Lastwagen im Kreuzviertel rauben Anwohnern den Schlaf

rnKreuzstraße/Neuer Graben

Bewohner des Kreuzviertels leiden seit der Brückensperrung an der Langen Straße unter Schwerlastverkehr – auch nachts. Die Anwohner protestieren. Einige befürchten Schäden an ihren Häusern.

Kreuzviertel

, 23.05.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jason Uhing wird morgens durch scheppernde Sattelschlepper aus dem Schlaf gerissen. Er wohnt im Neuen Graben im beschaulichen Kreuzviertel. Doch mit der Ruhe ist es dort vorbei, seit die Brücke an der Langen Straße wegen Problemen mit der Traglast für Lkw ab 16 Tonnen gesperrt ist. Noch stärker betroffen sind die Bewohner der Kreuzstraße.

Von oder zu Thyssen Krupp Rothe Erde fahrende Schwerlaster drängen mitten durch das Wohnviertel über die Kuithan- und Kreuzstraße oder Neuer Graben und Lindemannstraße Richtung B1.

Von der Bezirksvertretung Innenstadt-West wollte Jason Uhing wissen, wie lange er diese Situation noch ertragen muss. Er weist auch auf die vielen Schulkinder hin, die durch den Neuen Graben gehen. „Ich möchte eine Einschätzung der Lage, wo und in welchem Umfang die Schwerlaster demnächst fahren werden“, sagte Uhing in der Einwohnerfragestunde. „Gibt es einen Plan, diesen gesamten Schwerlastverkehr dort herauszuhalten?“

Einsturzgefährdete Brücke ist die Ursache des Problems

Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze konnte dem Anwohner zumindest die Ursache für das Problem erklären („Die Brücke war einsturzgefährdet“). Zwischenzeitlich habe die Sperrung der Kreuzstraße das Problem verschärft. Die aber ist inzwischen wieder freigegeben. Was die Brücke angeht, könne man nur das Ergebnis der Belastungsprüfung abwarten. Für den Neuen Graben aber solle ein Lkw-Verbot geprüft werden, schlug Olaf Meyer (SPD) vor.

Ein Transport der Frachtstücke – etwa Großwälzlager und Ringe für Windkraftanlagen – über die Schiene ist offenbar nicht möglich, obwohl ein Gleisanschluss vorhanden ist. Diese Teile sind zu groß für den Schienenverkehr und müssen mit Sicherungsbegleitung über die Straße transportiert werden. Das geschieht in der Regel nachts. „Sie passen so eben hier durch“, sagt Rolf Jägel, Bewohner der Kreuzstraße.

Kreuzstraße ist am stärksten betroffen

Aus der Kreuzstraße werde sich der Schwerlastverkehr absehbar wohl nicht heraushalten lassen, hieß es in der BV. Sehr zum Leidwesen von Jägel. „Der meiste Verkehr fährt durch die Kreuzstraße, und das schwerst beladen“, sagt der Architekt und Sachverständige. „Es braut sich etwas zusammen. Unsere Häuser leiden unter den Erschütterungen.“ Nachbarin Jutta Falk bestätigt die Sorge. „Ich befürchte langfristig Schäden an der Bausubstanz der Gebäude, da die Kreuzstraße mit Sicherheit nicht für diese Belastung ausgelegt ist.“

Lastwagen im Kreuzviertel rauben Anwohnern den Schlaf

Die schweren Fahrzeuge holpern über tiefe Schlaglöcher und Flicken. © Susanne Riese

Tiefe Schlaglöcher und Asphaltflicken lassen die Auflieger der Lastwagen scheppern, auch bei Leerfahrten. „Da wackeln hier die Wände und es macht einen Höllenlärm“, sagt Jutta Falk. Um halb 6 Uhr morgens ginge das los.

Die vor Wochen provisorisch angebrachten Parkverbotsschilder in der Kreuzstraße sind nun fest montiert; das hat die Anwohner alarmiert. Sie befürchten nun einen Dauerzustand. „Wie können Sie garantieren, dass unser Eigentum keinen Schaden nimmt?“, fragten sie in der BV. Falk, Jägel und ihre Mitstreiter fürchten auch die Kosten einer eventuellen Straßenerneuerung, die gegebenenfalls an ihnen hängenbliebe.

Polizei kündigt Geschwindigkeitskontrollen an

Außerdem sind in der Kreuzstraße viele Kinder zu einer der vier umliegenden Schulen unterwegs. Michael Großmann, Leiter der Polizeiwache Mitte, kündigte an, in den betroffenen Straßen in nächster Zeit häufiger Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Am meisten interessiert die Anwohner, wie lange der Zustand dauern soll. Die Stadt hat eine Anfrage dazu bislang nicht beantwortet.

Bezirksbürgermeister Stoltze will zunächst die Verwaltung um Auskunft bitten, wie es mit der Brücke am Ende der Langen Straße weitergeht. „Ad hoc können wir nichts ändern, das ist klar.“ Es soll nun geprüft werden, ob nicht zumindest ein Teil des Verkehrs zur Entlastung über eine andere Strecke geführt werden kann.

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