Bombenfund

„Langsam sollten sie aufhören zu graben“ – Hausbesitzerin erneut von Evakuierung betroffen

Das Haus von Ursula Andernach hat bei der letzten Evakuierung am Schwanenwall Explosionsschäden davon getragen. Nun muss sie wieder evakuiert werden. Auf die Stadt ist sie nicht gut zu sprechen.

Etwas mehr als drei Wochen ist es her, dass Ursula Andernach wegen der der geplanten Sprengung eines Blindgängers um ihr Haus bangen musste. Nach der Explosion war es mit Dreck überzogen, die Fassaden und Fenster beschädigt.

Jetzt wurde bei Bauarbeiten erneut ein Blindgänger gefunden. Ursula Andernach und die Rechtsanwaltskanzlei ihres Mannes am Schwanenwall 17 müssen am Donnerstag (9.9.) wieder evakuiert werden.

„Die Stimmung ist bei uns dementsprechend nicht besonders gut. Langsam sollten sie wirklich mal aufhören zu graben“, sagt Ursula Andernach vor dem geplanten Beginn der Evakuierung um 12 Uhr.

Informationen von der Stadt hat sie zu diesem Zeitpunkt noch keine bekommen. Von der Evakuierung hat sie aus dem Radio und durch die Nina-Warnapp erfahren.

„Mich wundert langsam gar nichts mehr“

„Ich bin überzeugt, dass viele Menschen die App nicht haben und noch gar nichts von der Evakuierung wissen“, glaubt Andernach. „Bei dem, was in Dortmund passiert, wundert mich aber langsam gar nichts mehr“, sagt sie auch Blick auf die Baustellen vor ihrer Haustür und generell in der Innenstadt. „Wie kann man eine Innenstadt nur so zerfleischen?“

Sie sei sich natürlich darüber im klaren, dass eine solche Bombe entschärft werden müsse. Es wäre aber schön gewesen, wenn sie konkretere Infos von der Stadt zur heutigen Evakuierung bekommen hätte, findet Andernach.

„Wir wissen jetzt noch gar nicht genau, ob wir heute nach der Evakuierung noch werden arbeiten können. Für uns ist das erneut ein verlorenere Tag, auf den wir uns nicht richtig einstellen konnten.“ Die Mitarbeiter würden um 12 Uhr in die Mittagspause gehen. Was danach passiere, wisse sie noch nicht, sagt Andernach.

Andernach hofft, dass diesmal alles wie geplant läuft

Bei der geplanten Sprengung am 15. August, bei der knapp 7000 Menschen ihre Wohnung hatten verlassen müssen, war auch ein Schaltkasten der Telekom weggesprengt worden. In der Anwaltskanzlei ging deshalb am Tag danach weder Internet noch Telefon.

Rücksicht auf Gewerbetreibende und Selbstständige würde in der Stadt aus Andernachs Sicht schon lange nicht mehr genommen. „Ich sehe ja, wie die hochgezogenen Baustellen am Wall direkt nach dem Lockdown dem Einzelhandel zu schaffen machen. Da ist langsam eine Toleranzgrenze überschritten.“

Nachdem die Stadt zunächst mitgeteilt hatte, dass sie nicht für die am Haus entstandenen Schäden aufkommen müsse, war Andernach froh, dass die Gebäudeversicherung Explosionsschäden mit abdecke. Sie hofft nun, dass diesmal alles wie geplant abläuft. Immerhin liegt ihr Haus diesmal nicht direkt neben dem Fundort, sondern am Rande des 250-Meter-Evakuierungsradius.

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Redakteur
Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach journalistischen Ausflügen nach München und Berlin seit 2021 Redakteur in der Dortmunder Stadtredaktion.
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Lukas Wittland