Kurioses Hobby: Ein Obernetter und ein LWL-Fotograf kartieren Standorte von Grubenwagen

rnRevierfolklore

Es ist ein kurioses Hobby: Ein ehemaliger Fotograf des LWL-Museums Zeche Zollern knipst und kartiert die Standorte ehemaliger Bergbau-Loren. Unterstützung bekommt er dabei von einem Obernetter.

Mengede, Bövinghausen

, 26.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Revierfolklore“ ist eine Ausstellung betitelt, die am Freitag (28.2.) im LWL-Industriemuseum Zollern öffnet. Die Erinnerung an den Bergbau im Ruhrgebiet lebt darin fort. Zu sehen sind auch 1100 Bergbauloren, die in Gärten, an Werkstoren oder auf öffentlichen Plätzen stehen.

Martin Holtappels „sammelt“ und kartiert sie. Und bekommt dabei Unterstützung aus Obernette. 1092 schwarze Marker zeigt eine Karte bei „Google Maps“. Jeder steht für eine Bergbaulore – bergmännisch exakt muss es heißen: Grubenwagen. Dicht sind die Standorte vor allem im Ruhrgebiet. Elf von zwölf Loren im Stadtbezirk Mengede entdeckte Jürgen Utecht.

Sie stehen etwa vor dem Bergbaumuseum BUV Kleinzeche Max Rehfeld auf dem Hansemanngelände, an der Wache der Freiwilligen Feuerwehr Nette oder an der Schopenhauer-Grundschule.

Standorte-Finden ist wie ein Sport

„Ich bin über einen Freund an die Thematik gekommen“, erzählt der Obernetter. „Ich komme so viel rum. Bei Radtouren mache ich Fotos und schicke sie mit den Standorten an Martin Holtappels.“ Insgesamt 30 Standorte hat der 55-Jährige bislang zu der Sammlung beigetragen.

Utecht ist in seiner Freizeit nicht nur Bezirksvertreter der Grünen, sondern interessiert sich für Eisenbahn- und Lokalgeschichte. Nun auch für die Loren als Teil der Bergbau-Vergangenheit. „Plötzlich nimmst du sie bewusst wahr.“ Ein Spleen? „Der Mensch ist Jäger und Sammler“, sagt er und lacht. „Ich sehe das wie einen Sport, ähnlich Geo-Caching.“

Viele Grubenwagen stehen in Kleingartenanlagen, wie hier an der Haberlandstraße.

Viele Grubenwagen stehen in Kleingartenanlagen, wie hier an der Haberlandstraße. © Uwe von Schirp

Mittlerweile bekommt er Hinweise aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Eine ehemalige Mitschülerin machte ihn auf einen Standort im Nachbargarten in der Bodelschwingher Pastorensiedlung aufmerksam. „In solch einer verkehrsberuhigten Siedlung fällt der kaum auf“, sagt Jürgen Utecht.

Initiator erlebt das Ruhrgebiet kleinteilig

Beim Fotografieren komme er häufig mit den Anwohnern ins Gespräch. „Sie sind erstaunt, dass andere an ihrem persönlichen Hobby Anteil haben“, erzählt der Obernetter.

Eine Erfahrung, die auch der Initiator der kuriosen Kartierung macht.

„Seitdem ich das mache, erlebe ich das Ruhrgebiet so kleinteilig wie 28 Jahre vorher nicht“, erzählt Martin Holtappels im Gespräch mit dieser Redaktion. Denn der Münsteraner kam beruflich zu dem Projekt. 2017 war er noch Fotograf für die LWL-Industriemuseen.

Martin Holtappels, ehemaliger Fotofgraf des LWL-Industriemuseums, fotografiert seit 2017 Grubenwagen in ganz NRW.

Martin Holtappels, ehemaliger Fotofgraf des LWL-Industriemuseums, fotografiert seit 2017 Grubenwagen in ganz NRW. © Tobias Weckenbrock

Damals erhielt er den Auftrag, für das Debüt der Ausstellung „Revierfolklore“ auf der Bochumer Zeche Hannover Grubenwagen zu fotografieren. Das Thema „packte“ ihn – und ließ ihn auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand nicht mehr los. Aus den 660 Fotos und Standorten bei der Premiere 2018 sind mittlerweile fast doppelt so viele geworden. Und die Sammlung wächst ständig.

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„Letzte Woche hat mir ein Castroper eine E-Mail geschickt“, erzählt Martin Holtappels. In der Mail: 250 Standorte in Bochum, Castrop-Rauxel und Dortmund. „Ich habe die Liste mit meiner abgeglichen. Von 87 wusste ich bis dahin noch nichts.“

Treffen zur Ausstellungseröffnung

150 Standorte sind dem ehemaligen LWL-Fotografen zwar bekannt. Er hat sie aber noch nicht fotografiert und kartiert. „Inzwischen ist das mein Hobby“, sagt er. „Ich hänge das Projekt noch lange nicht an den Nagel.“

Auch Jürgen Utecht nicht: „Mein Ehrgeiz ist es, im Stadtbezirk alle Loren zu finden, die wir hier haben.“ Holtappels und Utecht kennen sich bislang nur per E-Mail, Telefon und WhatsApp. Das soll sich ändern: Für die Ausstellungseröffnung „Revierfolklore. Zwischen Heimatstolz und Kommerz“ am Freitagabend im Industriemuseum Zeche Zollern II/IV (Grubenweg 5) haben sie sich verabredet.

In der Ausstellung geht es nicht nur um die vielen Loren. Auch Schlägel und Eisen als Schlüsselanhänger, Ruhrpott-Schriftzüge auf T-Shirts und vieles mehr zeigt sie. Der Eintritt zur Eröffnungsveranstaltung von 18 bis 21 Uhr ist frei.

Sie kennen weitere Standorte?

Sie kennen den Standort eines weiteren Grubenwagens, der noch nicht auf der Karte zu finden ist? Oder es steht gar einer vor ihrer eigenen Haustür oder im Garten? Dann helfen Sie mit, diese einmalige Sammlung der Bergbau-Geschichte zu vervollständigen. Schicken Sie dazu einfach eine E-Mail mit dem genauen Standort an do-west@lensingmedia.de
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