Der verrückte Weg zum Kastrationsgipfel für Katzen - und was dahinter steckt

rnLach- und Sachgeschichte

Im Streit um eine Katzenkastrationspflicht in Dortmund hatte der Oberbürgermeister zum Kastrationsgipfel geladen. Der Weg zum Showdown ist kurios – hier erzählt nach dem Vorbild der WDR-„Maus“.

Dortmund

, 05.11.2019, 10:47 Uhr / Lesedauer: 1 min

In mehr als 700 deutschen Städten müssen Katzenbesitzer ihre freilaufenden Katzen kastrieren lassen. In Dortmund aber spielt die Verwaltung mit den Tierschützern und der Politik Katz und Maus, schleicht immer wieder um den heißen Brei und krallt sich an Ausreden fest.

Und die Bürger klagen wieder: „Das versteht doch keiner mehr!“ Dabei ist die Lösung nur einen Katzensprung entfernt, erklärt RN-Redakteurin Gaby Kolle nach dem Vorbild der bekannten WDR-Maus.

Der verrückte Weg zum Kastrationsgipfel für Katzen - und was dahinter steckt

Das ist die Erika. Sie ist Dortmunds oberste Tierschützerin. Und das seit 36 Jahren. Erika hat Haare auf den Zähnen, die sie gern mal zeigt. Deshalb wird sie auch Terrier des Dortmunder Tierschutzes genannt. ©

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Zurzeit ist Erika besonders bissig. Am liebsten würde sie den Norbert und die Beate beißen. Der Norbert ist der oberste Chef für Recht und Ordnung in der Stadt und die Beate die zweitoberste Chefin. ©

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Die Erika ist deshalb so sauer auf die beiden, weil die nicht wollen, dass Katzenbesitzer ihre freilaufenden Katzen und Kater kastrieren lassen müssen. Ihr versteht nicht, was kastrieren ist? Macht nichts, fragt eure Eltern. Oder Lehrer. ©

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Okay ich sag’s euch doch. Kastrierte Katzen können keine Katzenbabys mehr machen und bekommen. Nicht, dass ihr nun glaubt, dass die Erika keine Katzenbabys mag. Schließlich findet die jeder süß. Aber wenn sie im Elend leben müssen, weil sich keiner um sie kümmert und sie immer mehr werden, ist Schluss mit süß. Und das passiert, wenn nicht kastrierte Hauskater auf frei lebende Katzen treffen. Deshalb will die Erika, dass die Stadt von den Katzenbesitzern verlangt, dass sie ihre freilaufenden Hauskatzen kastrieren lassen. ©

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Und die Erika ist da nicht allein: Der Michael und die Daniela vom Dortmunder Katzenschutzverein wollen das auch. Deshalb haben sie wie die Erika versucht, für Dortmund eine Katzenschutzverordnung zu erreichen. Die Erika sogar schon vier Mal, in Zahlen 4 Mal. Klingt komisch, ist aber so. ©

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Denn der Norbert und die Beate stellen sich quer. Immer wieder, wenn die Erika, der Michael und die Daniela die Politiker der Stadt bitten, solch eine Katzenschutzverordnung zu beschließen, sagt der Norbert: „Das geht nicht.“ Man könne Katzenhaltern nicht solche Vorschriften machen und kontrollieren könne man das auch nicht. ©

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Der Dirk, ein SPD-Politiker in Dortmund, hat zum Norbert und zu der Beate gesagt, dass die Leute, die einfach wild in der Landschaft herumpinkeln, meistens auch nicht kontrolliert werden. Und für die sind der Norbert und die Beate schließlich auch zuständig; denn wildes Pinkeln ist verboten. Aber das sehen der Norbert und die Beate wohl nicht so eng. Denn sie wollen auch den Wildpinklern nicht gleich — schnipp, schnapp — den Schniedel abschneiden. ©

