Kreuzviertel-Anwohner in Sorge: Wie viele Lkw verträgt ein Bomben-Blindgänger?

rnBombenverdacht

Wegen einer maroden Brücke fährt der Schwerlastverkehr von ThyssenKrupp seit Monaten eine Umleitung durch ein Wohnviertel. Ein vermuteter Blindgänger bereitet den Anwohnern jetzt Sorgen.

Kreuzviertel

, 05.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Durchfahrt tonnenschwerer Lastkraftwagen ist nervig genug für die Anlieger der Kreuzstraße. Zusätzlich bereitet ihnen jetzt ein Blindgängerverdacht große Sorge.

Die Menschen fragen sich, wie sich die Sondertransporte, die nachts die Straße erschüttern, auf eine Bombe im Untergrund auswirken. Zumal vier Schulen mit mehr als 2000 Schülern im potenziellen Gefahrenbereich liegen.

Der mögliche Blindgänger wurde bei Luftbildsauswertungen entdeckt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe hatte Fotos der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg unter die Lupe genommen, weil Donetz dort eine Baumaßnahme plant. Es ergab sich ein Verdachtspunkt an der Kreuzstraße im Bereich der dortigen Schulen.

Das Ordnungsamt teilt dazu mit, es handele sich „lediglich um einen unbestätigten Verdacht eines Bombenblindgängers (latente Gefahr)“. „Das bedeutet nicht, dass sich tatsächlich auch ein Bombenblindgänger auf dem Grundstück befinden muss.“

Kreuzviertel-Anwohner in Sorge: Wie viele Lkw verträgt ein Bomben-Blindgänger?

Nicht weit von den Schulen entfernt könnte der Blindgänger liegen. © Susanne Riese

Die Anwohner finden diese Antwort nicht wirklich beruhigend. Denn so lange der Verdachtspunkt nicht kontrolliert wurde, kann eben niemand ausschließen, dass ein gefährlicher Sprengsatz im Boden schlummert. „Man hat einfach ein Unwohlsein“, sagt Rolf Jägel. Nachbarin Jutta Falk sagt: „Es wundert mich, dass man das so auf die lange Bank schieben kann.“

Der Anlieger der Kreuzstraße haben beobachtet, dass die Wände vibrieren, wenn nachts die Sondertransporte mit Blaulicht und Begleitung durch die Straße fahren. Wie Rolf Jägel machen sich viele Nachbarn Gedanken, wie die Häuser, die Straße und ihre möglicherweise gefährliche Altlast das auf Dauer aushalten.

„Die Kreuzstraße ist ohne Beschränkung für den Allgemeingebrauch gewidmet. Im Rahmen der Straßenverkehrsordnung zugelassene Fahrzeuge dürfen die Straße befahren“, schreibt Stadtrat Arnulf Rybicki in einer umfangreichen Stellungnahme zu den vielen Fragen, die die Anwohner in der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost vorgetragen haben.

Wasserrohrbrüche werfen Fragen auf

„Mich erstaunt, dass hier von ,Allgemeingebrauch‘ die Rede ist“, sagt dazu Jutta Falk, die sich als Sprecherin der Betroffenen engagiert. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn hier 40- und 50-Tonner durchfahren und die Wände wackeln, kann das doch kein Allgemeingebrauch sein.“

Deshalb befürchten die Kreuzviertel-Bewohner auch bei zwei Wasserrohrbrüchen in jüngster Zeit einen Zusammenhang mit der Verkehrsbelastung. Die Stadt sieht allerdings keine Verbindung: „Nach Beurteilung der Verwaltung liegt der Grund der Rohrbrüche darin, dass es sich hierbei um sehr alte, duktile Graugussleitungen handelt, welche schon seit einigen Jahren auf Grund ihres altersbedingten Zustandes von Ausfallerscheinungen betroffen sind.“

Blindgänger-Untersuchung soll erst nach dem Winter laufen

In Sachen Bombenverdacht stellt die Verwaltung keinen akuten Handlungsbedarf fest: „So lange nicht gegraben wird, ist dort nicht mit einer Gefahr zu rechnen“, sagt Ursula Kissel von der Bezirksregierung Arnsberg auf Nachfrage.

Ende Oktober hatten sich das Tiefbau- und Ordnungsamt der Stadt mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Arnsberg vor Ort getroffen, um sich ein Bild zu machen und über die Vorgehensweise zu beraten.

Die Behörden haben schließlich die Überprüfung des Blindgängerverdachts für April 2020 terminiert.

„Da die Baumaßnahme der Dortmunder Netz GmbH (...) noch nicht begonnen hat, wurde aufgrund des bevorstehenden Winters und der daraus resultierenden Gefahr, dass es durch möglichen Frost bei der Öffnung der Straße zu Beschädigungen an den dort vorhandenen Leitungen kommt, von einer zeitnahen Überprüfung abgesehen“, heißt es in der Begründung.

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Wie lange die belastende Dauerumleitung für den Verkehr von und zu ThyssenKrupp Rothe Erde noch anhalten wird, ist nicht absehbar.

Schuld an der ganzen Misere ist eine marode Brücke an der Langen Straße, von der niemand genau sagen kann, wie viel Gewicht sie tragen kann. Deshalb wurde das Bauwerk vor mehr als einem Jahr vorsichtshalber für Lkw über 16 Tonnen gesperrt.

Für eine genauere Überprüfung der Traglast müsste der Bahnverkehr, der unter der Brücke durchführt, vorübergehend stillgelegt werden. Dafür Sperrpausen bei der DB zu erwirken, stellt sich als schwierig dar.

Die Hoffnung der Anwohner, ihnen könnte in diesem Punkt zur Abwechslung ein Blindgänger helfen, haben sich zerschlagen. Sie hatten gehofft, dass die Begutachtung der Brücken-Unterseite während der für Januar 2020 geplanten Räumung der Bombe im Klinikviertel laufen könnte, wenn ohnehin alles gesperrt bleiben muss.

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Wie das Ordnungsamt mitteilt, gehört aber die Gleisanlage in dem Bereich nicht zum Evakuierungsraum. Die Brücke liege etwa 1000 Meter abseits des Sicherheitsradius‘.

Damit hängt also zunächst wieder alles Weitere von den betrieblichen Sperrpausen der DB ab. Im Januar soll es dazu ein nächstes Gespräch zwischen Tiefbauamt, Gutachtern und Bahn geben.

Die Anwohner sehen es positiv, dass sich überhaupt etwas tut. Rolf Jägel: „Wichtig ist, dass etwas passiert.“

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