Krätze-Alarm: Tausende Fälle in Dortmund

Infektionen

Krätze ist so gut wie ausgestorben? Von wegen. Die Parasiten sind hartnäckig auf dem Vormarsch. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen registriert einen massiven Anstieg der Erkrankungen. Die Kassenärztliche Vereinigung nennt für Dortmund 2016 über 1100 Krätzediagnosen im Quartal, hochgerechnet rund 4500 Fälle.

DORTMUND

, 12.01.2017, 02:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Krätze-Alarm: Tausende Fälle in Dortmund

Die Krätze gehört in vielen Hautarzt-Praxen zum Alltag. Betroffen sind Menschen aller Altersgruppen und Schichten.

Von wie vielen Infektionsfällen ist die Rede?

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe zählt für Dortmund im ersten Halbjahr 2016 4604 Diagnosen. Im Jahr 2015 waren es insgesamt 3212 Fälle, 2014 2226. Beim Dortmunder Gesundheitsamt wurden jährlich jeweils um die 200 Erkrankungsfälle gemeldet.

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?

Krätze gehört nicht zu den an sich meldepflichtigen Erkrankungen. Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen, Seniorenheime oder Erstaufnahmeeinrichtungen sind aber verpflichtet, Infektionsfälle zu melden.

Sind bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders betroffen?

Krätze kann jeder bekommen. Kinder sind laut Robert-Koch-Institut überproportional häufig betroffen. Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, ist die Verbreitung höher.

Warum wird die Krankheit oft nicht gleich erkannt?

"Krätze galt früher als Erkrankung der Verwahrlosten, heute ist es eine Erkrankung der gepflegten Haut", sagt der Dortmunder Hautarzt Dirk Eichelberg. Die Infektion laufe "äußerlich meist sehr diskret ab", das heißt, ohne die typischen Veränderungen. Man denke eher an eine Allergie oder eine leichte Neurodermitis, als an Krätze. Der Gedanke tauche oft erst dann auf, wenn beispielsweise der Ehepartner dieselben Symptome zeigt.

Wie läuft die Ansteckung?

Die Krankheit wird durch direkten Hautkontakt oder Kleidung und Bettwäsche übertragen. Ansteckungsorte sind Fitnessstudios, Hotels, Krankenhäuser oder Pflegeheime. Kinder sind besonders gefährdet – durch den engen Kontakt in Schulen und Kitas und weil ihre Haut noch weniger geschützt ist. Auch im Kaufhaus beim Anprobieren von Kleidung ist eine Ansteckung möglich. Die verläuft unbemerkt, und es kann einige Wochen dauern, bis Symptome auftreten.

Woran lässt sich ein Befall mit Krätze erkennen?

Typisch ist der klassische Juckreiz, der insbesondere im Bett drastisch zunimmt. Es können sich kleine rote Knötchen zeigen, vor allem an den Händen zwischen den Fingern, rund um den Bauchnabel, in den Armbeugen. Das Gesicht bleibt in der Regel ausgespart.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Ein äußerlich anzuwendendes Medikament wird an zwei Tagen hintereinander eingesetzt und zur Sicherheit noch einmal am siebten Tag. Möglich ist auch eine eintägige Therapie mit Tabletten.

Welche Maßnahmen müssen Betroffene noch ergreifen?

Vor allem sollten sie Kontaktpersonen informieren. Außerdem Kleidung, Bettwäsche und Handtücher bei 60 Grad waschen und alles, was nicht gewaschen werden kann, in Müllsäcke packen und eine Woche stehen lassen. Nach zwei bis drei Tagen ist die Ansteckungsgefahr gebannt. Die Empfehlung lautet aber, eine Woche lang Körperkontakte zu meiden. 

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