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Mehr als 700 andere deutsche Städte haben zwar nicht mehr frei lebende Katzen als Dortmund, doch sie haben eine Katzenschutzverordnung. Der Norbert und die Beate haben immer nur Ausreden. ©

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Selbst als der Michael und die Daniela vor einem Jahr Zahlen vorgelegt haben, dass es doch schlimm genug für eine Katzenschutzverordnung ist. 15.000 wild lebende Katzen soll es in Dortmund geben. ©

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Da hat der Dirk – als SPD-Politiker weiß er, was Leid bedeutet – da hat der Dirk laut zum Norbert und der Beate gesagt: „Macht das Dingen fertig. Was woanders funktioniert, muss auch hier funktionieren.“ Klingt gut, ne? Das haben auch alle anderen Politiker gedacht, die für Ordnung zuständig sind, und zugestimmt, sogar die CDU. Schließlich müssen die Politiker dem Norbert und der Beate bei solchen Entscheidungen sagen, wie die Katze, äh der Hase läuft. ©

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Daraufhin haben der Norbert und die Beate wohl gedacht, die Politiker könnten ihnen den Katzenbuckel runterrutschen. Gesagt haben sie aber, sie würden eine Katzenschutzverordnung machen. Vorher müssten sie aber noch mal neue Zahlen über das Katzenelend haben, und die sollten der Michael und die Daniela vorlegen. ©

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Das haben die beiden auch gemacht, zusammen mit vielen anderen vom Katzenschutzverein. Ein Jahr lang haben sie frei lebende Katzen eingefangen, 270 an der Zahl, und für jede Katze einen langen Fragenbogen ausgefüllt: Wie viele Schnurrhaare sie hat, ob sie lieber Bio – also Mäuse – oder aus der Dose frisst, und wie oft sie miaut. . . Jedenfalls so ungefähr waren die Fragen. ©

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Das Ergebnis: Mehr als der Hälfte der eingefangenen Katzen ging es richtig schlecht. Und was haben da der Norbert und die Beate gesagt: „Wenn die Katzenschützer nicht so gute Arbeit leisten würden, wären es noch viel mehr Katzen, denen es schlecht geht.“ Aber weil es eben nicht so viele sind, braucht Dortmund auch keine Katzenschutzverordnung. Fertig. Wieder alles für die Katz. Und was macht die Erika? Die fletscht nicht nur die Zähne, sondern wetzt auch die Krallen und schimpft: „Wir machen uns in ganz Deutschland lächerlich.“ Nun ja, der sollten der Norbert und die Beate jetzt besser nicht über den Weg laufen. ©

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Werden sie aber bald, weil der Ulli die Kastrationspflicht zur Chefsache gemacht hat. Ihr wisst nicht, wer der Ulli ist? Das ist unser Oberbürgermeister, also der Chef der Stadt. Er möchte nun den Norbert und die Erika zusammenbringen. Sozusagen ein Katzenkastrationsgipfel. Parshippen nennt der Ulli das. Glaubt ihr nicht? Ist aber so. Ullis Masterplan zur Katzenkastrationspflicht. ©

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Also in ein paar Tagen soll es zum Showdown im Oberbürgermeisterbüro kommen. Eine Mission Impossible. Könnte man meinen - wenn die Erika nicht vorab heimlich, still und leise in Norberts Büro geschlichen wäre. Der Norbert hat die Erika dann mit seinem ganzen Charme zum Schnurren gebracht. Er hat ihr von seiner Katze erzählt und ihr Geld geboten, mit dem alle Katzen in der Stadt kastriert werden können. Gut nicht alle, aber ein paar. Und die Erika hat dann nicht mehr gebellt, sondern Miau gesagt und die Katze im Sack gekauft. Zumindest auf Probe. ©

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Denn der Ulli sagt beim Kastrationsgipfel wahrscheinlich, dass er erst mal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben will. Mal sehen, ob sich die Katze am Ende wieder in den Schwanz beißt... ©

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