Kriegsartige Szenen beschäftigen Nordstadt-Bewohner noch immer

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Jeder war plötzlich verdächtig: Starke Polizeipräsenz bei der ersten „Strategischen Fahndung“ in der Nordstadt war Folge einer Massenschlägerei. So haben Anwohner den Ausnahmezustand erlebt.

Dortmund

, 26.07.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Pfingstmontag (10. Juni) war ein Streit im Drogenmilieu eskaliert, rund 80 Menschen lieferten sich eine Massenschlägerei. Anwohner berichteten von Szene „wie im Krieg“. Die Polizei hatte mit dem Instrument der strategischen Fahndung, also anlasslosen Fahrzeug- und Personenkontrollen, geantwortet – eine Premiere in der Nordstad. Am 17. Juli war die Maßnahme für beendet erklärt worden – mit einer positiven Bilanz aus Sicht der Polizei.

Die Schleswiger Straße liegt wenige Tage danach so ruhig in der Sommerhitze, wie das auch an den meisten anderen Tagen im Jahr ist. Denn es gibt zwar eine offene Drogenszene und andere kriminelle Handlungen. Aber die Massen-Eskalation, bei der ein Molotow-Cocktail geworfen wurde, hat auch hier in ihrer Brutalität die Menschen erschreckt. Sie ist immer noch Gesprächsthema im Supermarkt, am Kiosk oder in den Cafés.

Effektiv oder Sommerferien-Effekt?

Kurzfristig, so berichtet Bewohner Hakan C., habe sich etwas bewegt. „Der Drogenhandel auf dem Spielplatz hat sich gelegt.“ In den vier Wochen verstärkter Polizeikontrollen sei es ruhig geblieben. „Aber ich weiß nicht, ob es nicht vielleicht auch an den Sommerferien liegt und viele Leute aus der Szene gerade nicht da sind. In der kurzen Zeit kann man nicht viel dazu sagen.“ In einem Haus an der Schleswiger Straße werde weiter Drogen-Konsum und womöglich auch -Handel betrieben.

„Die Kontrollen waren spürbar“, sagt er über die vergangenen Wochen, in denen viele Polizeibeamte in der Nordstadt unterwegs waren. Es habe auch Menschen aus dem Viertel gegeben, die sich vorverurteilt und zu Unrecht verdächtigt fühlten. Im Juni hatte ein Kriminologe Kritik an den „Schwarzkopf-Kontrollen“ der Polizei geäußert.

In dem auf vier Wochen begrenzten Sondereinsatz wurden insgesamt 1723 Personen an 506 Kontrollorten überprüft. Dabei gab es unter anderem 21 Haftbefehle, 187 Strafanzeigen, 98 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und

128 Verkehrsdelikte.

Anwohner wünschen sich ein langfristiges Konzept

„Wenn sich etwas verbessern soll, dann muss es so etwas geben“, findet Hakan C. Politische Lösungen für das Problem wünschen sich Bewohner und Geschäftsleute aus der Nordstadt ohnehin schon lange.

Die Polizei setzt derweil ihre Sicherheitsstrategie für die Nordstadt fort. Die Videoüberwachung der Münsterstraße soll 2020 starten. Rund um die Schleswiger Straße seien weiterhin verstärkt Polizeistreifen zu sehen. Der Ermittlungen zu der Massenschlägerei am 10. Juni laufen noch.

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