Läden auf: So lief der erste Einkaufssamstag in der Dortmunder City

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Die kleinen Geschäfte sind wieder offen, die Sonne scheint. Auf zum Shoppingbummel auf den Westenhellweg! Oder nicht? Ein Bummel zeigt, wie die Dortmunder mit der neuen Freiheit umgehen.

Dortmund

, 25.04.2020, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Abstand, den man braucht, um sich wohlzufühlen, hängt sehr davon ab, wer einem zu Nahe kommt. Die Toleranzen reichen von körperlicher Nähe bis, naja, vielleicht zum Nordpol. Der Abstand, der in Zeiten von Corona geboten ist, beträgt 1,50 Meter. Nur so lässt sich laut Experten das Ansteckungsrisiko mit dem Virus minimieren. Doch wenn alle in die Dortmunder City strömen, um einzukaufen, ist es dann noch möglich, die geforderte Distanz einzuhalten?

Mitten auf dem großen Platz unter dem Reinoldi-Kirchturm steht ein Paar und isst etwas. Die Tüte verrät, dass es sich die Bötchen von der Backwerk-Filiale geholt haben muss. Weil es sich 50 Meter vom Laden entfernen muss, steht das Paar also hier im Zentrum des Kirchplatzes und ist dort fast allein. Niemand kommt ihm zu nahe.

Viele bleiben zuhause

Es ist das erste Wochenende nach der Lockerung der Corona-Regeln. Kleine Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen öffnen, am Montag ziehen sogar die größeren nach. Zu erwarten wäre, dass bei so viel scheinbarer Normalität alles beim Alten ist und die Dortmunder in Massen auf ihre Einkaufsmeile strömen - wie sonst samstags auch. Doch viele bleiben zuhause. Um 16 Uhr waren die meisten Menschen auf dem Westenhellweg: 2518. Im Vergleich dazu waren es an anderen Samstagen ohne Corona über 7000 (Quelle: Highstreet.com)

Trostlos wirkte mitunter die Brückstraße. Viele Restaurants dort blieben geschlossen.

Trostlos wirkte mitunter die Brückstraße. Viele Restaurants dort blieben geschlossen. © Dennis Werner

Die Ladenbesitzer haben Vorkehrungen getroffen. Es gibt das Angebot, sich eine Schutzmaske zu nehmen, Desinfektionsmittel steht am Eingang bereit, oft dürfen nur zwei oder manchmal vier Leute gleichzeitig im Laden sein. Plakate hängen in den Schaufenstern.

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Lustige Wortspiele: „Mit Abstand sind Sie unser bester Kunde“, steht da drauf. Die Optimisten unter den Ladenbesitzern haben mit gelb-schwarz oder rot-weiß gestreiftem Isolierband Abstandslinien vor ihre Geschäfte geklebt für die zu erwartenden Schlangen. Die bleiben an diesem Samstag aus.

Markt wieder voller Kunden

Schwieriger mit dem nötigen Abstand wird es auf dem Markt. Vor jedem Stand mit Paletten oder Körben wurde zwar eine Distanzzone geschaffen, doch tummeln sich viele Kunden zwischen den einzelnen Ständen. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts versuchen mit Gesprächen, die Abstandsregeln durchzusetzen.

Thorsten hofft vor dem Saturn auf etwas Kleingeld. Und darauf, dass die Menschen auch zu ihm etwas Abstand halten.

Thorsten hofft vor dem Saturn auf etwas Kleingeld. Und darauf, dass die Menschen auch zu ihm etwas Abstand halten. © Dennis Werner

Vor dem Saturn steht Thorsten. An einer langen Stange hat er einen Plastikbecher befestigt. Vor seinem Bauch hat er ein Schild gehängt, auf dem er um etwas Kleingeld bittet. Wenn jemand Blickkontakt mit ihm aufnimmt, hält er dem Spender die Stange entgegen. Thorsten trägt Maske, und er wünscht sich, das würden alle tun: „Manchmal gehen die Leute, auch wenn sie eigentlich Platz haben, sehr nahe an mir vorbei.“ Wenn alle eine Maske trügen, sei das Risiko für ihn geringer. Er ist aber froh, wieder auf Leute zu treffen, die ihm etwas geben.

Wenige Kunden in der Thier-Galerie

In die Thier-Galerie kommt man nur über den Haupteingang hinein. Sicherheitsmitarbeiter achten darauf, dass die Rein- und Rausgehenden sich nicht an den Türen begegnen, ein professioneller Desinfektionsmittel-Spender steht am Eingang. Hände drunter, das Ding sprüht automatisch, dann geht es weiter, vorbei an Geschäften, die fast leer sind. Ein richtiges Shopping-Gefühl will sich (noch) nicht einstellen.

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Anders sieht es am Brüderweg aus. „Der Stoff“ heißt der Laden dort, der eine wahre Pilgerstätte für die Dortmunder ist. „Die meisten wollen Gummis und Stoff“, weiß Miriam Bruess. In den Laden kommt nur, wer ein Einkaufskörbchen hat, zehn Körbe gibt es. „Das klappt reibungslos, und draußen halten die Leute automatisch Abstand.“ Sie sei froh, nun wieder öffnen zu können. „Das spiegeln uns auch die Kunden, die sich freuen, wieder was zu tun zu haben.“

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