Landeverbot für BVB - Watzke: "Idiotische Entscheidung"

Flughafen Dortmund

Der Rückflug des BVB erwies sich am Sonntag als komplizierter als die 90 Minuten in Nürnberg. Kurios: Dem Flieger wurde die Landung untersagt, weil die Verspätungsfrist um 29 Sekunden (!) überschritten wurde. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fand deutliche Worte.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe und Daniel Müller

, 06.12.2010, 14:43 Uhr / Lesedauer: 4 min

Aktualisierung 14.43 Uhr: Jetzt liegt auch eine Stellungnahme der Bezirksregierung Münster vor: „Es war klar, dass die Maschine nicht um 23 Uhr in Dortmund sein kann“, sagte Sprecherin Sigrun Rittrich. Man könne grundsätzlich keine Ausnahmen machen. Auch bei 29 Sekunden nicht. „Nur bei Notfällen wie Ambulanz-Flügen oder wenn Organe transportiert werden können wir eine Ausnahme erteilen“, so Rittrich. Insbesondere beim Flughafen Dortmund müsse man die rechtlichen Grundlagen streng berücksichtigen. Die Anwohner haben ihr Recht auf Einhaltung der Betriebszeiten. Um 22.11 Uhr sei ein Antrag des Flughafens Dortmund gestellt worden, dass die Maschine auch nach 23 Uhr in Dortmund landen darf. Dieser wurde durch den Bereitschaftdienst abgelehnt. Um 22.15 Uhr habe es ein weiteres Telefonat mit dem Tower in Dortmund gegeben. Zwecklos. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte der Pilot wissen müssen, das er es nicht schaffen kann, so Rittrich. Die Kontrolle über den BVB-Flug habe immer Langen Radar gehabt und nicht der Airport Dortmund. Um 22.59 Uhr gab es einen Flugabweis von Langen Radar an den Piloten für die „Startbahn Ruhrgebiet“.Aktualisierung 13.58 Uhr: So, wir haben uns das Protokoll aus Nürnberg besorgt: Der Abflug Richtung Dortmund war eigentlich für 21 Uhr geplant. Die Maschine war um 20.45 Uhr vollständig besetzt.  Um (21.47 Uhr) wurde mit der Enteisung begonnen: „Vorher darf die Enteisung nicht beginnen. Der Check-In muss abgeschlossen sein und der Flug muss freigegeben sein“, erläutert Reto Manitz, Flughafensprecher Nürnberg, und liefert auch eine logische Begründung: „Das Frostschutzmittel hält nur 20 bis 25 Minuten. Deshalb werden erst abgefertigte Maschinen enteist. Das ist ein ganz normaler Vorgang."  Er habe auch keine Verständnis dafür, dass man die BVB-Maschine in Dortmund nicht hat landen lassen. Allerdings sei Dortmund für eine strenge Auslegung der Betriebszeiten bekannt, so Manitz.Aktualisierung 13.08 Uhr: Sehr deutlich kommentierte Reinhold Beekhuis, Sprecher der betroffenen Fluggesellschaft OLT, die Entscheidung der Bezirksregierung Münster: „Wir haben für diese Maßnahme absolut keine Verständnis. Wir haben mehrfach am Flughafen Nürnberg auf den Zeitfaktor hingewiesen“, so Beekhuis.  Der „Guide-Operator“ von OLT habe im ständigen Kontakt mit dem Airport Nürnberg gestanden. „Wir hatten fast den Eindruck, dass die Nürnberger uns aufgrund des verlorenen Spiels des Clubs gegen den BVB haben warten lassen“, echauffiert sich Beekhuis. Solche Äußerungen kann Nürnbergs Flughafen-Sprecher Reto Manitz nicht nachvollziehen. „Wir haben die Maschine sicher nicht mit Absicht warten lassen. Aber die Sicherheit hat oberste Priorität“, so Manitz. Auch aufkommende Gerüchte, dass der Flughafen Nürnberg nur eine Enteisungsmaschine habe dementiert er: „Wir haben insgesamt sechs Enteisungsmaschinen. Wir sind auf den Winter vorbereitet.“   Derweil muss OLT die Rechnung für die Umleitung nach Paderborn zahlen. „Wir schätzen den entstandenen Schaden auf rund 1000 Euro“, so Beekhuis. Rechtliche Schritte gegen die Bezirksregierung Münster werde man nicht anleiten. Dies sei aussichtslos. Aus Münster liegt zu den Vorkommnissen bisher keine Stellungnahme vor. Wir bleiben dran. Aktualisierung 12.21 Uhr: Bei Borussia Dortmund ist man über den Vorgang immer noch erbost: „Das war eine idiotische Entscheidung und respektlos. Der BVB ist ein großer und wichtiger Imageträger der Stadt“, erklärt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir wissen, dass der Flughafen alles versucht hat, um uns die Landung in Dortmund zu ermöglichen. Ich hätte von der Bezirksregierung Münster ein bisschen Fingerspitzengefühl erwartet, wegen 29 Sekunden weist man keine Maschine ab und schickt die Reisenden über 100 Kilometer bei spiegelglatten Straßen über die Autobahn“, so Watzke weiter. Der 51-Jährige kündigte bereits Konsequenzen an: „Wir werden uns offiziell beschweren, das sind wir der Mannschaft schuldig, die waren total frustriert. Die zerreißen sich für den Verein und die Stadt.