Heike Marzen, die neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung, und Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, werben für den Einsatz von Lastenrädern als Teil der Mobilitätswende. Jetzt haben sie für interessierte Unternehmen einen Förderwettbewerb gestartet. © IHK/Schaper
Mobilität

Lastenräder liegen im Trend: Dortmunder Betrieben winkt satter Zuschuss

Immer mehr Betriebe in Dortmund setzen ein Lastenrad ein. Damit es noch mehr werden, startet jetzt ein Förderwettbewerb. Zuschüsse von bis zu 4000 Euro für ein Cargo-Bike werden vergeben.

Ralf Barthel von der Weinhandlung „Weinblatt“ an der Schüruferstraße in Aplerbeck möchte auf sein Lastenrad nicht mehr verzichten. Dreimal am Tag fährt er mit dem elektrobetriebenen Cargo-Bike zu seinen Kunden und liefert Wein aus.

„Ich habe bei den Lastenrad-Testwochen der Initiative Cargo-Bike Dortmund viele Modelle Probe gefahren und jetzt seit Juni ein eigenes Rad im Einsatz“, sagt Ralf Barthel. 900 Kilometer ist er seither bereits gefahren. „Das ist wirklich toll.“

Mit Corona ist der Lieferservice für ihn entscheidend geworden. Hat er vorher mit dem Auto dann und wann Bestellungen ins Haus gebracht, so kann er sich jetzt vor Lieferwünschen kaum retten.

Das Auto wird fast gar nicht mehr eingesetzt

„Ich habe zu Beginn der Pandemie meinen Kunden gesagt: Bleibt zuhause, ich komme rum. Das wurde gut angenommen, und längst bleibt dem stationären Handel auch nichts anderes übrig, als guten Service zu bieten“, so Ralf Barthel.

Das Auto setzt er bei seinen Touren fast gar nicht mehr ein: „Im Radius von fünf Kilometern erledige ich in Aplerbeck, Schüren und bis Brackel oder Berghofen alles mit dem Lastenrad.“

Ralf Barthel, Weinhändler aus Dortmund-Aplerbeck, ist seit dem Sommer mit einem zweirädrigen Lastenrad mit Elektroantrieb unterwegs. Täglich liefert er Wein an seine Kunden aus. „Das Rad ist schnell, flexibel und eine sinnvolle Ergänzung zur Kfz-Zustellung
Ralf Barthel, Weinhändler aus Aplerbeck, ist seit dem Sommer mit einem zweirädrigen Lastenrad mit Elektroantrieb unterwegs. Täglich liefert er Wein an seine Kunden aus. „Das Rad ist schnell, flexibel und eine sinnvolle Ergänzung zur Kfz-Zustellung“, sagt er. © Peter Wulle © Peter Wulle

Damit sein Beispiel Schule macht, starten Wirtschaftsförderung und Industrie- und Handelskammer zu Dortmund (IHK) einen Förderwettbewerb, an dem sich alle kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Dortmund beteiligen können. Am Ende können acht Firmen eine finanzielle Unterstützung von bis zu 4000 Euro für die Anschaffung eines Cargo-Bikes gewinnen.

Der Klimaschutzbeitrag spielt für Betriebe eine Rolle

Heike Marzen, die neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Dortmund, erläutert: „Der Wettbewerb ‚CargoBike.Start‘ soll eine finanzielle Unterstützung für Dortmunder Betriebe sein. Allerdings erhält nicht die Anschaffung des Rads, sondern das sinnvolle Einsatzkonzept die Unterstützung. Wir erhoffen uns durch die öffentliche Prämierung der Sieger-Konzepte auch eine starke Multiplikatorenwirkung.“

Neben dem Weinfachhandel Weinblatt sind auch die Betriebe Abokiste und Dortmunder Tafel Beispiele für Unternehmen, die nach der Beratung durch Cargo-Bike Dortmund an den Testwochen teilgenommen und dann ein Lastenrad angeschafft haben. „Der Klimaschutzbeitrag spielt für alle drei eine wichtige Rolle, doch auch die praktischen Vorteile haben überzeugt“, sagt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Wulf-Christian Ehrich.

Für Marc Schmitt-Weigand, Geschäftsführer der Abokiste, eines Lieferdienstes für Ökolebensmittel, ist die Zustellung mit dem Lastenrad mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil. Volker Geißler, Geschäftsführer der Dortmunder Tafel, hat sich direkt für das Modell Citkar Loadster entschieden, das ihn beim Probefahren überzeugt hat.

Finanzielle Unterstützung von rund 50 Prozent ist möglich

Dieses Modell eines vierrädrigen Lastenrades kostet rund 15.000 Euro. Wer sich dafür entscheidet und über den Förderwettbewerb den Zuschuss in Höhe von 4000 Euro erhält, kann zusammen mit den Fördermitteln vom Bund und vom Land NRW bei der Anschaffung auf eine finanzielle Unterstützung von rund 50 Prozent kommen.

Michael Halfpap, Manager bei der Kölner Herstellerfirma ANT GmbH, sieht gute Anwendungsmöglichkeiten für Lastenräder bei Logistik-Unternehmen, Lebensmittel-Einzelhändlern, Baumärkten oder auch Handwerksbetrieben.

„Man braucht dafür keinen Führerschein und ein vierrädriges Lastenrad ist vielfältig einsetzbar. Wir sind hochmodular und bieten es etwa mit Pritsche, festem Kofferaufbau oder auch mit Wechselcontainer an“, sagt Michael Halfpap. Die Nachfrage wachse. „Der Markt geht enorm nach vorne“, so der Manager.

Mitwachsen muss damit auch die Infrastruktur. „Teilweise ist es im Verkehr mit einem Lastenrad schon schwierig. Wir sind noch keine Fahrradstadt. Aber es wird nach und nach besser“, sagt Weinhändler Ralf Barthel.

Förderwettbewerb

Antragsbogen zur Teilnahme ist online

  • An dem Förderwettbewerb „CargoBike.Start“ können Dortmunder Firmen teilnehmen. Es werden Preisgelder bis zu 4000 Euro vergeben. Die Förderung soll kleine und mittlere Unternehmen erreichen.
  • Ab sofort können sich Unternehmen bis zum 31. Januar 2021 an dem Förderwettbewerb beteiligen.
  • In dem Antrag sind nur wenige Fragen zu beantworten, die einen Überblick über den geplanten Einsatz von Lastenrädern geben sollen. Die besten Einsatzkonzepte werden ausgewählt.
  • Infos und das Antragsformular sind zu finden unter: www.cargobike-dortmund.com
  • Ansprechpartner sind Stefan Peltzer (IHK) unter Tel. (0231) 5417-146, s.peltzer@dortmund.ihk.de und Ralf Finger (Wirtschaftsförderung) unter Tel. (0231) 50-29212, Ralf.finger@stadtdo.de
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Peter Wulle