.“

In Kley sei einfach kein alternativer Standort zu finden, so Marlies Holthaus. Von ihren Stammkunden wegzuziehen sei keine Option. „Die sind ja auch alle entsetzt, was hier passiert. Es fühlt sich ja an, als würde uns ein Miethai vernichten wollen.“

Nun bleibe ihr nichts anderes übrig, als auf das Ergebnis der Verhandlung am 20. Mai zu warten.

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