“ Aktualisierung 12 Uhr: Wir haben den Flughafensprecher Marc Schulte erreicht. Er gab eine erste Stellungnahme zu den Vorkommnissen ab: „Wir sind sehr enttäuscht, wie die Sache gelaufen ist“, kommentierte Schulte die Geschehnisse des Sonntagabend. Der Flug aus Nürnberg habe eine gute Stunde Verspätung gehabt. „Die offizielle Landung in Dortmund war für 23.01 Uhr geplant“, erklärte Schulte. Der Flughafen Dortmund habe daraufhin um 22.15 Uhr bei der Bezirksregierung in Münster einen Ausnahmeantrag gestellt. „Dieser wurde leider abgelehnt.“ Begründung: Nachtflugverbot. „Wenn aus Münster ein Nein kommt, dann heißt das auch Nein. Wir haben noch versucht Argumente für eine Landung der BVB-Maschine zu finden. Aber da war nichts zu machen“, so Schulte. Die Bezirksregierung hat sich bisher nicht geäußert. Er hoffe, dass durch diese Vorkommnisse das Verhältnis zum Herbstmeister der Bundesliga nicht beschädigt wird. „Wir sind häufig in Gesprächen mit dem Verein, denn der BVB fliegt oft von Dortmund aus.“ Er könne die Enttäuschung der BVB-Verantwortlichen verstehen, aber dem Flughafen seinen die Hände gebunden. „Wir werden weiter für eine Verlängerung der Flugzeiten kämpfen.“ Aktualisierung 11.45 Uhr: Wir haben gerade mit einem Passagier gesprochen, der im Flugzeug saß. Er schildert seine Eindrücke: „Um 22.58 Uhr konnte man den Bahnhof in Unna sehen. Er war direkt unter uns. Auch das Fahrwerk war schon draußen. Wir dachten wirklich, dass die Maschine in Dortmund landet. Doch plötzlich startete der Pilot durch.“ Danach begann bei den BVB-Verantwortlichen das hektische telefonieren. Über Teammanager Fritz Lünschermann gelang es einen Fan-Bus des SC Paderborn zu ordern. Aktualisierung 11.38 Uhr: Ursula Wirtz von der Schutzgemeinschaft Fluglärm Dortmund äußert sich wie folgt zu dem Vorfall am Sonntagabend: „Die BVB-Profis sind ganz normale Geschäftreisende. Auch wenn sie zurzeit eine sportlichen Ausnahmestellung haben, kann es keine Sonderbehandlung geben. Der Flughafen schließt um 23 Uhr. Punkt.“ Das Gerücht, dass das Durchstarten einer Maschine lauter sein soll als eine Landung, verweist die Flughafengegnerin ins Reich der Fabeln. „Die Messwerte zeigen eindeutig, dass eine Landung deutlich lauter ist.“ (Wir haben den Link zu verschiedenen Messstationen hinzugefügt.)Ursprüngliche Nachricht: Für 21 Uhr war der Heimflug vom Airport Nürnberg angesetzt, erst um 22.20 Uhr aber hob die Turboprop der OLT (Ostfriesische Lufttransport) vom Boden ab, weil sie in der Warteschlange für die vorgeschriebene Enteisung steckte.  Mit Ziel Paderborn, denn  in Dortmund herrscht nach 22 Uhr bekanntlich ein Nachtflugverbot.   Übler Witz Was dann folgte, war übler als der schlechteste Ostfriesen-Witz. In der Luft entschied die Crew im Cockpit, die Landung in Dortmund doch zu versuchen. Denn der BVB hatte über die Verspätungsregelung des Flughafens Dortmund eine Ausnahme-Landegenehmigung bis 23 Uhr erhalten. Um 22:50 durchbrach die Maschine die Wolkendecke, um 22.55 Uhr waren die Fahrwerke ausgefahren. Über der Autobahn 1 dann startete die Maschine plötzlich durch und brach den Landeanflug ab  - es war 23.00 Uhr. Und  exakt 29 Sekunden. "Der Tower darf nach 23 Uhr keine Landungen mehr genehmigen", erklärte der Flugkapitän via Bord-Mikro. "Auch nicht bei ein paar Sekunden."Dicker Hals Von Dortmund aus ging es also dann Richtung Paderborn, wo der Flieger um 23.18 Uhr aufsetzte. Mannschaft und sportliche Leitung um Trainer Jürgen Klopp, Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestiegen mit erkennbar dicken Hals einen wartenden Bus - ausgerechnet auch noch ein schon in die Jahre gekommener Fan-Bus des Zweitligisten SC Paderborn. Der brauchte bei glatten Straßen noch gut eine Stunde bis ins Ruhrgebiet.  

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