Kritik an der Stadt nach Absage an Islamkritiker

Auftritt bei Diskussionsveranstaltung

Ganz kurzfristig sagte die Stadt Dortmund am Donnerstag einen Auftritt des Islamkritikers und Publizisten Hamed Abdel-Samad ab. Jetzt hat er sich über Facebook zu der Absage geäußert - und auch die CDU hat erklärt, was sie von der Aktion hält und fordert die Stadt auf, sich zu den Gründen zu äußern.

DORTMUND

, 17.09.2016, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kritik an der Stadt nach Absage an Islamkritiker

Islamkritiker Hamed Abdel-Samad.

Die Zweifel, heißt es, tauchten am Mittwoch auf. Am Donnerstag dann entschied sich die Dortmunder Stadtspitze, eine Diskussionsveranstaltung mit dem islamkritischen Publizisten Hamed Abdel-Samad im Dietrich-Keuning-Haus abzusagen. Offiziell aus „organisatorischen Gründen“. Für diese Absage erntet die Stadt jetzt harsche Kritik. Von Abdel-Samad selber. Und auch die CDU bezeichnet die Entscheidung als „nicht hinnehmbar“.

Abdel-Samad ist ein streitbarer Geist, er meldete sich am frühen Freitagabend auf Facebook zu Wort: „Feige und charakterlos“ nennt er die Absage der Diskussionsveranstaltung, die ursprünglich am 23. September im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) geplant war. Dort hätte der deutsch-ägyptische Politologe nach einem kurzen Impulsvortrag gemeinsam mit dem Moderator Aladin El-Mafaalani (Professor für Politikwissenschaft in Münster) und dem Publikum diskutieren sollen.

Unter Schutz des BKA

Die Veranstaltung, schreibt Abdel-Samad, sei ohne Angaben von Gründen abgesagt worden. „Man kann sich hinter der undeutlichen Formulierung „Sicherheitsbedenken“ verstecken, aber das ist unzutreffend. Denn für meinen Schutz sind das BKA und der Staatsschutz zuständig, und von deren Seite gab es keine Bedenken.“ Sieben LKA-Beamte wären nach unseren Informationen zusätzlich zum Schutz von Abdel-Samad neben der örtlichen Polizei, dem Staatsschutz und dem Keuning-Haus-eigenen Sicherheitspersonal im Einsatz gewesen.

Das Abdel-Samad Polizeischutz nötig gehabt hätte, ist unbestritten: Gegen ihn existieren seit 2013 nach einem Vortrag in Ägypten Mordaufrufe, in seinem letzten, 2015 erschienenen Buch attackiert er den Propheten Mohammed. Doch Abdel-Samad wäre nicht der erste Diskussionsgast in der sechsteiligen Diskussionsreihe gewesen, der besonderen Schutz bedurft hätte. Und so vermutet der Autor „eher eine politische Intention hinter der Absage“.

Ähnlich sieht das die CDU-Fraktion Innenstadt Nord. Laut deren Sprecher Dorian Marius Vornweg entstehe der Eindruck, dass der Autor aufgrund seiner streitbaren Positionen in Dortmund, mindestens aber in den hiesigen städtischen Einrichtungen, nicht erwünscht sei. Und weiter: „Die Stadt Dortmund kann nicht einerseits die Salafistenstände in der Innenstadt klaglos hinnehmen, andererseits aber einen islamismuskritischen Gast unter fadenscheinigen Begründungen ausladen.“ Noch härter fällt das Urteil des Autors aus: „Eine Stadt, die die Hasspredigten der Salafisten duldet, aber ein paar kritische Thesen zum Islam nicht aushält, gibt sich selbst freiwillig auf!“

Zuspruch aus dem rechten populistischen Lager

Tatsächlich waren es nach Informationen unserer Redaktion nicht die Sicherheitsbedenken, die zu der Absage geführt hatten. Abdel-Samad hatte mit seinen „paar kritischen Thesen“ zum Islamismus Beifall aus dem rechten politischen Lager bekommen und war auch Redner bei AfD-Veranstaltungen, mindestens bei einer kam es zu Tumulten. Die Sorge, die im Rathaus offenbar herrschte, war, eine Veranstaltung durchzuführen und schützen zu müssen, bei der man letztlich nicht wusste, wer sie als Bühne nützen würde: Neben Islamisten vielleicht auch Rechte und Linke. Diese Situation führte offenbar letztlich zu der Absage.

Für Abdel-Samad ist das ein Wiederholungsfall, bereits vor zwei Jahren sei er ins Dortmunder Rathaus eingeladen gewesen, um dort vor einem CDU-Arbeitskreis eines seiner Bücher vorzustellen. Zwei Tage vorher sei diese Veranstaltung abgesagt worden.

Die CDU ihrerseits erwartet, dass sich „die Verantwortlichen zu den tatsächlichen Gründen der (jetzt erfolgten) kurzfristigen Absage erklären und die Veranstaltung schnellstmöglich nachholen. Auch auf der Internetseite der Stadt Dortmund heißt es, „das Dietrich-Keuning-Haus bemüht sich, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt anzubieten“. Ob es dazu kommt, ist unklar. Abdel-Samad müsste das eigentlich befürworten, in seinem letzten Absatz schreibt er: „Ein Land das die Islamkritik aus Angst vor Islamisten oder aus Angst vor dem Erstarken der Rechten abwürgt, kniet sowohl vor Islamisten als auch vor Rechtsradikalen nieder. Wenn diese Debatte nicht in der Mitte der Gesellschaft stattfindet, darf man sich nicht wundern, dass sie von den Rändern besetzt wird!“

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