Kunstschätze der Stadt Dortmund verschwunden

Über 600 Bilder und Skulpturen

Skandal um verschwundene Kunstwerke aus städtischem Besitz: Allein dem Kunstarchiv der Stadt Dortmund fehlen 528 Arbeiten, im Museum Ostwall im Dortmunder U sind 111 Gemälde und Skulpturen nicht mehr auffindbar. Und die Stadt versucht, das Thema herunterzuspielen.

DORTMUND

, 02.06.2017, 03:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kunstwerke aus dem Besitz der Stadt Dortmund sind in hoher Zahl verschwunden. Die offiziellen Stellen auch im Rathaus versuchen, das Thema herunterzuspielen.

Kunstwerke aus dem Besitz der Stadt Dortmund sind in hoher Zahl verschwunden. Die offiziellen Stellen auch im Rathaus versuchen, das Thema herunterzuspielen.

Recherchen dieser Redaktion haben das Ausmaß des Themas erst aufgedeckt. Die oben genannten Zahlen gehen aus Unterlagen hervor, die der Redaktion vorliegen. 

Die offiziellen Vertreter der Stadt versuchen seit Monaten, das Thema herunterzuspielen und das Ausmaß zu verschleiern. Ausgelöst wurde es durch einen Wirtschaftsprüfer, der Anfang 2016 die Zahlen des städtischen Kunstbetriebs unter die Lupe nahm. Stichprobenweise wollte er einige Kunstwerke sehen, die in den Dateien der Kulturbetriebe auf der Haben-Seite gebucht worden waren – doch gleich mehrere der angeforderten Werke waren nicht auffindbar.

Gesamtinventur deckte weiteres Fehlen auf

Der Wirtschaftsprüfer drohte daher damit, den notwendigen Prüfungsvermerk, dass in der städtischen Buchführung für das Jahr 2015 alles in Ordnung sei, zu verweigern. In aller Hektik wurde daraufhin eine Gesamtinventur in den städtischen Kulturbetrieben angeordnet. Dabei kam die hohe Zahl an verschwundenen Kunstwerken ans Licht.

Offizielle Stellungnahmen verschweigen Größenordnung des Falls

Öffentlich leugneten sowohl Kurt Eichler, der Chef der städtischen Kulturbetriebe, als auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau, dass es eine Drohung des Wirtschaftsprüfers gegeben hat. Unserer Redaktion liegen allerdings interne E-Mails und Protokolle vor, die das Gegenteil beweisen. In den öffentlichen Stellungnahmen der Stadt zu dem Vorgang wurde bisher auch die Größenordnung der Zahl der verschwundenen Bilder verschwiegen – die aus dem Museum Ostwall abhandengekommenen Werke wurden sogar komplett unterschlagen.

Kurt Eichler spielte den Verlust von mehr als 600 Kunstwerken und den geschätzten Schaden in mindestens sechsstelliger Höhe herunter: „Es kann mal was wegkommen, aber das ist kein Massenphänomen."

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