Künstler aus Dortmund verteilt 1000 Pfeifenputzermännchen in der ganzen Welt

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Ein Dortmunder Streetart-Künstler haucht kleinen Männchen aus Pfeifenputzern Leben ein. Er selbst bleibt ein Phantom ohne Gesicht und riskiert es, für seine Kunst erwischt zu werden.

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, 30.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weltweit stehen, sitzen oder hängen mittlerweile bis zu 8000 Pfeifenputzermännchen mit unterschiedlichen Gesten an verschiedenen Ort. Alleine in Dortmund sind es gut 3000. Wer sie macht, weiß allerdings niemand.

Die Person ist wie ein Phantom, ohne Geschlecht* und ebenso mysteriös wie die kleinen, sogenannten „Striped Guys“ auch. „Die Idee kam mir 2010 in Paris, als ich in der Metro einen Space Invader an der Wand sah und sofort lächeln musste. Da war mir klar, dass ich auch etwas machen möchte, was die Menschen zum Lächeln bringt“, erklärt der Dortmunder.

Künstler aus Dortmund verteilt 1000 Pfeifenputzermännchen in der ganzen Welt

Das sind nur einige Beispiele für die vielen unterschiedlichen „Striped Guys“, die immer eine Bedeutung oder Message haben. © Didi Stahlschmidt

Das kleine Pariser Kunstwerk der Streetart-Ikone „Invader“ hat sein Leben verändert und bis heute auch seine Umwelt. Da er früher schon aus den Drähten der Sektkorken alles Mögliche baute und Pfeifenraucher war, lag die Idee der Pfeifenputzer recht nah.

Immer wieder neue Formen und Ideen

Die ersten Prototypen formte er zuhause bis dann im November 2011 der erste „Striped Guy“ im damaligen Club Suite023 öffentlich platziert wurde. Im Gegensatz zu den heutigen Männchen war der erste noch recht einfach gebaut.

„Ich bin bis heute überrascht, wie sich die Formen und Gesten weiter entwickeln, verändern und immer wieder neue entstehen“, so der Künstler Striped Guy.

Künstler aus Dortmund verteilt 1000 Pfeifenputzermännchen in der ganzen Welt

Im Jahr 2015 stellte der französische Künstler „Invader“ in Hong Kong seine Bilder aus. Dieser Künstler inspirierte den Dortmunder, der die Pfeifenputzermännchen erstellt. © dpa

So hatten die ersten Männchen noch keine Füße und einen einfachen Kopf. Heute gibt es Hunderte unterschiedliche Formen, Posen oder Gesten, teils sogar mit Gegenständen oder gesellschaftlichen Aussagen. So hat der Bademeister einen roten Rettungsreifen in der Hand, der Angler eine Angel und der Denker sitzt in der Denkerpose.

Keiner weiß bekommt das Platzieren mit

„Heute brauche ich etwa 25 Sekunden, um einen Striped Guy zu formen und kann das auch im Dunkeln. Anfänglich musste ich dazu sitzen und es dauerte gut zwei Minuten", erklärt er.

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Oftmals inspirieren ihn Orte zu besonderen Formen und immer ist das Vorgehen gleich: der Striped Guy wird in Windeseile geformt und ohne dass es jemand mitbekommt platziert. „Gelegentlich habe ich eine Idee und eine Geschichte zur Form und suche mir dann den passenden Ort“, sagt er. Und dies geschieht weltweit und bisher in mehr als 30 Ländern. Auf allen Kontinenten sind die Striped Guys vertreten.

In den Arabischen Emiraten wurde der Künstler fast erwischt

In den Arabischen Emiraten musste er sehr aufpassen, um nicht erwischt und bestraft zu werden, in England wurde er erwischt und nahm den eigens geformten, schottischen Striped Guy wieder mit zurück.

Die kleinen, unscheinbaren Männchen hängen in Dortmund an Schildern, Häusern, in Galerien oder Gastronomien, werden bei Besuchen in Firmen platziert, im öffentlichen Raum oder in U-Bahnen versteckt.

Künstler aus Dortmund verteilt 1000 Pfeifenputzermännchen in der ganzen Welt

Ein Pfeifenputzermännchen hängt an einer Lampe im Schiller 37, dem Kultursalon in der Schillerstraße 37 am Hafen. © Didi Stahlschmidt

„Oftmals sehe ich nach Jahren meine Striped Guys wieder und freue mich sehr darüber. Oder ich bestücke den Ort nach, wenn sie adoptiert worden sind“, sagt er. Denn gelegentlich werden die Männchen als Andenken oder Kunstwerk auch mitgenommen – was für den Macher okay ist, denn so wird „auch das Lächeln beim Betrachten weitergereicht“.

Menschen sollen über die Männchen schmunzeln

Beeindruckend bleibt bis heute, dass die kleinen Pfeifenputzermännchen Emotionen ausstrahlen, einen anschauen oder zu etwas auffordern. Mal sind sie nachdenklich, mal wütend oder traurig, dann wieder lustig oder frech und böse. Zudem interagieren sie oftmals mit ihren Orten, sodass „der Pinkler“ am Türsims einer Toilette hängt und der Bademeister einem am Hafen zuwinkt.

„Ich möchte dazu beitragen, dass die Welt zu einem liebevolleren Ort wird. Und es geht darum, den Menschen, die die Striped Guys entdecken, eine Freude zu machen“, hält er fest. Für die Zukunft gibt es Überlegungen, mal eine Massenszene zu setzen oder auch einen Stop-Motion-Film mit den lustigen Jungs zu machen.

**Darum verwenden wir in diesem Text einfachheitshalber das generische Maskulinum.

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